Weimar (Trier-Gesellschaft Weimar) - Seit dem 6. Juni 2011 absolviert die 17-jährige Gymnasiastin Sophie Schmidt aus Trier ein Praktikum in der Gedenkstätte Buchenwald. Im Rahmen ihrer Jugendarbeit erfolgte die Organisation des Einsatzes und der Unterbringung sowie der Kostenübernahme von der Trier-Gesellschaft Weimar e.V.
Die Vorsitzende Elke Mohnhaupt-Schmidt und der Pressesprecher Gerd Baburek luden die Praktikantin zu einem Ausflug nach Belvedere ein, bei Kaffee und Erdbeerkuchen war Gelegenheit zu einem Interview mit der Praktikantin über die bisherigen Eindrücke:
Gerd Baburek: Frau Schmidt, wie kamen Sie auf Weimar und Buchenwald für Ihr Praktikum?
Sophie Schmidt: Ich wollte mit meinem Praktikum etwas Besonderes, eine gute Vorbereitung auf mein geplantes Studium der Kunstgeschichte und einen besonderen Ort. Meine Mitschüler blieben in der Nähe von Trier, ich wollte jedoch einen etwas weiter entfernten Praktikumsort.
Meine Großeltern, die in Sachsen-Anhalt leben, haben mir Weimar näher gebracht und in der Kulturstadt, in der man gemeinhin an die klassische Kultur denkt, ist Buchenwald für mich ein besonderer Ort.
Gerd Baburek: Was haben Sie dann konkret unternommen?
Sophie Schmidt: Da Weimar eine Partnerstadt von Trier ist war mein erster Anlaufpunkt das Rathaus in Trier. Über Kontakte von dort mit dem Rathaus Weimar, zum ehemaligen OB Dr. Germer und zur Trier-Gesellschaft Weimar hat für mich alles unkompliziert und problemlos geklappt.
Gerd Baburek: Zwar gewollt, aber dann doch plötzlich weit weg von zu Hause, wie gestaltete sich Ihre Ankunft in Weimar?
Sophie Schmidt: Mein Vater fuhr mich nach Weimar, hier wurde ich sehr freundlich aufgenommen und fühlte mich gleich gut aufgehoben. Ich wohne in einem kleinen Appartement auf dem Ettersberg und bin so in unmittelbarer Nähe meines Einsatzortes. Das Arbeitsklima ist ausgesprochen angenehm, locker und freundschaftlich und ich bekam eine interessante Tätigkeit.
Gerd Baburek: Wo sind Sie denn eingesetzt und womit sind Sie beschäftigt?
Sophie Schmidt: Ich arbeite in der Restaurationswerkstatt, hier werden Fundstücke aus der Nachwendezeit, besonders Ausgrabungen aus dem Speziallager aufgearbeitet. Es ist für mich etwas sehr emotionales mit den Fundstücken, darunter Reste von Uniformstücken, Fragmente von Munition aber auch ganz alltägliche Gegenstände, zu arbeiten. Bei einem Löffel zum Beispiel wird nach Besonderheiten oder Kennzeichnungen gesucht um seinem Weg eventuell zurückverfolgen zu können. Dabei gehen die Gedanken auf Reisen: Wem mag der Löffel gehört haben, wie könnte sein mutmaßliches Schicksal gewesen sein usw.
Gerd Baburek: Ihr Praktikum nähert sich dem Ende, wie lautet Ihr Fazit, was nehmen Sie mit?
Sophie Schmidt: Die Tätigkeit in Buchenwald war für mich eine interessante Erfahrung, hoch emotional, auch bedrückend. Am Beispiel mit dem Löffel wollte ich das deutlich machen.
Der Ort nimmt einen gefangen, beim Streifen durch die idyllische und scheinbar unberührte Natur erscheint manchmal das tatsächliche Geschehen unwirklich und ist dennoch stets präsent.
Leider habe ich abends auch erlebt, dass manche Jugendliche durch ihr Verhalten zeigen, dass sie die schicksalhafte Bedeutung des Ortes nicht verstanden haben, bzw. ihnen nicht gründlich vermittelt wurde. Die Betreuer haben hier oben eben eine besondere Verantwortung.
Gerne habe ich auch die kulturellen Stätten in der Stadt besucht, dafür hätte ich aber mehr Zeit gebraucht. Deshalb werde ich Weimar unbedingt nochmals besuchen.
Bei allen, die mir das Praktikum ermöglicht haben und mir vor Ort mit Rat und Tat zur Seite standen, möchte ich mich herzlich bedanken.
Gerd Baburek: Frau Schmidt, danke für Ihre offenen Antworten. Für Ihr Studium und Ihre weitere Entwicklung wünschen wir viel Erfolg.
Mit einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant Schwanseeschlösschen und zwanglosen Gesprächen wurde der Tag abgerundet.
Informationen und Bilder unter: www.trier-gesellschaft-weimar.de