Meiningen (tk) - Als Verfasser des Volksliedes „Hoch auf dem gelben Wagen“ und Schöpfer der Legende vom Hütes ist Rudolf Baumbach vielen Menschen in der Region zumindest namentlich bekannt. Tiefere Einblicke in das Leben und Wirken des Dichters vermittelt das Literaturmuseum in seinem einstigen Meininger Wohnhaus. Ein wenig versteckt am Rande der Innenstadt gelegen, feierte das Domizil in der Burggasse jetzt seinen 75. Geburtstag.
Wie es ausgesehen haben könnte, wenn Rudolf Baumbach an seinem Meininger Schreibtisch saß, empfindet Museumsleiter Andreas Seifert nach.
© Foto: Tina KwiatkowskiZwar wurde das Gebäude selbst bereits 1738 erstmalig urkundlich erwähnt - ein Museum beherbergt der unter Denkmalschutz stehende fränkische Fachwerkbau jedoch erst seit dem Jahre 1937. Bis 1920 hatte sich das Haus noch im Besitz der Familie Baumbach befunden, doch mit dem Aussterben der Meininger Linie ging das Gebäude in das Eigentum der Stadt über. Letztere etablierte darin ein Heimatmuseum mit Memorialzimmern zu Ehren berühmter Meininger Bürger. Der schlechte bauliche Zustand des Gebäudes führte 1974 dann vorerst zur Schließung des Museums. Als „Haus der Literatur“ des ehemaligen Bezirkes Suhl wurde es acht Jahre später wiedereröffnet und bot fortan nicht nur einem regionalen Literaturmuseum, sondern auch dem damaligen Schriftstellerverband des Bezirkes ein Dach über dem Kopf. Während die Autoren mit der Wende auszogen, blieb das Museum bestehen. Seit mittlerweile 20 Jahren wird es nun von Kulturwissenschaftler Dr. Andreas Seifert geführt.
Im hinteren Teil des Obergeschosses können Besucher durch die einstigen Wohnräume Rudolf Baumbachs „wandeln“. Der 1840 geborene und 1905 verstorbene Dichter hatte die letzten 20 Jahre seines Lebens in Meiningen verbracht. Sein einstiges Schlafzimmer präsentiert sich heute als moderner Ausstellungsraum mit Hörstation, an welcher man einigen vertonten Texten des Literaten lauschen kann. Im Raum nebenan wurde Baumbachs private Bibliothek nachempfunden, in der sich über 200 Bände befinden - darunter etwa Martin Luthers „Tischreden“. Mit Einrichtungsgegenständen aus dem Nachlass Baumbachs, die durch Stücke aus dem Fundus der Meininger Museen ergänzt sind, bildet der dritte Raum das frühere Wohnzimmer ab und versetzt den Besucher in das ausgehende 19. Jahrhundert zurück.
Neben Baumbach widmet sich das Literaturmuseum im Vorderhaus auch anderen bekannten Schriftstellern, die in Meiningen lebten und wirkten. Ein im Stile des Biedermeier eingerichtetes Zimmer etwa macht mit dem Thüringer Märchensammler Ludwig Bechstein bekannt - ein anderes stellt den Autor Jean Paul vor. Und auch für Friedrich Schiller und seine nach Meiningen verheiratete Schwester Christophine Reinwald findet sich noch ein Plätzchen.
Im Erdgeschoss des Gebäudes kann die ständige Ausstellung des Museums durch Sonderexpositionen und Veranstaltungen ergänzt werden. Erst gestern fand dort die Vernissage zur Ausstellung „Sagenhaft II“ statt, auf der der freischaffende Künstler Andreas Gütter gestalterisch hochwertige Fotografien von Thüringer Sagenorten präsentiert, die Bechstein in seinem Thüringer Sagenbuch von 1858 beschreibt. Dabei nähert sich Gütter bekannten Orten wie der Wartburg oder Schloss Landsberg in Meiningen meist aus einer ungewöhnlichen Perspektive und setzt die Bilder in einen engen Bezug zum Text.
Museumsleiter Andreas Seifert ergänzte die gestrige Vernissage durch einen spannenden Vortrag über die Geschichte des Hauses.
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