Stadtmuseum Hofgeismar

Hessen unter der dänischen Krone

Bild anzeigen Carl, Landgraf zu Hessen. © privat

In der neuen Ausstellung des Stadtmuseums Hofgeismar (14.11.2010 – 1.5.2011) kann man hessischen Prinzen und Prinzessinnen, Soldaten, Pfarrern, Handwerkern und Bauern begegnen, denn aus allen Sozialschichten kamen einst die Menschen aus Hessen, die für sich (und z. T. ihre Familien) in Deutschlands nördlichem Nachbarland eine bessere Zukunft suchten. Das Stadtmuseum Hofgeismar – seit dem Jahr 2000 mit weiteren internationalen Ausstellungsthemen hervorgetreten – geht diesen Spuren nach und macht eine besonders enge Verbindung zwischen Hessen-Kassel und Dänemark deutlich. Am Anfang dieser Beziehungen stand Charlotte Amalie von Hessen-Kassel (1650 – 1714), die noch heute im kollektiven Gedächtnis der Dänen wegen ihrer Charakterstärke und ihres Mutes vorhanden ist. In der Regierungszeit ihres absolut herrschenden Gatten Christian V. kamen andere Hessen-Kasseler Bürger nach Dänemark und blieben dort, z. B. Personen im Gefolge der Königin, Militärs (die an der Ritter-Akademie in Sorø ausgebildet wurden), oder Hugenotten, deren Patronin die Königin war oder auch Zuwanderer in die wieder errichtete Stadt Friedericia am Kleinen Belt.
Im 18. und 19. Jahrhundert verstärkte sich diese Verbindung, als die drei hessischen Prinzen Wilhelm (später Kurfürst Wihelm I.), Carl und Friedrich 1757 im Siebenjährigen Krieg Zuflucht im neutralen Dänemark suchten. Dieser Landgraf Carl von Hessen-Kassel blieb dort oben, stieg zu höchsten Ämtern auf (Vize-König in Norwegen, über 60 Jahre Statthalter in Schleswig-Holstein u. a.) und wurde zum Schwiegersohn, Schwager, Schwiegervater und (nach seinem Tod) Großvater je eines dänischen Königs wurde. Gerade dieser Carl, in seiner Zeit bedeutender Freimaurer und Begründer der „Armengärten" als Vorläufer der Schrebergärten, steht als hochinteressante Persönlichkeit im Mittelpunkt der Ausstellung.
1852 fand diese Verbindung zwischen beiden Ländern ihren Höhepunkt mit in der Begründung des Hauses „Glücksburg" als der bis heute Dänemark repräsentierenden Königslinie. Das neue Königspaar Christian IX. und Louise von Hessen-Kassel stammt in direkter Linie von dem gemeinsamen Urgroßvater, Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel, ab.
Die Ausstellung verspricht nicht nur die Aufarbeitung historischer Tatsachen, sondern auch ein üppiges Schauangebot mit Gemälden hochberühmter Maler (Juel, versch. Tischbeins, Pilo usf.) und vielen interessanten Objekten (z. B. Gegenstände aus dem persönlichen Besitz, einzigartige Dokumente, historische Graphik, seltene Medaillen usf.).
Die Ausstellung, die auf reiches museumseigenes Material zurückgreifen kann, wird außerdem unterstützt durch das Stadtmuseum Kassel, die Museumslandschaft Hessen-Kassel, die Hessische Hausstiftung, die Stiftung Schloss Glücksburg und das Landesmuseum Schleswig-Holstein. Die Kasseler Sparkasse ist als herausragende Sponsorin zu nennen, auch das Land Hessen förderte über den hessischen Museumsverband das Ausstellungsvorhaben.
Das Museum ist geöffnet Mo, Di, Do von 10 – 12 Uhr, Mi von 15 – 18 Uhr, Fr von 17 – 19 Uhr, So von 11 – 13 und von 15 – 18 Uhr. Gruppenbesuche außerhalb dieser Zeiten sind nach telefonischer Vereinbarung möglich, ebenso Führungen. Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei, Spenden werden erbeten. H.B. / V.J.

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