Im Kairoer Bezirk Heliopolis trotzten am zweiten Wahltag hunderte Frauen vor einem Wahllokal der Hitze, um ihre Stimme abzugeben. Auch wenn vielleicht nicht ihr Kandidat gewinne, sei dies ein deutlicher Unterschied zu bisherigen Wahlen, bei denen der Sieger praktisch immer feststand, sagte die 27-jährige Noha Hamdy.
Wie bereits am ersten Wahltag wurde die Schließung der Wahllokale auch am Donnerstag um eine Stunde auf 21.00 Uhr verschoben. Am Mittwochabend war der Andrang angesichts kühlerer Temperaturen noch einmal angestiegen. Die Wahlbeteiligung war jedoch in den einzelnen Landesteilen unterschiedlich - während sich vor einigen Wahllokalen lange Schlangen bildeten, gaben in anderen nur wenige Wähler ihre Stimme ab. Nach Angaben von Innenminister Mohammed Ibrahim gab es nur vereinzelt kleine Zwischenfälle.
Die ägyptische Presse lobte den Verlauf der ersten Wahlrunde. "Wir haben einen Traum wahrgemacht", schrieb die regierungsnahe Zeitung "Al-Achbar". Die unabhängige "Al-Tschuruk" bezeichnete den ersten Wahltag als "Tag der Freude und des Stolzes". Am Donnerstag hatten die Beamten des Landes frei, um wählen gehen zu können. Die Urnen mit den Stimmzetteln vom Mittwoch wurden über Nacht in den Wahllokalen mit Wachs versiegelt und von Militär und Polizei bewacht.
Der als historisch eingestufte Urnengang, zu dem zwölf Kandidaten antraten, gilt als Richtungsentscheidung für die Zukunft Ägyptens. Zu den Favoriten zählten der Ex-Außenminister und frühere Chef der Arabischen Liga, Amr Mussa, Mubaraks letzter Regierungschef Ahmed Schafik und der unabhängige Islamist Abdel Moneim Abul Futuh.
Das Ergebnis der ersten Wahlrunde soll am Wochenende bekanntgegeben werden. Erzielt erwartungsgemäß kein Kandidat die absolute Mehrheit, findet am 16. und 17. Juni eine Stichwahl statt. Der Sieger soll am 21. Juni feststehen. Danach will der derzeit regierende Militärrat die Macht abgeben. Allerdings sind die Befugnisse des neuen Staatschefs bislang unklar, da die Ausarbeitung der neuen Verfassung derzeit nicht vorankommt.
Die Präsidentschaftswahl leitet die Abschlussphase einer tumultartigen Übergangszeit seit dem Sturz Mubaraks ein. Der neue Staatschef muss sich den Herausforderungen einer schwächelnden Wirtschaft und einer sich verschlechternden Sicherheitslage stellen. Zugleich muss er die Anhänger der verschiedenen politischen Lager einen.
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