Perspektiven für Flughafen Erfurt-Weimar

Mehr Wirtschaftlichkeit und geringere Zuschüsse

Erfurt (dp) – Der Verkehrsflughafen Erfurt-Weimar soll gestärkt werden und als relevanter Teil der Verkehrsinfrastruktur des Landes erhalten bleiben.

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Prof. Dr. Christoph Brützel (links) und Verkehrsminister Christian Carius bei ihren Ausführungen.

© Foto: dp

Das sagte Verkehrsminister Christian Carius am Dienstag, 8. Mai. Er habe deshalb ein Betriebskonzept mit dem Ziel erarbeiten lassen, Wege aufzuzeigen, wie die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden kann und gleichzeitig die Zuschüsse des Landes reduziert werden. Beauftragt wurde mit der Studie die Firma Desel Consulting. Dabei ging es vor allem darum, die Stärken und Schwächen des Flughafens in einem sich wandelnden Luftverkehrsmarkt transparent zu machen.

„Es gilt das Niveau von 2010 mit rund 290 000 Touristik-Passagieren mittelfristig wieder zu erreichen und das Frachtgeschäft zu stabilisieren“, sagte Minister Carius. Außerdem sollen freie Gebäude und Flächen für gewerbliche Zwecke im so genannten Non-Aviation-Bereich verstärkt genutzt werden. Damit hat die Flughafen Erfurt GmbH (FEG) ein Betriebskonzept, das eine solide Grundlage zur Weiterentwicklung des Flughafens dient. Die Landesregierung hat seit der Wende rund 220 Millionen Euro in den Flughafen investiert. Der Hauptkunde Air Berlin hat sich im vergangenen Jahr weitgehend zurückgezogen und die Subventionierung der München-Linie in Höhe von zwei Millionen Euro im Jahr wurde bereits Ende 2011 eingestellt. Es werden bereits umfangreiche Betriebs- und Büroflächen vermietet.

Der Freistaat Thüringen ist 95-prozentiger Gesellschafter der FEG, die Stadt Erfurt trägt fünf Prozent. Die Desel Consulting hat in Zusammenarbeit mit der Christoph Brützel Aviation Consulting die Situation analysiert, den Standort und die Perspektiven bewertet. Wegen der geringen Nachfrage wurde die Linienverbindung nach München beendet. Als führender Anbieter von touristischen Flügen hat sich Air Berlin wegen eigener wirtschaftlicher Probleme zurückgezogen und für 2012 ist ein deutlicher Rückgang des Passagieraufkommens zu erwarten. Die einzigen regelmäßigen kommerziellen Flugbewegungen – neben den touristischen Diensten – sind die Zwischenstopps der TNT zur Aufnahme und Lieferung von Express-Sendungen aus dem Umfeld von Erfurt. Das bedeutet, dass eine marktseitige Sanierung unrealistisch ist und die Ressourcen (Infrastruktur, Betriebsmittel und Personal) angepasst werden müssen.

„Das ist zwar schmerzlich, aber unabdingbar“, sagte Christoph Brützel. Was wiederum heißt, dass von den derzeit rund 100 Mitarbeitern nur etwa 70 bleiben werden. Des weiteren müssen die landseitigen Potentiale zur Stärkung konsequent genutzt werden und die weitere Zuführung von Mittel zur Deckung der laufenden Verluste ist nötig, da sonst keine Umstrukturierung möglich ist. Dabei sollte der Zuschussbedarf nachhaltig gesenkt werden. Wobei klar ist, dass der Flughafen auch weiterhin Zuschüsse benötigen wird, um dem Land Thüringen erhalten zu bleiben. Der Flughafen befindet sich also in einer schwierigen Lage. Eine Ursache dafür ist der unruhige Airline-Markt. Allein durch den Rückzug von Air Berlin gab es im ersten Quartal 2012 einen Rückgang der Passagierzahlen von rund 81 Prozent. Eins ist Fakt: Das Land steht zu seinem Flughafen. Daher wird er ihn als Gesellschafter weiter unterstützen.

Es ist möglich, die Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu steigern und zugleich die Gesellschafterzuschüsse zu reduzieren. Nach einem neuen Plan werden es künftig nur noch vier Millionen sein, die vom Land kommen. 2011 waren es sechs Millionen, 2012 gab es 5,5 Millionen. Der zweite Hangar, der kaum genutzt wird, soll vermietet, die Vollzeit-Stellen beim Personal reduziert werden. Die Passagierzahlen sollen das Niveau von 2010 wieder erreichen. Da waren es rund 300 000 Fluggäste. In diesem Jahr gab es bisher 180 000 Passagiere, im vergangenen Jahr 270 000. Dazu müssen die Potentiale und Möglichkeiten auf der Luft- als auch auf der Landseite genutzt und weiterentwickelt werden.