Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Höxter (ozm) - Dem Aufruf, ein deutliches „Nein“ zu häuslicher und sexualisierter Gewalt, zu Zwangsverheiratung und Zwangsprostitution zu setzen, folgten ca.150 Menschen, die sich zum Aktionstag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen in der Marktstraße Höxter zusammenfanden. Zu dieser Kundgebung hatten die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Höxter, das Frauennetzwerk Höxter und der Zonta Club eingeladen.

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Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Höxter Claudia Pelz-Weskamp und Bürgermeister Daniel Hartmann auf der Kundgebung.

© Foto: privat

In einem Dialog zwischen dem Bürgermeister, Herrn Hartmann und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Höxter, Frau Pelz-Weskamp, gab es neben Informationen über die Beratungsstellen zum Thema Gewalt im Kreis Höxter auch Erläuterungen zu den Arten von Gewalt und deren Auswirkungen.
Bürgermeister Hartmann merkte an, dass der Ort der Kundgebung ein ungewöhnlicher sei, denn die Marktstraße in Höxter gleiche derzeit einer großen Baustelle und man sei umgeben von Bauzäunen und Hindernissen. Frau Pelz-Weskamp aber sehe die Baustelle als Veranstaltungsort nicht als Problem, denn diese wirke eher wie ein Zeichen. Sie erläuterte, „so wie wir uns alle heute in der Kundgebung nicht entfalten können, weil wir umgeben sind von Zäunen und Stolperfallen, so können sich auch Frauen, die Gewalt erfahren haben oder von ihr bedroht sind, nicht entfalten. Die Hindernisse, die wir hier sehen, stehen für ihre Angst vor neuen Verletzungen durch Täter, stehen für ihre Angst vor z. B. Zwangsbeschneidung oder vor Verschleppung. Solange es diese Bedrohungen, diese Hindernisse gibt, solange dürfen wir nicht aufgeben, ein gesamtgesellschaftliches Handeln einzufordern. Wir dürfen die Opfer nicht alleine lassen und müssen solidarisch mit ihnen oder anstelle von ihnen für eine Verbesserung der Situation kämpfen und das Thema immer wieder öffentlich machen.“
Der Bürgermeister sprach auch das Thema Gewalt gegen Männer und Jungen an. Frau Pelz-Weskamp stellte klar, dass Männer statistisch gesehen weniger Gewalt in ihrem persönlichen Umfeld erleben, sie aber mehr Gewalt „auf der Straße“ erfahren. Aber leider werden auch sie Opfer häuslicher und sexualisierter Gewalt. Sie nannte regionale Beratungsstellen für von Gewalt betroffene Männer und Jungen.
Ziel des Aktionstages war es letztlich auch, Wünsche zu äußern. Auf die Frage „Wie wünschst du dir einen Tag ohne Gewalt?“ antwortete eine afrikanische Frau, dass sie sich ein Ende der Zwangsbeschneidungen von Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt wünsche. Weitere Frauen wünschten sich, dass sie abends völlig angstfrei durch ausreichend beleuchtete Straßen und Unterführungen gehen können oder dass den Opfern sexueller Gewalt mehr Unterstützung und weniger Re-Traumatisierung durch lange und unwürdige Justizverfahren entgegengebracht wird.
Der Bürgermeister schloss die Kundgebung mit den Worten, „Ich bin stolz darauf, dass die Einwohnerschaft unserer Stadt den Mut hat, für ein friedlicheres Miteinander auf die Straße zu gehen und laut und deutlich für ein gewaltfreies Leben einzustehen.“
Im Anschluss wurde gemeinsam eine Menschenkette mit Abstand gebildet und nachdem die Gleichstellungsbeauftragte feststellte, dass Gewalt ein massiver Angriff auf die Würde und die Selbstbestimmung eines jeden Menschen sei, skandierten alle gemeinsam ein lautes „Nein zu Gewalt!“
Zum Begleitprogramm dieser Kundgebung gehörte ein ökumenischer Gottesdienst, der in der Kilianikirche stattfand. Die Teilnehmenden hatten aus dem Gottesdienst Mutmach-Karten und überdimensionale Pappmaché-Hände mit der Aufschrift „Nein zu Gewalt“ mitgebracht.
Im Anschluss an die Kundgebung gab es die Möglichkeit, sich vom Fachpersonal der AWO-Frauenberatungsstelle und des SKF-Frauen- und Kinderschutzhauses informieren zu lassen oder bei einem heißen Tee untereinander ins Gespräch zu kommen.
Begleitend zu diesen Angeboten fand die Aktion „Orange Your Word“, initiiert durch den Zonta Club Höxter, statt. Zahlreiche öffentliche Gebäude und Schaufenster, Spots und Teelichter erleuchteten in einem Orange als Zeichen für ein Miteinander ohne Gewalt; so wurden z. B. das Stadthaus Höxter, das Kreishaus, das Gebäude der VHS, das Historische Rathaus und die Kirchen orange angestrahlt.

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