Stadträtin Seidel berichtet

100 Jahre Kinderklinik Weimar

Weimar (Stadträtin) - Mit einem Festakt wurde vor wenigen Tagen das 100-jährige Bestehen der Weimarer Kinderklinik begangen. Auch für mich, als interessierte Weimarer Stadträtin (ww), war es eine große Freude und Ehre, an dieser Geburtstagsveranstaltung mit teilzunehmen.

alle Bilder anzeigen Bild anzeigen
100 Jahre Kinderklinik Weimar © ...eine alte Schwesterntracht

Sehr beeindruckend, wie das Leben und Wirken der Kindermedizin von damals bis heute dargelegt wurde. Mit einem kleinen durch das Programm geführten Theaterstück der 3K-Theaterwerkstatt Mühlhausen wurden die Reden vom Geschäftsführer Hubertus Jaeger, der Thüringer Sozialministerin Heike Taubert und des Chefarztes der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Thomas Rusche des Sophien- und Hufeland Klinikums Weimar sehr originell untermalt. Aber auch das Grußwort von Herrn Roland Biskop, dem Vorsitzenden des Fördervereins der Kinderklinik fand großen Anklang. Es kam zum Ausdruck, welchen Stellenwert dieser Verein für die Weimarer Kinderklinik zur Förderung von Projekten einnimmt. Sei es für einen Spielplatz an der Kinderklinik oder bei der Unterstützung von jungen Eltern aus sozial schwachen Verhältnissen, um ihnen beispielsweise bei der Finanzierung einer Babyerstausstattung unter die Arme zu greifen oder ähnliche Dinge.
Für mich, auch als Person mit einer wirklichen sozialen Ader, und auch Mitglied im Sozialausschuss, wieder eine Sache zum Nachdenken. Nachdenken darüber, wie es ggf. möglich sein kann, ebenfalls zu unterstützen.

Vor allem wurde ich selbst auch noch einmal so richtig in meine Kindheit hineinversetzt, denn ich kannte die damalige Kinderklinik am Rollplatz/Jakobskirchhof so zu sagen fast als mein zweites zu Hause. Bereits damals hätte ich ohne medizinische Hilfe oft kaum überleben können. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie die Zimmer, mit mehreren Bettchen und vor allem hinter großen Glastüren, ausgestattet waren. Meine Eltern durften mich auch immer nur kurz besuchen und zum Teil nur mal hinter der Glasscheibe auch sehen. Das ist heute natürlich alles anders. Eltern dürfen bei ihren kranken Kindern sein. Somit müssen die Kinder vielleicht nicht mehr so viel weinen, wie ich es damals tat.

Selbst die Namen der früheren Kinderklinikärzte und Schwestern, habe ich noch in meinem Ohr. Einige von ihnen, sah ich zur Festveranstaltung wieder. So z. B. Herrn Dr. Otto, Frau Dr. Peters oder Frau Dr. Beck sowie Schwester Bärbel, Heidi oder Rosi… Den damaligen Klinikchef, Dr. Eltz, den konnte ich schon fast als meinen zweiten Vati sehen. Er sprach auch irgendwie anders und war deshalb auch als der Herr Dr. „Nett wahr“ (nicht wahr) bekannt. Am liebsten hätte ich die Ärzte und Schwestern von damals angesprochen. Aber ob sie sich wohl bei so vielen kleinen Patienten wohl noch an mich hätten erinnern können. Obwohl, ich glaube schon, denn wie bereits erwähnt, schon als Kind, war ich immer sehr krank fast mehr im Krankenhaus, als zu Hause.

Auch wenn ich natürlich als Kind damals viel lieber zu Hause, als in der Klinik gewesen wäre, so muss ich doch sagen, dass man sich schon früher stets ganz viel Mühe mit den kranken Kindern gab! Ich erinnere mich auch noch an die dort arbeitende nette Putzfrau, Frau Janz, die nicht nur den Wischlappen oder Bohnerbesen schwang, sondern auch mit den kleinen Patienten Spaß machte. Selbst eine Kindergärtnerin, namens Fräulein Bach, kam zum Spielen und Basteln. Schulaufgaben jedoch, die machte eine Frau Eberhard mit uns Kindern, damit wir nicht zu viel von der Schule versäumen bzw. nicht aus dem Lernen heraus kommen sollten. Und: dann gab es noch Schwesternschülerinnen. Die, mit dem rosa Kittel und weißer Schürze, waren – so weit ich mich noch erinnere - Lernschwestern aus dem ersten Lehrjahr und blaue Kittel mit weißer Schürze, hatten schon ein Lehrjahr hinter sich. Alles was in ganz weiß war, das waren fertige Fachschwestern.

Erinnern kann ich mich auch noch sehr gut, dass vor allem die Lernschwestern immer aus der Wäscherei gekommene Windeln mit legen mussten. Als ich dann schon etwas älter war, durfte ich dabei helfen. Doch das nur auch noch einmal als einen kleinen Rückblick dazu, dass die Weimarer Kinderklinik schon immer einen sehr guten Ruf genoss und man dort versuchte, alles möglich zu machen, dass die Kinder sich trotz fehlender Mama stets geborgen fühlten.

Im Sophienhaus, da gab es im Übrigen mehr graue Schwesterntrachten. Solche konnte man sich in der im Objekt befindlichen Ausstellung auch noch einmal anschauen. Ebenso wie medizinische Gerätschaften von damals. So z. B. ein Inkubator für Frühchen. Auch mein Sohn, lag vor über 30 Jahren in einem solchen drin. Diese Ausstellung stellt einen fantastischen Vergleich zum Fortschritt in der Medizin von früher zu heute dar und es wird stets weitere Fortschritte geben. Auch in der nun ganz modernen Weimarer Kinderklinik des Sophien- und Hufeland Klinikums Weimar.
Ich wünsche der Weimarer Kinderklinik jedenfalls, dass sie noch viele weitere 100 Jahre Bestand hat und dass es auch weiterhin nur Gutes über sie zu berichten gibt. Petra Seidel, Legefeld

buergermeister - 99438 Weimar-Legefeld
Für den Inhalt des Textes ist der oben angegebene Verein/Verband verantwortlich.

Bewerten Sie diesen Artikel

5.0
5,0 (1 Stimme)

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Noch keine Kommentare vorhanden

Zu diesem Artikel wurde noch kein Kommentar hinterlassen, schreiben Sie doch den ersten.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder
Als Startseite festlegen Facebook Twitter RSS-Feeds Mobile