Ichtershausen (ke) -Wenn im kommenden Jahr die neue Jugendstrafvollzugsanstalt auf dem freien Feld vor Rudisleben ihren Betrieb aufnimmt, enden in Ichtershausen 130 Jahre Strafvollzug.
Hatten Grund zur Freude: Marie Eggert und Maggy Ehrhardt gewannen den 1. Preis.
© Foto: Kerstin EngelmannSchon lange macht sich daher die Gemeinde Gedanken, wie eine sinnvolle Nachnutzung des Areals aussehen könnte. Für diese interessierte sich nun auch das Erfurter Collegiatstift St. Peter und Paul und schrieb einen studentischen Wettbewerb aus. An diesem beteiligten sich 42 Studenten der Weimarer Bauhausuniversität im Rahmen eines Seminares unter Betreuung der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte. Die Sechstsemestler brachten ihre Ideen zu Papier und veranschaulichten sie im Modell. Die besten Entwürfe für eine Umgestaltung des Gefängnisgeländes wurden am 9. Juli in der Ichtershäuser Klosterkirche prämiert.
„Über 100 Jahre gab es in Ichtershausen ein großes schwarzes Loch. Ein Areal, dass durch Mauern vom Rest des Ortes abgeschnitten wurde“, beschreibt Pfarrer Michael Ehrlichmann die Situation. Die evangelische Kirche des Ortes steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gefängnis, welches sich auf ehemaligem Klostergelände befindet. Man habe sich zu sehr an den Zustand gewöhnt und hätte sich nicht zu träumen gewagt, was die Studenten aufs Papier gebracht haben.
Parkähnliche Anlagen sind auf den Entwürfen zu sehen, eine Klosterschenke und Unterkünfte. Dabei wurde unterschiedlich starke Eingriffe in die vorhandene Baustruktur vorgeschlagen. Von einigen neuen Akzenten bis zur fast vollständigen Umgestaltung des Geländes reichten die Ideen. Aber alle Entwürfe haben eines gemeinsam: Die hohen Mauern wurden aufgebrochen und das Gelände durchgängig gestaltet.
Dem Collegiatsstift schwebe eine Mischung aus einem Ort spirituell-religiöser Einkehr und eher weltlichen Begegnungsräumen vor, so Dr. Thomas Seidel. Gastronomie gehöre dann für das am Lutherweg gelegene Areal dazu.
Da das Gelände momentan noch von rund 300 Jugendlichen im Strafvollzug genutzt wird, gestaltete sich für die Studenten der Zugang zur Begutachtung der vorhandenen Bausubstanz recht schwierig. Unterstützung kam hier von der Leitung der JSA, die den Wettbewerbsteilnehmer den Zugang zumindest kurzzeitig ermöglichte.
Über den mit 500 Euro dotierten 1. Preis freuten sich Marie Eggert und Maggy Ehrhardt. Ihre Arbeit überzeugte die Jury, in der neben drei Architekten unter anderem auch Ichtershausens Bürgermeister Uwe Möller und Ilm-Kreis-Landrätin Petra Enders saßen.
Noch keine Kommentare vorhanden