Herbsleben (mdk) - 25 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Gemeinschaftsvorsitzende aus den Landkreisen Unstrut-Hainich und Gotha waren der Einladung des stellvertretenden Landrates Bernd Münzberg zu einer Bürgermeisterkonferenz nach Herbsleben gefolgt.
Zum Thema: Erneuerbare Energien wurden hier sehr informative, praxisrelevante Vorträge gehalten und zum Meinungsaustausch aufgerufen. Ausgehend von einem vielbeachteten Symposium zum Thema „Erneuerbare Energien“, das im September 2010 in Mühlhausen stattfand, gilt es nun, eine breite Öffentlichkeit für das Thema zu interessieren und in die Diskussion einzubeziehen. Darauf wies Vize-Landrat Bernd Münzberg in seinem Eröffnungsbeitrag hin. Er skizzierte die gegenwärtige Situation und wies auf Chancen und Bedeutung Erneuerbarer Energien für die Region hin. Im Einklang mit der Europa-, Bundes und Landespolitik haben wir heute die Chance, ein eigenes Konzept zu erarbeiten und so die Zielstellung, 100 Prozent des Strombedarfs im Unstrut-Hainich-Kreises durch Erneuerbare Energien zu sichern, bis zum Jahr 2020 zu erreichen, ist sich der stellvertretende Landrat sicher. Unter Regie des Regionalmanagements Unstrut-Hainich soll dieser Kurs fortgesetzt werden. Herbslebens Bürgermeister Wolf-Michael Kühmstedt verdeutlichte in seinem Vortrag, dass in seiner Gemeinde schon seit etwa 80 Jahren Wasserenergie der Unstrut zum Antrieb von Mühlen und Generatoren genutzt wird. Dazu kommen moderne Windenergieanlagen und eine gerade eingeweihte Photovoltaikanlage. Herbsleben ist somit bereits zu über 100 Prozent in der Lage, seine Stromversorgung autark zu sichern. Der Bürgermeister erklärte zudem, dass Investitionen in Energiespartechnik sich für die Gemeinde „rechneten“. Zum Thema „Naturschutz und Erneuerbare Energien – ein Widerspruch?“ referierten Eik Steinbach und Christoph Pufe vom Ingenieurbüro Kuntzsch GmbH. Dabei wurde deutlich, dass im Zuge des Genehmigungsverfahrens für Energieanlagen dem Naturschutz große Bedeutung beigemessen wird. So wurde beispielsweise in Tottleben als Ausgleichsmaßnahme ein Bürgerpark geschaffen. Aber auch das Anlegen von Feuchtbiotopen oder Randbepflanzungen im Wegebau sind denkbar. Dem Schutz von seltenen Tierarten wird man aber auch dadurch gerecht, dass beispielsweise Windenergieanlagen nur zu bestimmten Tages- oder Nachtzeiten bzw. mit langfristigen Ruhezeiten betrieben werden dürfen, damit Fledermäuse ungestört bleiben. Torsten Enders von der Unteren Immissionsschutzbehörde im Landratsamt beschrieb in seinem Vortrag den Verfahrensweg von der Idee bis zur Umsetzung einer Energieanlage. Nach der Kommunalisierung von Aufgaben vor etwa zwei Jahren sind die Unteren Immissionsschutzbehörden bei den Landkreisen angesiedelt. Über Kombikraftwerke als Energieversorger der Zukunft sprach Jörg Kuntzsch, Geschäftsführer der BOREAS Energie GmbH. Er erklärte das beeindruckende Potenzial dieser Kraftwerke, die alternative Energien aus Erdwärme, Biomasse, Wind und Wasser erzeugen, speichern und bedarfsgerecht abgeben können. Herbsleben sei aufgrund seiner natürlichen Ressourcen geradezu prädestiniert dafür. Denkbar wäre es beispielsweise, mehrere kleinere Kraftwerke in einer Region wie dem Unstrut-Hainich-Kreis zu betreiben, die zentral gesteuert werden. Frank Möller vom Regionalmanagement Unstrut-Hainich weckte großes Interesse mit seinem Erfahrungsbericht, der die Ökoenergie-Region Güssing in Österreich vorstellte. Die Stadt Güssing strebte bereits seit Beginn der 90er Jahre eine autarke Energieversorgung aus natürlichen Ressourcen an und erreichte dieses Ziel im Jahr 2005. Momentan bereite sich die gesamte Region Güssing darauf vor, nicht nur den Strom-, sondern auch den Wärmebedarf zu 100 Prozent aus eigener Kraft zu decken. Natürliche Energieressourcen klug auszunutzen und sparsam zu verwerten soll auch in unserer Region oberste Priorität gewinnen. Vize-Landrat Bernd Münzberg ist überzeugt davon, dass die Verwertung erneuerbarer Energien nicht nur Kosten verringert, sondern auch als Wertschöpfung arbeitsmarktpolitisch interessant ist. Momentan wird eine Vorlage für die Kreistagssitzung am 23. Februar 2010 vorbereitet, um die Erarbeitung eines Regionalen Klimaschutzkonzeptes auf den Weg bringen zu können und den Einsatz Erneuerbarer Energien im Unstrut-Hainich-Kreis voranzutreiben. Das Konzept würde zu einem hohen Anteil vom Bundesumweltministerium gefördert.