Behring Breivik sei nach neuer Einschätzung für seine Taten verantwortlich, erklärten die beiden Psychiater Agnar Aspaas und Terje Törrissen in einer vom zuständigen Gericht veröffentlichten Mitteilung. Es bestehe zudem ein "hohes Rückfallrisiko" des Attentäters. Vor Journalisten sagte Törrissen, die beiden Psychiater hätten "genauso viel, wenn nicht noch mehr Material" zur Verfügung gehabt wie ihre mit der Erstellung des ersten Gutachtens beauftragten Kollegen.
In dem ersten Gutachten war Behring Breivik zunächst wegen "paranoider Schizophrenie" für unzurechnungsfähig erklärt worden. Das könnte ihm eine Haftstrafe ersparen, und er würde stattdessen in eine geschlossene Anstalt eingewiesen werden. Letztlich entscheiden aber die Richter mit ihrem Urteil über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten; die Gutachter haben nur eine beratende Funktion.
Dass das neuerliche Gutachten Behring Breivik für zurechnungsfähig erklärt, dürfte paradoxerweise im Sinne des Angeklagten sein: Laut Verteidigung ist es der ausdrückliche Wunsch des Angeklagten, nicht als schizophren eingestuft zu werden. Der Norweger ist der Auffassung, dass ansonsten seine Ideologie in Zweifel gezogen würde. Kürzlich erklärte Behring Breivik zudem, in einer geschlossenen Anstalt zu sein wäre "schlimmer als der Tod".
Behring Breivik hatte am 22. Juli im Regierungsviertel von Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet. Anschließend erschoss er in einem Sommerlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya 69 weitere Menschen. Er ist wegen "Terrorakten" und "vorsätzlicher Tötung" angeklagt. Die norwegische Staatsanwaltschaft wollte sich am Dienstag nach Bekanntwerden des neuen Gutachtens nicht zu ihren möglichen Forderungen äußern.
Der Prozess gegen Behring Breivik beginnt am kommenden Montag, mit einem Urteil wird nicht vor Mitte Juli gerechnet. Dem Attentäter droht die in Norwegen geltende Höchststrafe von 21 Jahren - allerdings kann diese immer wieder verlängert werden, wenn der Inhaftierte als Gefahr für die Gesellschaft eingestuft wird.
Behring Breivik selbst äußerte sich zufrieden. Der Attentäter sei "nicht überrascht" und habe das Ergebnis des Gutachtens "erwartet", sagte sein Verteidiger Geir Lippestad. Er warnte zugleich vor einem "außerordentlich schwierigen" Verfahren. Behring Breivik wolle während des Prozesses sein Bedauern darüber bekunden, "nicht weiter gegangen zu sein".
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