"Die Bühne" Hofgeismar

Theaterstück "Willkommen" stellt die Toleranzfrage

Von Michael Rubisch

Hofgeismar – Ein Theaterstück, welches die aktuelle Diskussion um den Umgang mit Migranten auf den Punkt trifft, präsentierte die Theatergruppe „Die Bühne" Hofgeismar in zwei ausverkauften Vorstellungen in der Hofgeismarer Stadthalle. "Willkommen" von Lutz Hübner und Sarah Nemitz spiegelt die unterschiedlichsten Meinungen, die zum Thema Flüchtlinge in der Gesellschaft vorherrschen, wider.

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Ein WG-Tisch, viele Diskussionen.

© Foto: Rubisch

Einmal im Monat isst die fünfköpfige Wohngemeinschaft gemeinsam am großen WG-Tisch. Fotografin und Hauptmieterin Sophie, die Verwaltungsangestellte Doro, Anna, Studentin der Sozialpädagogik, Jonas, Bankbetriebswirt und Benny, Dozent für Anglistik. Doch diesmal ist es kein normales Abendessen. Der bisexuelle Benny, hat eine Gastdozentur an der Universität in New York angeboten bekommen und kann dort bei seinem Partner unterkommen. Da Benny sich ehrenamtlich im Flüchtlingsheim engagiert kam ihm die Idee sein Zimmer für ein Jahr an Flüchtlinge unter zu vermieten, „natürlich nur wenn ihr auch alle einverstanden seid“. Die zum Teil abstruse Diskussion nimmt ihren Anfang. Sophie ist von Beginn an begeistert und wittert gleich ein Projekt, welches Sie als Fotografin begleiten kann. Jonas hegt Bedenken bezüglich des zu erwartenden Lärmpegels und erinnert die WG an seine Probezeit bei einer Bank, die müsse er unbedingt überstehen und brauche dafür seinen Schlaf. Unverblümt hingegen rüstet sich die Verwaltungsangestellte Doro mit allen ihr zur Verfügung stehenden Klischees über Araber, Religionen und Machogehabe. Draußen könne sie das ertragen aber nicht hier nicht in ihrer Wohnung.
Auch die etwas zurückhaltende Studentin Anna hat eine Meinung zu dem Thema. Mit ihrer Ankündigung einer versehentlichen Schwangerschaft nimmt das Stück erneut Fahrt auf. Sie könne sich vorstellen, dem Kindsvater das zur Verfügung stehende Zimmer zu überlassen. Weitere Brisanz in das Stück bringen die Tatsachen, dass es sich beim möglichen Vater nicht um den aktuellen Partner von Anna handelt, sondern um Ahmed, einem deutsch-türkischen Sozialarbeiter aus dem Ruhrgebiet. Aus dem Ruhrpott kommend hat auch Ahmed eine Meinung zu Menschen mit fremden Wurzeln. Und diese ist nicht weniger kritisch.
Auf der Bühne passiert nicht viel im ersten Teil des Stückes - die Bewohner sitzen am Tisch, essen und diskutieren gemeinsam. Das ist aber auch gut so, denn so kann das Publikum sich voll und ganz auf die Dialoge konzentrieren. Die einzelnen Charaktere sind sehr genau und mit einer Portion Humor und Spott gezeichnet und werden von den Darstellern durchweg gut, zum Teil gar brillant, gespielt - Kategorie "unbedingt sehenswert".

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