Schackendorf (wotan) - Einer jahrhundertealten Tradition folgend, feiern die Schackendorfer im August ihre Kirmes.
Die Kirmes hat in Schackendorf eine sehr lange Tradition. Schon seit Jahrhunderten war sie eine der wichtigsten Feste im Jahr. Sie wurde sowohl als Erntedankfest aber auch als Heiratsmarkt gefeiert. Deshalb mussten alle Kirmesburschen (Plotzer) und alle Kirmesmädchen (Plotzera) mindestens 16 Jahre alt, ledig und ohne Kinder sein. Auch Schwangere sind in der Kirmesgesellschaft nicht zugelassen.
Eine Vielzahl von Traditionen hat sich bei der Kirmes bis heute erhalten. Die Plotzerinnen und Plotzer treten in den ortstypischen Trachten zur Kirmeszeit auf und der Kirmesbaum – „Mäm“ genannt – wird gemeinschaftlich im Wald gefällt, geschält und als Kirmessymbol aufgestellt.
In Schackendorf fährt die Kirmesgesellschaft mit deftiger Brotzeit und reichlich Getränken etwa drei Wochen vor der Kirmes auf einem Traktor in den Wald und sucht einen möglichst geraden Baum von ungefähr 20 Metern Höhe und 35 bis 40 Zentimeter Stammdurchmesser aus, der gefällt, ausgeästet, per Hand auf den Traktor mit Nachläufer geladen und mit ins Dorf gebracht wird. In der Nähe des Festplatzes wird der „Mäm“ auf Steinen und Bohlen so gelagert, dass er gerade liegt beziehungsweise wuchsbedingte Krümmungen ausgeglichen werden. Gleichzeitig wird die Rinde mit einem Schäleisen entfernt. Auch der Bast unter der Rinde sowie zwei weitere Holzschichten werden abgetragen, wodurch eine glatte und gleichmäßig gefärbte Oberfläche entsteht. In manchen Kirmesjahren kann es sein, dass der Kirmesbaum des Vorjahres wieder aufgearbeitet wird. Dann wird nur eine Schicht vom Stamm abgetragen. Der Stamm wird spiralförmig mit einem roten und einem grünen Streifen bemalt, welche die Kirmesfarben Schackendorfes sind.
Die Kirmesgesellschaft sucht dann eine passende Spitze im Wald – das sogenannte Büschleholen. Diese wird am Montag vor der Kirmes mit roten Bändern geschmückt und am bearbeiteten Stamm angebracht. Außerdem schmücken zwei Reißig-Kränze, die auch mit roten Bändern umwickelt sind, den Kirmesbaum.
Über viele Wochen übt die Kirmesgesellschaft die alten Pflichttänze wie Einmarsch, Walzer, Hopper, Rheinländer oder Zillertaler, welche bei den Kirmesveranstaltungen aufgeführt werden.
Einer alten Sitte folgend, werden Ständle von Haus zu Haus dargebracht. Eine Schackendorfer Besonderheit ist das sogenannte „Gögerschla`n“, bei dem die Plotzerinnen mit verbundenen Augen versuchen, einen symbolischen Hahn (Göger) mit einem Dreschflegel zu erschlagen.
Vorstand der jährlich neu formierten Kirmesgesellschaft ist der zu wählende Oberplotzer mit seiner Oberplotzera. Desweiteren gehören der „Hahner“ oder Hanswurst mit seinem Kostüm aus bunten Fransen, einem spitzen Hut und Reisigbesen sowie der „Gisserträcher“, der mit einer geschmückten Gießkanne, die mit Bier gefüllt ist, die Kirmesgesellschaft versorgt.
In Schackendorf gibt es auch eine Kinderkirmes, die sich ebenso wie die große Kirmesgesellschaft zusammensetzt.
Einer der Schackendorfer Schlachtrufe lautet: „In der Werra fließt kein Bier! Aber hier, aber hier! In unserem Festzelt könnt`s gesei! Schütt mer`s nei! Schütt`mer`s nei! Schackendorfer Kirmes!“ (Kerren).
Bis zum Jahr 1998 ist die Schackendorfer Kirmes im Saal des Gasthauses „Zur Linde“ gefeiert worden und ab 1999 gibt es ein Festzelt in den Werrawiesen.
Die Kirmes dauert vom Freitag des letzten Augustwochenendes bis zum folgenden Montag.
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