Wowereit verkündete den neuen Termin und die Gründe für die Verschiebung der Flughafeneröffnung nach einer nächtlichen Aufsichtsratssitzung. Der Flughafen hatte darauf gesetzt, ab 3. Juni zunächst mit Übergangsgenehmigungen im Brandschutz den Betrieb aufnehmen zu können. Diese Hoffnung habe sich wegen des Widerstands der zuständigen Genehmigungsbehörden "zerschlagen". Der Termin 3. Juni war bereits in der vergangenen Woche ohne Nennung eines neuen Datums verschoben worden.
Der Eröffnungstermin für den nach dem früheren SPD-Bundeskanzler Willy Brandt benannten Flughafen im kommenden März ist das Resultat von Gesprächen mit Bauunternehmen und Fluggesellschaften. Letztere baten darum, nicht in den Wintermonaten umziehen und den Betrieb aufnehmen zu müssen, sagte Wowereit.
Die Fluggesellschaften Lufthansa, Airberlin und Easyjet hätten angekündigt, ihre erweiterten Flugpläne auch ohne den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg umsetzen zu wollen. "Es wird keine oder wenige Änderungen geben", sagte Wowereit. Die Passagiere müssten lediglich von einem "anderen Ort" starten. Der Flughafen Schönefeld südöstlich der Hauptstadt ist bislang allerdings nur in begrenztem Umfang vor allem für Billigflieger in Betrieb. Außerdem steht Reisenden der bisherige Hauptflughafen Tegel zur Verfügung.
Wowereit zufolge sollte laut Planung eine sogenannte teilautomatisierte Lösung in den Monaten nach der Eröffnung für Brandschutz sorgen. Dabei wären Türen oder Sprinkleranlagen im Krisenfall per Hand betätigt worden. Doch das zuständige Bauordnungsamt Dahme-Spreewald machte der Flughafen-Geschäftsführung einen Strich durch die Rechnung und verlangte Ende vergangener Woche einen vollautomatisierten Brandschutz. Die Firmen Bosch, Imtech und Siemens als Zulieferer für die Brandschutzanlage bestätigten in einer gemeinsamen Erklärung ihre "Unterstützung für eine zügige Fertigstellung".
Als weitere Gründe für die verspätete Eröffnung nannte Wowereit die Insolvenz eines Generalplaners im Jahr 2010, aber auch Fehlleistungen des heutigen Generalplaners PG BBI, mit dem der Flughafen nun nicht mehr zusammenarbeiten will. Die Geschäftsführung solle stattdessen "verschärft" kontrollieren.
Der technische Geschäftsführer Körtgen muss zum 1. Juni gehen. Er hatte laut Aufsichtsrat "Probleme gehabt, die Dinge rechtzeitig zu erkennen", sagte Wowereit. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) beklagte den "erheblichen Imageschaden", den die Verschiebung für die Region verursache.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte, mit der Neubestimmung eines machbaren Eröffnungstermins und einem "Bauernopfer" in Gestalt von Körtgen sei es nicht getan. "Scheinbar wurde nicht mal daran gedacht, endlich mal eine Person mit Flughafenerfahrung in den Aufsichtsrat zu holen, um die schweren Mängel in dessen Arbeitsweise zu beheben", erklärte Künast in Berlin.
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