Chance auf Sonderzahlung in tarifgebundenen Unternehmen deutlich höher

Böckler-Stiftung: Nur 53 Prozent der Beschäftigten bekommen Weihnachtsgeld

Berlin (AFP) - Nur gut die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland kann sich über Weihnachtsgeld freuen. Wie die Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch mitteilte, bekommen 53 Prozent der Arbeitnehmer diese Jahressonderzahlung - mit deutlichen Unterschieden je nach Region und Branche. Außerdem spielt es laut der Auswertung eine große Rolle, ob die Unternehmen tarifgebunden sind. Die Linke sieht vor diesem Hintergrund die Bundesregierung in der Pflicht, der "anhaltenden Tarifflucht auf der Arbeitgeberseite" entgegenzuwirken.
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Nur rund die Hälfte bekommt Weihnachtsgeld © AFP

An der Online-Befragung, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Böckler-Stiftung betreute, beteiligten sich zwischen Anfang 2018 und Oktober 2019 mehr als 139.000 Beschäftigte. Demnach sind die Chancen auf Weihnachtsgeld am höchsten, wenn das Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden ist: Hier bekommen 76 Prozent der Beschäftigten Weihnachtsgeld, 42 Prozent sind es in Firmen ohne Tarifvertrag.

Signifikante Unterschiede gibt es auch zwischen Westdeutschland (56 Prozent) und Ostdeutschland (41 Prozent) sowie zwischen Männern (55 Prozent) und Frauen (50 Prozent). Wer Vollzeit arbeitet, profitiert häufiger (54 Prozent) von der Sonderzahlung als Teilzeitbeschäftigte (47 Prozent).

Das Weihnachtsgeld gibt es überwiegend als festen Prozentsatz des Monatseinkommens. Eine vergleichsweise hohe Zahlung gibt es der Auswertung zufolge mit 95 bis 100 Prozent unter anderem im Bankgewerbe, in der Süßwarenindustrie, in der chemischen Industrie und in der Druckindustrie. In der Versicherungsbranche sind es laut Böckler-Stiftung 80 Prozent.

Große Schwankungen gibt es je nach Vergütungsgruppe und Wohnort im öffentlichen Dienst, wie die Auswertung ergab. Unter den großen Wirtschaftszweigen sind zudem Tarifbranchen ohne Weihnachtsgeld die Ausnahme - derzeit gehört hierzu vor allem das Gebäudereinigerhandwerk.

Die Experten des WSI zeigten sich vor diesem Hintergrund allerdings auch generell besorgt über den Rückgang der Tarifbindung. Zuletzt arbeiteten demnach nur noch 56 Prozent der westdeutschen und 45 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten in einem Betrieb mit Tarifvertrag.

Der Linken-Gewerkschaftspolitiker Pascal Meiser sagte dazu, das Weihnachtsgeld bringe nach wie vor "alleine ein guter Tarifvertrag". Hier sei die Bundesregierung in der Verantwortung. "Denjenigen, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen, könnte sie damit gerade in der Weihnachtszeit eine große Sorge nehmen", erklärte Meiser.

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