Meiningen (tk) - Auf reges Interesse in der Bevölkerung stießen auch in diesem Jahr wieder die Meininger Zeitzeugengespräche. In ihrer fünften Auflage widmeten sich diese am vergangenen Wochenende dem einstigen nazi-deutschen Vernichtungslager Majdanek auf dem durch Deutschland besetzten Gebieten Polens. Dazu hatten die Organisatoren vom Meininger Zeitzeugenbüro zwei Überlebende des früheren KZ sowie einen ehemaligen Soldaten der Roten Armee eingeladen, der im Januar 1945 Zeuge der Befreiung von Auschwitz wurde.
Drei Überlebende der Kriegszeit berichteten in Meiningen von ihren Erlebnissen.
© Foto: Tina KwiatkowskiZwischen 1926 und 1929 in Polen oder Russland geboren, waren die drei Zeitzeugen noch Kinder, als am 01. September 1945 der Zweite Weltkrieg ausbrach. Daher zielte die erste Frage von Moderator Thomas Ritschel, dem Geschäftsführer der Evangelischen Erwachsenenbildung Thüringen, die die Meininger Zeitzeugengespräche jährlich mitveranstaltet, auch auf das Leben der drei Männer vor dem Krieg ab. Die beiden Polen Kotlarski und Dworakowski hatten nicht einmal die Schule beenden können, ehe sie 1942 bzw. 1944 verhaftet wurden. Unterstützt von einer jungen Dolmetscherin, sprachen die drei Zeitzeugen in einer bunten Mischung aus Polnisch, Russisch und Deutsch anschließend natürlich auch über ihre Erlebnisse im Konzentrationslager, die für Kotlarski und Dworakowski von Hunger, Krankheit, schwerer körperlicher Arbeit, Kälte und Sterben gekennzeichnet war. Nikolai Politanow beleuchtete das damalige Geschehen aus der Perspektive eines sowjetischen Befreiers und berichtete etwa von Bergen von Kinderschuhen und Kohle, über deren tatsächliche Verwendung er bis zu seiner Ankunft in Auschwitz nichts gewusst habe. Auf die Frage einer Zuhörerin, welchen Ratschlag die Zeitzeugen den anwesenden Jugendlichen mit auf den Weg geben würden, meinten diese, dass man niemals einer extremistischen Ideologie folgen solle, von welcher Seite sie auch kommen möge. Eine Auffassung, die auch Bürgermeister Reinhard Kupietz, Ulrich Töpfer als Vorsitzender des Meininger Eine-Welt-Vereins und SPD-Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke in ihren anfänglichen Grußworten vertraten.
Die passende Kulisse für die Zeitzeugengespräche bildete eine künstlerische Rauminstallation in der Aula der Meininger Volkshochschule, die Schüler der Gymnasien von Meiningen, Kaltensundheim und Schmalkalden zuvor in einem gemeinsamen Workshop entwickelt hatten. Unter dem Motto „Das hätte mich auch treffen können“ bestand diese aus Koffern, Schuhen und Masken, die von den Jugendlichen ganz persönlich gestaltet wurden, um zu demonstrieren, dass auch sie Opfer der Nationalsozialisten hätten werden können. Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung übernahm der etwas andere Chor der Kunst- und Kreativschule unter der Leitung von Sierd Quarré.
Die Meininger Zeitzeugengespräche widmen sich alljährlich Menschen, die das Regime der Nationalsozialisten überlebt haben. Die heutigen Generationen sollen dabei die Möglichkeit erhalten, sich in einem authentischen Kontext mit den Verbrechen der Nazis auseinanderzusetzen. Rechtsextremistischem Gedankengut soll so keine Chance gegeben werden.
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