Tradition wird in Drenke noch gepflegt

„Karfreitagsratsche“ wiederentdeckt

Von Barbara Siebrecht
Herstelle/Drenke – Auf dem Glockenturm stand sie seit etwa 70 Jahren vergessen in einer Ecke. Kirchenvorstand Wolfgang Janzen holte die „Karfreitagsratsche“ wieder hervor und restaurierte das Holzgerät, das mutmaßlich 134 Jahre alt ist.

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Kirchenvorstand Wolfgang Janzen restaurierte die historische Karfreitagsratsche die vermutlich 1886 gebaut wurde.

© Foto: Siebrecht

Zwischen Karfreitag und dem Ostermorgen, also von Jesu Tod bis zu seiner Auferstehung schweigen die Kirchenglocken. Ihr festlicher, voller Ton ist in dieser Zeit der Trauer unpassend. Als Ersatz für die Kirchenglocken rufen in manchen Orten auch heute noch hölzerne Klappern, Ratschen oder Raddern die Gläubigen zum Gottesdienst. In Drenke gehen die Kinder traditionell am frühen Morgen mit tragbaren Raddern aus Holz durch den Ort und rufen mit diesen lärmenden Klappern zur Ostermesse. Auch in diesem Jahr wollen die Drenker an diesem Brauch festhalten. Von Balkonen aus soll am Karfreitag und Karsamstag, je um 7 Uhr, um 12 Uhr und um 18.30 Uhr „geraddert“ werden. Das Drenker Ortsteam möchte auch unter der Kontaktsperre an dem Brauch festhalten und hofft, dass sich aus jeder Straße Personen melden, die die Raddern drehen wollen.
In Herstelle gab es diese Tradition bis in die 50er Jahr auch noch. Den Kindern erzählte man, dass die Kirchenglocken zwischen Karfreitag und Ostersonntag nach Rom fliegen und deshalb nicht schlagen können. Kirchenvorstand Wolfgang Janzen kann sich erinnern, als Messdiener von etwa 9 Jahren die große Karfreitagsratsche am Ostermorgen gedreht zu haben. Dazu musste er den 35 Meter hohen Glockenturm besteigen. Dort stand die Ratsche bei den Glocken vor den Schalluken. „Es war ein bisschen unheimlich so allein auf dem Turm, besonders als das Geläut der Turmuhr schlug“, berichtet Janzen. Bald nach seinem Erlebnis muss die Tradition in Herstelle eingestellt worden sein, denn nur die älteren Einwohner können sich noch daran erinnern.

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Die Welle mit den Nocken bewegt die Holzhämmerchen. 

© Foto: Siebrecht


Das die Karfreitagsratsche der Hersteller wiederentdeckt wurde, ist auch Pfarrer Frank Schäffer zu verdanken, der sich sehr für die Kirchen der Pfarrei, deren Kunstschätze und ihre Geschichte interessiert. Gemeinsam mit Wolfgang Janzen bestieg er vor kurzem den Hersteller Glockenturm und dabei fiel den beiden Männern das Holzgerät auf. Janzen trug es einige Tage später die steile Treppe des Turmes hinunter und kümmerte sich um dessen Restaurierung. Der Holzwurm musste bekämpft und einige Zapfen an der Kurbel aus Hartholz ersetzte werden. Auf dem Resonanzkaste entdeckte Janzen die Jahreszahl 1886, die dort eingeritzt ist. Er hält es für Wahrscheinlich, dass die Hersteller „Karfreitagsratsche“ in diesem Jahr gebaut wurde. Zukünftig wird sie im Archiv der Pfarrgemeinde, im alten Pfarrhaus in Herstelle aufbewahrt. Bei einer der nächsten Veranstalltungen des Ortsteams im Pfarrsaal kann sie ausgestellt werden.

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Der Fichtenholzkasten dient als Resonanzkörper und hat Schalllöchern.

© Foto: Siebrecht

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