Schmiedefeld (Rennsteiglauf/ke) - Nach Auskunft der Veranstalter vom GutsMuths-Rennsteiglaufverein haben am Samstag mehr als 30.000 Läuferinnen, Läufer und Zuschauer den Sportplatz in Schmiedefeld zum Mekka des thüringischen Breitensports gemacht. Das im Herbst des vergangenen Jahres umgebaute Zielgelände des GutsMuths-Rennsteiglaufes hat seine erste Bewährungsprobe ausgezeichnet überstanden.
Wie es sich für einen ordentlichen Rennsteiglauf gehört, ist pünktlich zum Zieleinlauf der Siegerin des Intersport-Marathons ein kräftiges Gewitter inklusive eines prasselnden Regenschauers über Schmiedefeld, dem Zielort des ostdeutschen Kultlaufes nieder gegangen. Trotz des plötzlich einsetzenden Unwetters erwies sich die kleine Tourismushochburg im Thüringer Wald mit all ihren engagierten Einwohnern einmal mehr als idealer Veranstaltungsort für ein solches sportliches Großereignis. Jörg Brömel, Cheforganisator vom GutsMuths-Rennsteiglaufverein, freute sich vor allem darüber, „dass sich die baulichen und infrastrukturellen Maßnahmen, die wir im vergangenen Jahr am Zielgelände rund um den Sportplatz vorgenommen haben, wirklich gelohnt haben. Der plötzlich einsetzende Starkregen hat zu keinen Beeinträchtigungen für Läuferinnen und Läufer geführt.“ Auch der prächtigen Atmosphäre im Zielgelände konnte das Unwetter nichts anhaben. „Ich muss wirklich lange überlegen, wann ich in der Vergangenheit hier jemals eine solch gigantische Stimmung erlebt habe“, zeigt sich Jörg Brömel begeistert.
Podestplatzierungen zeigen, dass Rennsteiglauf internationaler wird
Mit den Österreichern Carola Bendl-Tschiedel (Siegerin E.ON-Supermarathon) und Klemens Huemer (Sieger E.ON-Supermarathon), dem Briten Matthew Lynas (2. Platz; E.ON-Supermarathon) und dem Äthiopier Rashe Buggaa (3. Platz Lotto Thüringen-Halbmarathon) haben sich vier Starter, die nicht in Deutschland geboren sind, einen Platz auf dem Podium gesichert. Das unterstreicht einmal mehr, dass der Rennsteiglauf nicht nur in Deutschland zu den beliebtesten Landschafts- und Crossläufen gehört, sondern auch international immer mehr an Renommee gewinnt. Klemens Huemer, der neue König des Rennsteiglaufes, ist österreichischer Rekordhalter des 12-Stunden-Laufes. Aufmerksam auf den Kammlauf durch den Thüringer Wald ist der Wiener vor zwei Jahren durch deutsche Gastarbeiter geworden, die vom Rennsteiglauf schwärmten. Die ebenfalls in Wien lebende Carola Bendl-Tschiedel, welche der übrigen Konkurrenz auf den 72,7 Kilometern mehr als zehn Minuten abnahm, hatte nach eigener Auskunft „eigentlich keine großen Erwartungen auf eine gute Platzierung, da ich in diesem Jahr bislang noch nicht so gut unterwegs war. Vielmehr ging es mir nur darum, in Schmiedefeld zu finishen. Sensationell nun das Ergebnis. Das ist zweifelsohne der größte Erfolg in meiner Karriere und ich bin bestimmt nicht das letzte Mal beim Rennsteiglauf zu Gast.“ Das ausländische Interesse am Rennsteiglauf ist ungebrochen. Dies belegt auch die Statistik aller gemeldeten Teilnehmer. Diese kommen in diesem Jahr aus 35 Nationen – das bedeutet Rekord. So viele Läuferinnen und Läufer aus verschiedenen Ländern der Erde nahmen noch niemals vorher am Traditionslauf teil.
Fritsch und Jacob heißen die Sieger beim Marathon
Die Marathon-Distanz der Männer wurde wie im vergangenen Jahr von Thüringer Läufern beherrscht. Zum zweiten Mal in Folge gewann Alexander Fritsch (Lok Arnstadt) den Klassiker. Mit Jan Burzik (Laufladen Jena), Marian Münster (ebenfalls Lok Arnstadt) und Andrè Fischer (Uni Jena) liefen drei weitere Thüringer unter die besten sechs des Intersport-Marathons. „In diesem Jahr war es viel schwerer, als 2010“, beschreibt Alexander Fritsch seinen Start-Ziel-Sieg. „Ich bin von Beginn an mein eigenes Rennen gelaufen und zum Ende hin hatte ich richtig zu tun. Die vielen Fans unterwegs trieben mich aber immer weiter.“ Ähnlich wie der Supermarathon der Frauen wurde auch der Intersport-Marathon von der späteren Siegerin dominiert. Anja Jacob vom VSC Klingenthal lief mit beeindruckenden elf Minuten Vorsprung vor der nächsten Konkurrentin nach 43,5 Kilometern als Erste durchs Ziel. „Es hat sich bewährt, dass ich mich ganz allein auf mich konzentriert habe und mich nicht um die Konkurrenz gekümmert habe“, erläutert die Marathonsiegerin von 2009 ihr Erfolgsrezept.
Neue Siegergesichter beim Halbmarathon
Den Lotto Thüringen-Halbmarathon mit insgesamt 5.888 gestarteten Teilnehmern konnte der für die SG Spergau (Leuna) angetretene Sven Weyer für sich entscheiden. Weyer, der zum zweiten Mal am Rennsteiglauf teilnahm (2006; 3. Platz), sieht das Geheimnis für den Erfolg in seiner Erfahrung als Bergläufer. „Die Berge und Anstiege hinauf habe ich mächtig Druck gemacht und damit versucht, die Spitze zu behaupten, was ja perfekt gelungen ist.“ Auf den Plätzen folgte Phillip Willaschek von der LG Ohra-Hörselgas vor dem äthiopischen Asylbewerber Rashe Buggaa (Coburger Turnerschaft), der angibt, noch nie einen solchen großen Wettkampf bestritten zu haben und von der grandiosen Stimmung auf der Strecke und im Zielgelände überwältigt war. Die gebürtige Suhlerin Helene Jacob setzte sich bei der Frauenkonkurrenz auf dem „Kurzen“ knapp vor der Biathletin Juliane Döll durch. Die sympathische Oberhoferin hat zwar seit Jahren einen Podestplatz adoptiert, der Sprung ganz nach oben aufs Siegertreppchen ist ihr aber auch in diesem Jahr nicht geglückt. Franziska Stebner vom LC Paderborn belegte den dritten Platz. Den hatte sie übrigens auch schon zum 36. GutsMuths-Rennsteiglauf im Jahr 2008 belegt.
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