Gemeinsames Projekt Sekundarschule und Gymnasium

80 Jahre Reichspogromnacht – auch in Beverungen

Von Christoph Reichardt und Peter Vössing
Beverungen - Vor achtzig Jahren, am 9. November 1938, brannten in Deutschland die Synagogen, das Inventar wurde verbrannt, die sakralen Gegenstände geschändet, doch nicht nur das: Jüdische Häuser und Geschäfte wurden an diesem Abend geplündert, jüdische Mitbürger schikaniert, misshandelt und einige sogar getötet, viele Juden kamen für Wochen ins Konzentrationslager.

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Eröffnung der Veranstaltung „80 Jahre Reichspogromnacht – auch in Beverungen“.

© Foto: Vössing

In einem barbarischen Terrorakt setzten SA- und NSDAP-Mitglieder Synagogen in Brand, deren Trümmer später z.T. gesprengt wurden. Sie zerstörten etwa 7.000 Geschäfte jüdischer Einzelhändler und verwüsteten Wohnungen der Juden. Sie töteten nach offiziellen Angaben insgesamt 91 Personen. Die Zahl derer, die infolge von Leid und Schrecken umkamen, ist nicht bekannt. An den Aktionen beteiligten sich auch Angehörige der Hitlerjugend und weiterer NS-Organisationen. Der Mob nutzte die Chance zur Plünderung. Die Deutschen wurden Zeuge, wie die Menschenrechte und die Menschenwürde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten wurden. Unter den Gaffern wurde gejubelt und gejohlt, andere haben schweigend oder gleichgültig hingenommen, was geschah. Die Juden wurden in dieser Nacht nahezu allein gelassen.

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Initiator Christoph Reichardt.

© Foto: Vössing


Diese Ereignisse geschahen in ganz Deutschland, auch in Beverungen. Die Synagoge in der Langen Straße wurde nur durch das Eingreifen des damaligen Bürgermeisters kein Raub der Flammen, er fürchtete, dass ein Feuer auch auf benachbarte Häuser übergreifen könnte. Aber das Inventar wurde zerstört oder „sichergestellt“, die Gesetzestafeln Moses am Außengiebel von einem SS-Mann abgeschlagen. Ausschreitungen gab es auch gegen andere jüdische Einrichtungen. Eine Reihe jüdischer Männer, darunter der Rabbiner Seligman Buxbaum, wurden getreten und geschlagen, anschließend im Rathaus gefangen gesetzt. Den Kaufmann Leopold Rosenstein tauchte der Mob in der Weser mehrfach unter, mit nasser Kleidung musste er die Nacht mit den anderen Gefangenen in der ungeheizten Waschküche des Rathauses verbringen. Rosenstein und der Kaufmann Ludwig Kohlberg wurden zudem für einige Wochen ins KZ Buchenwald eingeliefert.
Zum Gedenken an diese Ereignisse organisierten die Sekundarschule sowie das Gymnasium Beverungen gemeinsam eine Veranstaltung mit Lernstationen und und einer Ausstellung zum Beverunger jüdischen Friedhof für die zehnten Klassen der Schulen

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Als Gäste kamen die Söhne des Beverunger Juden Leopold Rosenstein, Hans-Georg Rosenstein (mit Frau Ingeborg) und Walter-Albert Rosenstein (mit Frau Karola).

© Foto: Vössing

Die Veranstaltung wurde von Bürgermeister Hubertus Grimm eröffnet, der den 9. November als deutschen Schicksalstag herausstellte:
9.11.1848 Ende der deutschen Revolution durch die Hinrichtung von Robert Blum
9.11.1918 Novemberrevolution und Ausrufung der Deutschen Republik durch Philipp Scheidemann
9.11.1923 Hitler-Ludendorff-Putschversuch
9.11.1938 Reichspogromnacht
9.11.1989 Mauerfall
Grimm hätte gern gesehen, dass dieser 9. November als Feiertag für Deutschland installiert worden wäre. Der Bürgermeister forderte in Bezug auf die Reichspogromnacht vor 80 Jahren dazu auf, dass alle Beverunger Schüler – so wie es die Sekundarschule bereits macht – einmal ein Konzentrationslager besichtigen sollten, um zu sehen, welche schrecklichen Dinge im Namen des deutschen Volkes passiert seien. Er sieht es als Verpflichtung an, das was geschehen ist, weiterzugeben „Dieses Gedankengut hat in unserer Gesellschaft nichts zu suchen. Wehret den Anfängen. Tragt diesen Tag weiter, klärte darüber auf“, appellierte Bürgermeister Hubertus Grimm eindringlich an die Schülerinnen und Schüler.
Einige Schülerinnen und Schüler (Hendrik Ripsam, Lea Bönnighausen, Angelina Roldugin, Blenda Mahmuti, Marina Laubinger, Len Marunde) stellten das Projekt vor. Als Lehrer waren neben Initiator Christoph Reichardt, Bruno Kosinski und Klaus Frenz sowie von der Sekundarschule Annette Wennemann, Sarah Heinemann und Schulleiter Klaus Oppermann am Projekt beteiligt.
Als Gäste kamen die Söhne des Beverunger Juden Leopold Rosenstein, Hans-Georg Rosenstein (mit Frau Ingeborg) und Walter-Albert Rosenstein (mit Frau Karola) in die Schule.

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