Beverunger als Strafverteidiger auf „Wiesn“ im Einsatz

Anruf genügt - Wederhake kommt

Von Peter Vössing
München/Beverungen - Das Münchener Oktoberfest, bei den Einheimischen liebevoll „Wiesn“ genannt, zieht jährlich Millionen von Menschen aus aller Welt in die bayerische Landeshauptstadt. Wo so viele Menschen zum Feiern zusammenkommen, bleibt es nicht aus, dass meist unter Alkoholeinfluss auch Straftaten begangen werden.

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Der aus Beverungen stammende Rechtsanwalt Marc Wederhake vor der Wiesnwache beim Oktoberfest.

© Foto: privat

Im Jahr 2015 waren es insgesamt 2017 polizeiliche Einsätze auf dem Wiesngelände. Die aktuellen Zahlen für 2016 liegen noch nicht vor. Die Einsatzbelastung für den gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München ist zur Wiesnzeit extrem hoch. Insgesamt 17947 Einsätze mussten 2015 bewältigt werden. (Stand 2015 Polizeipräsidium München, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit).
Der gebürtige Beverunger, Marc Wederhake (Offizier im Beverunger Schützenverein), ist in der Münchener Kanzlei Steinberger & Heindl als Rechtsanwalt tätig. Diese hat einen 24-stündigen Telefondienst für straffällige Oktoberfestgäste eingerichtet.
Die festgenommenen Personen erhalten auf der Wiesnwache die Möglichkeit, einen Rechtsanwalt ihrer Wahl telefonisch zu konsultieren - überwiegend durch Gestattung einer Internetrecherche, da die Festgenommenen ja meist nicht aus München kommen und diese sich erstmal mittels einer Internetsuchmaschine einen Überblick von Strafverteidigern in München verschaffen müssen. Aber auch Freunde und Verwandte, die von der Festnahme erfahren, rufen die Hotline der Münchener Kanzlei an.
Klingelt das Handy bei dem in München zugelassenen Rechtsanwalt Marc Wederhake, der 2003 am Beverunger Gymnasium sein Abitur machte, in Würzburg studierte und den Fachanwaltslehrgang für Strafrecht absolvierte, so informiert dieser sich zunächst am Telefon über den Tatvorwurf und rät zum Schweigen bis zu seinem Eintreffen. Er bekommt unmittelbar nach Verbringen der festgenommenen Personen zum Polizeipräsidium München die persönliche Gesprächsmöglichkeit mit dem neuen Mandanten.

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Wo so viele Menschen ausgelassen feiern, wie hier im „Hacker-Pschorr-Zelt“ kommt es immer wieder zu Reibereien.

© Foto: Wederhake


Wichtig ist es zu diesem Zeitpunkt, eine Strategie für die zeitnah stattfindende Haftbefehlseröffnung vor einem Ermittlungsrichter zu besprechen, sollte es ein schwerwiegender Fall sein.
Die häufigsten Tatvorwürfe konzentrieren sich beim größten Volksfest der Welt auf Körperverletzungen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (Besitz von Marihuana oder Kokain). Auch gefährliche Körperverletzungsdelikte, beispielsweise beim Werfen von Maßkrügen, sowie Sexualdelikte werden zur Anzeige gebracht und landen auf dem Schreibtisch des 33-jährigen Anwalts aus Beverungen. „Natürlich rufen mich überwiegend Täter an, aber auch Opfer von Straftaten werden von mir rechtlich betreut. Mein Handy klingelt während der Wiesnzeit täglich des Öfteren. Man weiß nie, was kommt. Der Alltag ist sehr spannend“, berichtet der junge Rechtsanwalt von seinen Erlebnissen.
Es kommt vor, dass Marc Wederhake als Wahl-Münchener das Oktoberfest nach Feierabend besucht, auch wenn er Notdienst hat. Dann steigt er in seine Lederhose und macht sich auf den Weg. Bekommt er dann einen Anruf, so kann es sein, dass er in Tracht auf dem Polizeipräsidium erscheinen muss.
Wegen der hohen Sicherheitsmaßnahmen und starken Polizeipräsenz auf dem diesjährigen Oktoberfest sind die Straftaten rückläufig. Auch in den Festzelten kommt es immer weniger zu Auseinandersetzungen. Im Vergleich zu 2014 waren im Jahr 2015 die Delikte um 23 Prozent zurückgegangen. Dennoch hat der Beverunger Anwalt während der Wiesnzeit genügend zu tun.
Für Marc Wederhake, der die bayerische Landeshauptstadt zu schätzen gelernt hat, ist München vor allem während der Oktoberfestzeit eine Reise wert.

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