Eine beginnende Schwerhörigkeit wird oft nicht erkannt

Die Ohren leiden unbemerkt

(gesund-durch.de) - Der Hörsinn ist eine der feinsten Sinnesleistungen des Menschen. Er ist Tag und Nacht im Einsatz und leistet Unglaubliches. Dennoch wird er nur wenig beachtet, bei lauter Musik oder Verkehrslärm leidet er ganz im Stillen. Wenn das Hörvermögen dann spürbar nachlässt, liegt meist schon einiges im Argen. Einfach damit abfinden sollte man sich aber nicht.

Der Hörsinn ist eine der feinsten Sinnesleistungen des Menschen. Er ist Tag und Nacht im Einsatz und leistet Unglaubliches. Dennoch wird er nur wenig beachtet, bei lauter Musik oder Verkehrslärm leidet er ganz im Stillen. Wenn das Hörvermögen dann spürbar nachlässt, liegt meist schon einiges im Argen. Einfach damit abfinden sollte man sich aber nicht.Dass wir zwei Ohren haben, hat gute Gründe: Nur so ist räumliches Hören möglich. Nur so können bei lautem Geräuschpegel, zum Beispiel in einem Café, trotzdem noch die Worte des Tischnachbarn verstanden werden.

Zu wenige tragen Hörgeräte

Hören ist Lebensqualität, bedeutet soziale Teilhabe und Selbstständigkeit. Doch: „Es gibt etwa 15 Millionen Schwerhörige in Deutschland", sagt Professor Dr. Jürgen Kießling, Leiter des Funktionsbereichs Audiologie an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Gießen. „Etwa drei Millionen davon kann medizinisch geholfen werden – also mit Medikamenten oder einer Operation. Die restlichen zwölf Millionen sind potenzielle Kandidaten für Hörgeräte." Tatsächlich getragen werden die kleinen Helfer in der Praxis aber nur von zweieinhalb bis drei Millionen Deutschen. Einer davon ist Professor Kießling selbst.

Er hat sich seine Hörschädigung primär durch die Schießübungen während seines Wehrdienstes eingehandelt. Allerdings sagt er: „Ich bin von der Bundeswehr weggegangen mit der Vorstellung ich höre normal." Denn vor allem junge Menschen bemerken von einer schwächeren Hörstörung zunächst gar nichts. Das, was sie nicht durch Hören verstehen, gleichen sie unbewusst durch Informationen aus Gestik, Mimik und dem Kontext aus, weiß Professor Kießling. Ein Hörschaden beginne oft, ohne dass der Betroffene den geringsten Verdacht schöpft.

Die Angst vor der Stigmatisierung

Auch bei ihm war das so. Seine Hörstörung erkannte Kießling erst im Alter von 28 bei einem Hörtest. „Ich war entsetzt", sagt er heute. Mit der Anpassung von Hörgeräten hat er trotzdem noch 17 Jahre gewartet – obwohl er sich zunehmend durch seine Hörschwäche behindert fühlte. Zum Beispiel in Situationen mit lauter Geräuschkulisse oder beim Verstehen von Fremdsprachen.

Warum er trotzdem so lange gewartet hat? Der Grund dafür ist bei Betroffenen fast immer der gleiche, weiß der Audiologe auch aus seiner Berufspraxis: „Die Stigmatisierung. Die Angst, sich dann als alt und ein bisschen doof hingestellt zu fühlen, ist mit Abstand der größte Schrecken." Die Scheu vor einem kleinen Gerät, das nicht einmal aussieht wie eine Prothese, ist groß. Darüber wird meist vergessen, dass jene, die ständig nachfragen müssen, weil sie nichts verstehen, eher Gefahr laufen, nicht ernst genommen zu werden. Zudem verlangen sie ihrer Umwelt oft starke Nerven ab.

Hörgeräte können zwar niemandem exakt das perfekte Gehör eines 20-Jährigen wiederbringen. Aber: „Moderne Geräte helfen uns, um Klassen besser zu hören und zu verstehen", sagt Professor Kießling. Und das sollte eine Überlegung wert sein.

Bewerten Sie diesen Artikel

0.0
0,0 (0 Stimmen)

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Noch keine Kommentare vorhanden

Zu diesem Artikel wurde noch kein Kommentar hinterlassen, schreiben Sie doch den ersten.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder