Das „weiße“ Gold der Weser

Die Solequelle in Bad Karlshafen

Bild anzeigen Tief einamtmen am Gradierwerk. © Foto: privat

Bad Karlshafen. Die „Quelle des weißen Goldes", so nennen nicht nur die Bürger der malerisch an der Weser gelegenen Stadt Bad Karlshafen ihre Solequelle, die aus einer Tiefe von 1.150 Metern mit einem Solegehalt von 23 Prozent an die Oberfläche sprudelt. Diese war dafür ausschlaggebend, dass im Jahr 1838 die Stadt, die Landgraf Carl 1699 erbaute, ihren Kurbetrieb aufnehmen konnte.
Solequelle unter Felsen entdeckt
Im Jahr 1730 wurde die Solequelle durch den am Invalidenhaus tätigen französischen Arzt und Apotheker Jacques Galland auf einem seiner Spaziergänge in unmittelbarer Nähe der Stadt unter einem Felsen entdeckt.
Galland unterrichtete sofort die hessische Regierung in Kassel über seine Entdeckung, wohl wissend, welche Bedeutung diese Quelle einmal für die Stadt haben kann. Die Regierung ging auch sofort daran, diese Solequelle einzufassen. Völlig unverständlich war jedoch einige Jahre später die Entscheidung der Behörde, die Quelle wieder zu zerstören. Alles wurde wieder auf den alten Zustand zurückgeführt. Erst unter der Regierungszeit des Landgrafen Friedrich II. (1760-1785) entsann man sich erneut der Quelle. Es war besonders der hessische Staatsminister Waitz von Eschen, der sich 1762 dann intensiv um die Erschließung und Nutzung der Quelle kümmerte.
Saline errichtet
Ein Jahr später wurde dann die Saline errichtet, um dessen Förderung und weiteren Ausbau machte sich besonders der Landdrost am Diemelstrom Jost Heinrich v. Geyso verdient.
In der Saline wurde reichlich gutes Kochsalz gewonnen. Nach Abzug aller Betriebskosten konnte die Saline jährlich einen Reinertrag von bis zu 5000 Reichstalern verbuchen.
In der Zeit des Königreichs Westphalen war ein wirtschaftlicher Niedergang von Handel und Fabrikation in Karlshafen zu beobachten. Der Abschluss des Zollvertrages mit Preußen hatte für den Bestand der Saline nicht unbedeutende Folgen, denn der Zollvertrag legte fest, dass Kurhessen nur soviel Salz produzieren durfte, wie es im Lande benötigt wurde. Trotz massivster Proteste und Eingaben bei der Regierung in Kassel bedeutete der Abschluss dieses Vertrages das Ende der Saline in Karlshafen. Sie musste am 19. Mai 1835 ihre Pforten schließen, da die beiden weiter arbeitenden Salinen in Sooden-Allendorf und Schmalkalden genügend Salz für den Verbrauch in Hessen produzierten.
Nutzung der Sole zu Heil- und Badezwecken
Nach Schließung des Salzwerkes wurde die Solequelle zunächst drei Jahre lang nicht genutzt, bis der Pfarrer der reformierten Gemeinde Eduard Suchier den kühnen Entschluss fasste, die Quelle mit den bestehenden Anlagen zu erwerben, um die Sole für Heil- und Badezwecke zu nutzen. Von dieser Stunde an war das Solbad Karlshafen geboren, wenn auch vorerst noch in bescheidenem Rahmen. Neben der Quelle wurde ein Wirtschaftsgebäude gebaut, in dessen Erdgeschoss vier Badezellen eingerichtet waren. Während der Badezeit musste laufend heißes Solewasser vorrätig sein.
Bereits die ersten Jahre nach Inbetriebnahme des Badebetriebes ließen erkennen, dass die bestehenden Möglichkeiten zur Nutzung der Heilquelle nicht ausreichten. Auch zeigte sich bereits jetzt, dass eine Einzelperson mit der Führung eines Bades überfordert war. Es lag also auf der Hand, hier rasch für Änderungen zu sorgen. Eduard Suchier übergab das Bad daher 1868 an die Aktiengesellschaft Concordia, die der Mühlenbesitzer Schuchard aus Helmarshausen leitete. Diese Gesellschaft führte sofort großzügige Erweiterungen der Badeanlagen durch. Es entstanden ein Maschinen- und Kesselhaus, ein Badehaus mit 23 Badezellen und eine Musik- und Wandelhalle. Die Einweihung der neuen Kuranlagen fand am 8. August 1869 statt.
Der Badebetrieb florierte zunächst, doch Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts war ein beträchtlicher Rückgang zu verzeichnen. Die Stadt Karlshafen als Gläubigerin sah sich gezwungen, das Solbad für 24.000 Reichsmark zu übernehmen und zunächst für einige Zeit selbst zu betreiben, um es dann an den Gastwirt G. Schuwicht zu verpachten.
Im April 1897 ging das gesamte Anwesen für 18.000 Mark in den Besitz des aus Hann. Münden stammenden Gastwirts Carl Wicke über, der ein neues Kurhaus mit Saal errichtete. Die nächsten Besitzer waren P. Wollenhaupt und Dr. Salomo, bis im Jahre 1920 die Kreise Kassel-Land und Hofgeismar als Besitzer auftraten und besonders in den Jahren 1928 und 1929 umfangreiche Neubauten durchführten. Somit war der Badebetrieb auf einen modernen Stand gebracht und machte Karlshafen eigentlich zu dem, was es noch heute ist.

Steigende Zahl an Kurgästen
Die neuen Besitzer gingen daran, das Kurhaus völlig umzubauen und zu erweitern. Es entstand ein neuer Badetrakt. Die Badeanlagen wurden in immer steigendem Maße von den Kurgästen, aber auch von den Kindern des Kindersolbades genutzt. Völlig neu erbaut wurde in diesen Jahren auch das Kesselhaus, in dem sich auch die Solequelle, der wohl heute wertvollste Besitz der Stadt Karlshafen befand. Der Zweite Weltkrieg war ausschlaggebend dafür, dass der Badebetrieb in der Mitte des letzten Jahrhunderts zum Erliegen kam. Karlshafen erholte sich aber sehr rasch wieder von diesen Auswirkungen. Besonders das Kindersolbad konnte bis zum Jahre 1977 viele tausend Kinder aus verschiedenen Bundesländern, vorwiegend aber aus Hessen, medizinisch betreuen und versorgen.

Karlshafen bekommt das Prädikat „Bad"
Einen entscheidenden Schritt zur Weiterentwicklung des Kurortes machte die Stadt, indem sie am 24. August 1954 die Anerkennung als Heilbad mit der Verleihung des Prädikats „Bad" beantragte.
Damals wurden jährlich bis zu 24.000 Solbäder verabreicht.
Am 11. Juli 1955 fiel dann die Entscheidung über die Anerkennung Karlshafens als Heilbad mit der Festlegung der nachfolgenden Indikationen: Chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, Kreislaufstörungen, Erkrankungen der Muskeln und Gelenke.
Die Vergabe des Prädikats „Bad" musste zunächst zurückgestellt werden, da erst die Anerkennung als Heilbad ausgesprochen sein musste. Karlshafen wurde Mitglied im Verband der hessischen Heilbäder sowie im Deutschen Bäderverband. Als die Stadt im Jahr 1973 mit dem Neubau des großen Kurzentrums begann, das 1976 mit der Einweihung des städtischen Kurhauses abgeschlossen wurde, war eine Einrichtung vorhanden, die auch den modernsten Ansprüchen gerecht wurde. Damit waren alle Voraussetzungen geschaffen, auch die letzte noch ausstehende Lücke in der kontinuierlich fortschreitenden Entwicklung des Bades zu schließen, nämlich in der Verleihung des Ortszusatzes „Bad".

Das Gradierwerk
Ein besonders sichtbares Zeichen für die heilende Wirkung der Solequelle ist das 1986 neu errichtete Gradierwerk auf der Kurpromenade. Es dient ausschließlich medizinischen Zwecken. Rieselt konzentrierte Sole über das mit Schwarzdorn bestückte Gradiergestell, kristallisiert dabei auch immer festes Salz aus. Dieses Salz kommt in Form kleinster Kristalle in die Luft und wird vom Besucher eingeatmet. Die Aerosole dringt in die Atemwege ein und bewirkt dort die Reinigung und die vermehrte Durchblutung der Schleimhaut. Das Gradierwerk erfüllt damit auf wesentlich freundlichere Art das gleiche, was die Mund- oder Naseninhalation oder Rauminhalation im Kurzentrum bewirken.
Die mächtige, quer zur Windrichtung stehende Anlage hat die Aufgabe; die herabrieselnde Sole durch Verdunstung des Wassers bis zum Sättigungsgrad anzureichern, zu "gradieren". Das 30 Meter lange und acht Meter hohe Gradierwerk enthält rund 2.000 Bündel Schwarzdorn in einer Länge von zwei Metern und einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern. Über die 480 Quadratmeter Schichtung zerstäubt die Sole, verleiht der Luft einen hohen Feuchtigkeitsgehalt und reichert sie mit Salzteilchen an.
Durch den mehrfachen Umlauf der Sole verdichtet sich die Salzlösung. Dieser Versinterungsprozess bringt es mit sich, dass die Gradierwände allmählich "zuwachsen" und in Abständen zwischen acht und 12 Jahren mit neuen Schwarzdornbündeln aufgefrischt werden müssen.
Das Gradierwerk wird mit Mitteln aus der Kurtaxe unterhalten. Der jährliche Aufwand für diese Anlage beträgt etwa 20.000 Euro.
Die beste Inhalationswirkung erzielt man, wenn man täglich etwa eine halbe Stunde lang an der dem Wind abgewandten Seite, also dort, wo die Sole rieselt, langsam und ruhig durch die Nase atmend, am Gradierwerk entlang schreitet.

Medizinische Anwendungen mit Sole im Carolinum
Neben einem reichhaltigen Angebot medizinischer Indikationen in der Dr. Ebel Fachklinik Carolinum hat die Solequelle eine ausgezeichnete Wirkung bei Katarrhen, Asthma, Bronchitis, Rheuma, beginnenden Kreislaufstörungen und Erkrankungen im Kindesalter.
Solebäder haben bei der Therapie rheumatischer Erkrankungen und im Bereich der Nachbehandlung sowie der Anschlussheilbehandlung am Bewegungsapparat eine jahrhundertealte Tradition. Durch den erheblichen Auftrieb in einem Solebad im Vergleich zum Süßwasserbad wird der Organismus des Patienten entlastet und erlaubt Trainingseffekte, die zur Linderung von körperlichen Beschwerden beitragen.
Durch vielfältige Umweltbelastungen ist schon seit Jahrzehnten eine deutliche Zunahme von Atemwegserkrankungen festzustellen. Die Inhalationstherapie mit einem natriumchloridhaltigen Wasser bzw. einer gering konzentrierten Sole löst erhebliche Wirkungen auf das Bronchialsystem aus.
Solepartikel können tief in die Lunge eindringen, wodurch Feinstaub und andere Giftstoffe mit dem gelösten Schleim ausgeschieden werden. Die Soleinhalation erzeugt ähnliche Wirkungen wie der Aufenthalt im Bereich der Meeresbrandung.
Sole ist ein wunderbares Mittel zur Linderung von Hautbeschwerden. Auch die Schulmedizin bedient sich bei Hautleiden der Therapie mit Salz. Jeder, der mit seiner Haut Probleme hat, kennt die heilende Wirkung des Meeres. Das Solebad lindert nicht nur den Juckreiz, sondern gibt der Haut Feuchtigkeit und wirkt gleichzeitig beruhigend auf das Nervensystem.

Gesundbaden in der Weser-Therme
Besonders beliebt bei den Besuchern Bad Karlshafens ist die Weser-Therme. Auch hier wird die Solequelle genutzt. In drei Innen- und drei Außenbecken mit unterschiedlichen Wassertemperaturen von 33-36° C und verschiedenen Solekonzentrationen von 1,5-12% lädt die Badelandschaft zum Gesundbaden ein. Das anschließende Relaxen in Whirlpools bringt Körper und Geist wieder ins Gleichgewicht.
Auch die angeschlossene Saunawelt mit 5 verschiedenen Innen-Saunen (60 bis 150 Grad), 2 Dampfbädern, 2 Außensaunen und einer Bootssauna bieten ausreichend Möglichkeit zur Erholung.
Ein Wellness- und Massagebereich ist angeschlossen.
Die Weser-Therme ist täglich von 09.00 Uhr - 22.00 Uhr und am Freitag und Samstag von 09.00 Uhr - 23.00 Uhr geöffnet. Nur Heiligabend hat die Badewelt geschlossen.
(Quelle: Festschrift 150 Jahre Bade- und Kurbetrieb von Armin Sieburg)

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