Würgassen feierte 1075 Jahre

Abgetaucht ins Mittelalter

Von Barbara Siebrecht
Würgassen – Zwischen Michaelskirche und Dreiländereckhalle herrschte Ausnahmezustand. Wer das Festgelände betrat, tauchte in die Welt des Mittelalters ab und war von großen und kleinen Rittern, Bauern und Edelfräulein umgeben. Mit dem Mittelalterfest feierte Würgassen seine Ersterwähnung Anno 944 in der Urkunde über die Schenkung „Weregesi´s“ an die Matrone Helmburg.

Bild anzeigen

Das Puppentheater war nur einer der Höhepunkte des umfangreichen Kinderprogramms.

© Foto: Siebrecht

Vor 25 Jahren gab es zu diesem Anlass unter anderem einen historischen Umzug. Diesmal hatte die Ortgemeinschaft in gemeinsamer Anstrengung ein Mittelalterfest organisiert und sich die Ritter und Damen der Freyschar Bockenrode als Gäste eingeladen. Mit ihren originalgetreuen Gewändern und Waffen und dem umfangreichen Hausstand des Lagers rund um das Pfarrheim ließen sie die Vergangenheit auferstehen. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Gruppe „Saltalio draconum“ (Tanz der Drachen), die mit mittelalterlichen Instrumenten Konzerte gaben und insbesondere am Samstagabend die Menschen zum Tanzen und Feiern brachten.
Das Fest startete am Samstagnachmittag mit einem Grußwort des Bürgermeisters Hubertus Grimm, der unter anderem Einblicke in die Geschichte des Ortes gab, die heutigen Vorzüge des Ortes würdigte und den Würgassern zu ihrem aktiven Vereinsleben gratulierte. Als Jubiläumsgeschenk der Stadt Beverungen an die Würgasser Bürger hatte der Bauhof die alte Brunnenanlage auf dem Michaelsplatz durch einen neuen Brunnen mit Sprudelsäule ersetzt. Marktmeister Ulrich Kleinschmidt, der gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Vereinsgemeinschaft Martin Daniel stark in die Konzeption und Organisation des Mittelaltermarktes eingebunden war, gab einen Überblick über das geplante Programm und eröffnete mit Heimatpflegerin Petra Riepe den Markt. Tanja Brune trug, wie vor 25 Jahren als Mädchen, das Gedicht „Das Dorf hat eine stille Macht“ vor. Mit dem Liedvortrag, „Mein Kleinod auf Erden bist Würgassen du“ durch die Frauensinggruppe der kfd und den Männergesangverein wurde die Feierstunde abgerundet.
Die Festgemeinde zog weiter zum ehemaligen Schulgebäude, um das Dorfarchiv, das kürzlich dort seinen Platz gefunden hatte, einzuweihen. Herbert Sobireg gab einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der umfangreichen, heimatkundlichen Sammlung, die durch Gerhard Schöttler, dessen Sohn Peter und in Zusammenarbeit mit Resi und Helmut Weber entstanden ist. Das Archiv wurde in Gemeinschaftsnutzung mit der Frauengemeinschaft in einem Raum im Erdgeschoss untergebracht, soll in Absprache mit der Heimatpflegerin öffentlich zugänglich sein und auch für Heimatnachmittage und –abende genutzt werden. Kreisheimatpfleger Hans-Werner Gorzolka pries den wertvollen Schatz des Dorfarchivs und alle, die an seiner Sammlung gearbeitet haben und noch arbeiten. Das insgesamt 8 Jahre Arbeit in den vier Heimatbüchern stecken, die aus der Sammlung hervorgegangen sind, lobte Grozolka und schlug im gleichen Atemzug weiter Themen vor, zu denen noch zu forschen wäre. Mit einen Glas Sekt feierte man das neue Dorfarchiv und zog dann zur Dreiländereckhalle in der eine umfangreiche Fotoausstellung zur Ortsgeschichte gezeigt wurde, die das Ortsheimatpflegeteam in monatelanger Arbeit zusammengestellt hatte.
Auf dem ehemaligen Schulhof hatten die Vereine des Ortes und die Vereinsgemeinschaft ein tolles Erlebnisangebot zusammengestellt. Neben Puppentheater und einer Strohburg, Ponyreiten und dem Basteln von Steckenpferden und bemalen von Holzschilden, konnten sich die Kinder Haarschmuck und eine Tontrommel basteln oder mit den Eltern einen Steckstuhl aus zwei Holzbrettern zusägen und glatthobeln. An den Schießständen des Schützenvereins konnte Dosenwerfen und Armbrust-schießen geübt werden. Für das leibliche Wohl war mit geräucherter Forelle, Armen Rittern, Teigfladen und Crepes, einem Kuchenbuffet, Würstchen und Pommes und zünftigen Getränken gut gesorgt. Für Unterhaltung sorgen neben der Musikgruppe die Ritter, die ihre brachialen Schaukämpfe mit einer humorvollen Rahmenhandlung präsentierten. Bei der Verhandlung des Dorfgerichts wurde der Bäckergeselle (Robert Hartung) wegen zu kleiner Brötchen zum Pranger verurteilt und die Kinder durften den Übeltäter mit nassen Schwämmen bewerfen.
Das Mittelalterfest zum Dorfjubiläum war ein Wochenende, das Würgasser und Gäste bei der Vorbereitung und Durchführung zusammenbrachte und sicher in guter Erinnerung bleiben wird.