Morsi und Schafik konkurrieren um Amt des Staatschefs

Ägypten: Muslimbruder und Ex-Regierungschef in Stichwahl

Kairo (AFP) - In Ägypten wird es eine Stichwahl zwischen dem Kandidaten der Muslimbrüder und einem früheren Gefolgsmann des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak um die Präsidentschaft geben. Die Wahlkommission erklärte, dass der Muslimbrüder-Kandidat Mohamed Morsi und Mubaraks letzter Regierungschef Ahmed Schafik in der ersten Runde die meisten Stimmen auf sich vereinten.
Präsidentschaftskandidaten Morsi (l.) und Schafik Bild anzeigen
Präsidentschaftskandidaten Morsi (l.) und Schafik © AFP

Auf dem dritten Platz landete in der ersten Runde am 23. und 24. Mai nach Angaben der Wahlkommission der linksnationalistische Kandidat Hamdeen Sabbahi. Dieser hatte bereits am Samstag angekündigt, das Ergebnis der ersten Wahlrunde anzufechten. Er werde Klage bei der Wahlkommission wegen Unregelmäßigkeiten bei dem Urnengang einreichen, sagte er.

An vierter Stelle kam der moderate Islamist Abdel Moneim Futuh, gefolgt vom früheren Generalsekretär der Arabischen Liga und Ex-Außenminister Amr Mussa. Die Wahlbeteiligung habe bei 46 Prozent gelegen, sagte der Leiter der Wahlkommission, Faruk Soltan. Das bedeute, dass 23,6 Millionen der fast 51 Millionen Wahlberechtigten an die Urnen gegangen seien.

Zu der ersten Präsidentschaftswahl seit dem Sturz von Mubarak im Februar 2011 waren zwölf Kandidaten angetreten. Morsi profitierte von der einflussreichen Anhängerschaft der Muslimbrüder. Diese sind auch die stärkste Kraft im Parlament, sie haben fast die Hälfte der Sitze.

Dem früheren Luftwaffenchef und letztem Regierungschef Mubaraks, Schafik, wird von Kritikern vorgeworfen, dem seit Mubaraks Sturz herrschenden Militärrat zu nahe zu stehen. Seinen Wahlkampf führte er vor allem mit dem Versprechen, das Land zu der Stabilität zurückzuführen, die von vielen Ägyptern seit dem Sturz Mubaraks vermisst wird.

Ob Schafik überhaupt zur Stichwahl antreten darf, soll offenbar erst wenige Tage vorher entschieden werden. Laut einem Bericht der Zeitung "Al-Achbar" verlautete aus Justizkreisen, das Verfassungsgericht werde am 11. Juni über die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes entscheiden, das die Kandidatur von Mitgliedern der früheren Führung des Landes untersage. Aufgrund dieses Gesetzes hatte die Wahlkommission Schafiks Kandidatur zunächst nicht zugelassen. Dieser hatte jedoch Ende April mit einem Einspruch Erfolg. Das Gesetz zur "politischen Isolierung" war am 12. April vom Parlament verabschiedet worden.

Die Stichwahl um das Präsidentenamt findet am 16. und 17. Juni statt, der Sieger soll am 21. Juni feststehen. Danach will der seit Mubaraks Sturz regierende Militärrat die Macht abgeben. Hinter den Kulissen dürfte das mächtige Militär aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

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