Arbeitsmarkt stark unter Druck

Hessen (hai) - Nach dem bereits deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im April hat der zurückliegende Monat Mai eine weitere Verschlechterung der Lage am Arbeitsmarkt gebracht: Die Arbeitslosigkeit steigt trotz Rekordwerten bei der Kurzarbeit nochmals erheblich an, während zugleich die Zahl der freien Stellen einbricht.

Entwicklung der Kurzarbeit in Hessen

Betriebe müssen bei der zuständigen Agentur für Arbeit Kurzarbeit vor deren Beginn schriftlich anzeigen. Dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Für den Zeitraum März bis Mai 2020 wurden bei den Agenturen für Arbeit nahezu 61.000 Anzeigen für insgesamt knapp 840.000 Personen erfasst. Zwar heißt dies nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle Kurzarbeit in Anspruch nehmen werden, dennoch sind die Daten eine im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten nie da gewesene Größenordnung und übersteigen um ein Vielfaches die Anzeigen während der Finanzkrise 2008/09 von 214.000 Menschen.

Arbeitslosigkeit in Hessen steigt weiter deutlich

Im Mai waren in Hessen 192.149 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 15.521 mehr (+8,8 Prozent) als im April und 43.219 Menschen mehr (+29 Prozent) als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg zum Vormonat um 0,4 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent. Im Mai 2019 lag die Quote bei 4,4 Prozent.

„Auch wenn der Anstieg der Arbeitslosigkeit erheblich ist, zeigen die ungleich höheren Zahlen in der Kurzarbeit, wie groß das Risiko für die Folgemonate noch ist. Kurzarbeit ist ein funktionierender Puffer gegen Arbeitslosigkeit, der jedoch nicht auf Dauer ausgelegt ist. Eine zeitnahe Rückkehr zu einer höheren Wirtschaftsleistung ist daher aus Sicht des Arbeitsmarktes von essentieller Bedeutung“, so Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten noch weiter ansteigen kann. Das Ausmaß wird in erster Linie davon abhängen, in welcher Geschwindigkeit sich die wirtschaftliche Lage wieder normalisiert.“

Stellenbestand weiter im Abwärtstrend

Der Stellenbestand der hessischen Agenturen weist mit nur noch 39.727 offenen Stellen einen deutlichen Rückgang der verfügbaren Stellen gegenüber dem Vorjahr (-27,3 Prozent) auf.
„Trotz dieses massiven Rückgangs der vakanten Stellen haben die letzten Wochen in einzelnen Branchen gegenüber April wieder einen leichten Anstieg der Einstellungsbereitschaft erkennen lassen. Vorrangig im Baugewerbe oder dem Gesundheitswesen“, erläutert Martin.

Für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist der Markt derzeit nur wenig aufnahmefähig. Ebenso hat sich der Ausbildungsmarkt im Zuge der Corona-Krise insgesamt verlangsamt.
Am häufigsten wurden Ausbildungsstellen gemeldet für angehende Kaufleute für Büromanagement sowie für Kaufleute im Einzelhandel.

Arbeitsmarkt in den hessischen Regionen im Mai

Aktuell weisen nur noch 13 der 26 hessischen Kreisen eine Arbeitslosenquote von unter fünf Prozent auf. Der Landkreis Fulda liegt mit einer Quote von 3,6 Prozent im Hessenvergleich am niedrigsten. Unter der Fünf-Prozent-Marke lag ebenfalls der Landkreis Kassel.

 

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