(dbp/nas) - Wer betroffen ist, bleibt alle paar Meter stehen, als würde er von Schaufenster zu Schaufenster bummeln. Allerdings interessiert ihn weniger die Auslage, vielmehr zwingen ihn quälende Schmerzen in den Beinen zum ständigen Pausieren. Was im Volksmund „Schaufensterkrankheit“ heißt, hat zwei mögliche Ursachen.
Schuld ist in der Regel entweder eine Durchblutungsstörung der Becken-Bein-Arterien oder eine sogenannte Spinalkanalstenose – also eine Verengung des Spinalkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule. Zur Folge hat die „Schaufensterkrankheit“, dass den Beinen gewissermaßen dauernd die Puste (der Sauerstoff) ausgeht.
Gebremste Durchblutung
„Die Spinalkanalstenose wird mit zunehmendem Alter immer häufiger“, sagt Professor Dr. Marcus Richter, Leiter der Sektion Wirbelsäule der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie. Entwickelt sich an einem Gelenk eine Arthrose, vergrößert es sich durch knöcherne Anbauten; daraufhin verdicken sich die Bandstrukturen, um die nachlassende Stabilität auszugleichen. Passiert das Ganze an der Wirbelsäule, wird womöglich der Spinalkanal eingeengt durch den Rückenmark und Nervenfasern verlaufen.
Ein verengter Kanal hat auf die Beine ähnliche Auswirkungen wie eine verengte Arterie: Die Muskeln werden nicht mehr richtig versorgt und die Strecken, die der Betroffene zurücklegen kann, werden kürzer. Das ständige Stehenbleiben, dem die „Schaufensterkrankheit“ ihren Namen verdankt, sorgt für eine kurzzeitige Verbesserung: Weil die Muskeln nicht mehr bewegt werden, verbrauchen sie weniger Sauerstoff und die Schmerzen lassen nach.
Oft reicht Stehenbleiben allein nicht aus – die Betroffenen müssen sich setzen oder leicht vornüberbeugen, um Druck vom Spinalkanal zu nehmen. Weil sich die Stenose meist langsam und über viele Jahre aufbaut, tolerieren viele Patienten auch starke Verengungen. „Würde dieselbe Einengung akut durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst, wäre man sofort gelähmt“, sagt Professor Richter.
Tägliche Dehn- und Lockerungsübungen
Wenn die Beschwerden noch nicht allzu stark sind, helfen – wie auch bei Durchblutungsstörungen der Becken-Bein-Arterien – ein gezieltes tägliches Gehtraining und Gymnastik. Die Deutsche Gefäßliga rät zu einem Intervalltraining und dazu, im Alltag kleine Dehn- und Lockerungsübungen einzubauen – zum Beispiel, in den Zehenstand zu gehen oder die Beine nach vorn und hinten zu schwingen. Das Training sollte unbedingt mit dem Arzt abgestimmt werden, in vielen Städten gibt es zudem spezielle Gefäßsportgruppen.
Sind Funktionsradius und Lebensqualität schon extrem beeinträchtigt, kann auch operiert werden, sagt Professor Richter. Zwingend notwendig sei dies aber nur bei zunehmenden Lähmungserscheinungen. Liegt keine Instabilität („Wirbelgleiten“ genannt) der Wirbelsäule vor, kann der Eingriff minimal-invasiv, also mit nur kleinsten äußeren Verletzungen, erfolgen.
Vorbeugen kann man der Spinalkanalstenose im Grunde nicht, sagt Professor Richter. Da Menschen mit Übergewicht häufiger betroffen sind, rät er in jedem Fall zu einer gesunden Ernährung und viel Bewegung.
Weitere Informationen:
- Mehr zum Thema Rücken und Wirbelsäule unter www.gesund-durch.de/gesundheit_a-z/knochen-und-gelenke
- www.deutsche-gefaessliga.de; Webseite der Deutschen Gefäßliga mit Infomaterial
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