Tipps zu ausreichend Bewegung

„Jede Stunde einmal aufstehen“

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Kreative Ideen zu mehr Bewegung im Homeoffice sind jetzt gefragt, sagt Prof. Dr. Bernhard Borgetto, Professor für Gesundheitsförderung und Prävention an der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit in Hildesheim.

© Foto: privat

Hildesheim/Holzminden (ozm) - Die HAWK ist seit einiger Zeit im Homeoffice. Lehrende, Studierende und Verwaltungsmitarbeitende sind in einen neuen Arbeitsalltag gestartet und das in häuslicher Umgebung. Während manche damit schon Erfahrungen haben, stellt es andere vor große Fragen. Einige davon betreffen das Oberthema „Zu viel statisches Sitzen“ - das ist ungesund und kann wertvolle Lebenszeit kosten, wie Studien nachweisen.
Was muss ich verändern, wenn ich die eigenen vier Wände für die Arbeit nicht mehr verlassen muss, was sind Gegenmaßnahmen, um ausreichend Bewegung zu bekommen und warum sollte ich keine elf Stunden am Stück oder mehr sitzen? Dr. Bernhard Borgetto ist Professor für Gesundheitsförderung und Prävention an der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, auch für ihn als Lehrenden verändert sich die Arbeitssituation erheblich seit die HAWK den Präsenzbetrieb ausgesetzt hat.
Jetzt startet er mit einer kleinen Gruppe online in den Master Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie mit dem Blockseminar „Evidenzbasierte Praxis – Weiterentwicklung und Transfer“. „In dem Seminar geht es darum, wie Forschungsergebnisse aus empirischen Studien mit unterschiedlichen Forschungsansätzen für die therapeutische Praxis hinsichtlich ihrer Aussagekraft kritisch bewertet und anwendbar gemacht werden können“, so Borgetto. „‚Weiterentwicklung und Transfer‘ deshalb, weil wir diesen Ansatz im Masterstudiengang weiter inhaltlich vertiefen“. Eine Woche später startet Borgetto den Bachelorstudiengang mit einer „Methoden-Werkstatt“ zur Vorbereitung auf wissenschaftlich fundierte Abschluss-Arbeiten.
Da die HAWK das Master-Studium berufsbegleitend anbietet, stellen sich für ihn nicht die Fragen, was die Aprilwochenenden trotz Kontaktverbot an Abwechslung in Niedersachsen bringen.
Seit 2006 unterrichtete Borgetto die Studierenden im Vorlesungssaal und Seminarraum, durch die neuen gesetzlichen Bestimmungen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus, muss er in virtuelle Räume umziehen, um das Semester ordnungsgemäß durchführen zu können.
Mit einem speziellen extragroßen Bildschirm der Hochschule unterrichtet er an den Wochenenden mehrere Stunden. „Dies wird aber nicht nur in Form von Online-Lehre sein, sondern auch mit Lehraufgaben zur Bearbeitung vor, teils auch während und nach den im Lehrplan vorgesehenen Präsenzzeiten gestaffelt sein“, so Borgetto.
„Im Übrigen zeigt sich auch, dass auch zum Beispiel alleinerziehende Studierende in Sondersituationen sind, die ein geregeltes Studieren aktuell nicht zulassen, das heißt, wir müssen mit einer Vielfalt von Lebenssituationen umgehen und uns eng abstimmen, dass die Studierenden bei allem Engagement, das sie haben, nicht überlastet werden“. Bei seinen Online-Sessions geht es deshalb vor allem auf die Konzentration auf das Wesentliche.
In diesem Semester ist nicht nur die Prüfungsordnung neu, so dass die Lehrenden neue Inhalte lehren werden, auch das Aussetzen der Präsenzlehre an der Hochschule stellt eine neue Herausforderung dar.
Für ihn ist dies nicht nur eine didaktische Frage, sondern auch eine gesundheitliche: „Das Lehren ist damit zu einer komplett sitzenden Tätigkeit geworden“, so Borgetto. Videokonferenzen ersetzen kurze Besprechungen auf dem Flur und einen Ortswechsel. „Zum Präsentieren steht keiner mehr auf, eine ergonomische Büroausstattung im Homeoffice ist eher die Ausnahme“, so Borgetto, „ich zum Beispiel laufe auch gerne mit dem Pointer in der Hand bei Vorlesungen vor und zwischen den Studierenden hin und her“. In seiner Vorlesung wird er versuchen auf diese neue Situation mit ausreichend Pausen zu reagieren. Da seine Studierenden aus den Gesundheitsfachberufen stammen, sind sie ohnehin schon sensibilisiert für das Thema „Bewegung als Ausgleich für längere Sitzphasen“, so Borgetto. Allerdings sei der Wochenendsport oder der Sport abends nicht ausreichend, um das viele Sitzen zu kompensieren, zitiert Borgetto eine Studie aus den USA von 2017.
„Alle, die eine sitzende Tätigkeit ausüben, sollten jede Stunde einmal aufstehen“, rät der Experte.
Für das Homeoffice hat er ein paar besondere Tipps, wenn keine Studierenden live zugeschaltet sind:
Jede Pause ein Fenster oder einen Spiegel putzen; Einen Teppich saugen; Die obere Fläche eines Schrankes abwischen; Überflüssiges aussortieren (Ziergegenstand, etc.); Denken und Telefonieren nicht im Sitzen erledigen, sondern im Gehen, das fördert auch die Kreativität; Jede Pause eine Pflanze im Haus einzeln gießen; Für die Gesundheit und das harmonische Miteinander Zuhause: Geschirrspüler ein- und ausräumen; Wäsche waschen, einräumen oder aufhängen; Müll rausbringen.
„Das Arbeitsmaterial kann im Homeoffice auch auf dem Boden gelagert werden, so kommen die Menschen mehr in Bewegung, beim Holen und Aufheben“, so Borgetto. Kreative Ideen zu mehr Bewegung im Homeoffice seien jetzt gefragt.
Eine Stunde insgesamt sei ein guter Richtwert, so der HAWK-Professor. Nach Feierabend könne dann das gute Wetter genossen werden: mit dem Fahrrad, beim schnellem Gehen oder durch gemächliches Joggen.

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