Nürnberg (AFP) - Die Arbeitslosigkeit in Deutschland könnte 2012 einer Prognose der Bundesagentur für Arbeit (BA) zufolge auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten fallen. In diesem Jahr werde voraussichtlich eine Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent erreicht, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der BA mit. Dies wäre der niedrigste Stand seit 1992. Bereits 2011 hatte die Arbeitslosenquote mit 7,1 Prozent ein langjähriges Tief erreicht. 1992 waren nach Angaben der BA rund 7,7 Prozent der Erwerbspersonen ohne Job.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hingegen könnte der Prognose des IAB zufolge Ende 2012 zum ersten Mal seit 1992 wieder die Marke von 29 Millionen überschreiten. Diese Schwelle werde voraussichtlich im vierten Quartal von Oktober bis Dezember überschritten. Im Gesamtjahr werde die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten voraussichtlich knapp unter der Marke von 29 Millionen liegen.
Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind für die Volkswirtschaft von besonderer Bedeutung, weil sie mit ihren Beitragszahlungen die Sozialsysteme finanzieren. Sie zahlen in Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ein. Nicht zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werden Beamte, Selbständige, helfende Familienangehörige ohne Bezahlung und oder so genannten Mini-Jobber gerechnet.
Die Zahl der Erwerbstätigen werde 2012 im Jahresverlauf um 450.000 steigen auf insgesamt 41,55 Millionen Menschen, teilte das IAB mit. Die Zahl der Arbeitslosen sinke um 130.000 auf 2,84 Millionen. Dabei werde von einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent ausgegangen.
Der Arbeitsmarkt werde 2012 robust bleiben, seinen "bisher steilen Aufwärtstrend aber nicht fortsetzen", sagte Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom IAB. Die Euro-Schuldenkrise berge für die Wirtschaft weiter Risiken. Das Angebot an Arbeitskräften werde jedoch um unterm Strich 40.000 Personen wachsen. Grund seien höhere Zuwanderung und zunehmende Beschäftigung bei älteren Menschen. Damit stünden der Volkswirtschaft insgesamt 44,95 Millionen Menschen als Arbeitskräfte zur Verfügung, sagte Weber.