Es gebe "erhebliche Zweifel" an einer erfolgreichen Therapie Timoschenkos in der Ukraine, sagte Haas. Das behandelnde Krankenhaus in Charkiw im Osten des Landes sei zwar "neu hergerichtet", einige Therapien seien dort jedoch nicht möglich. Einhäupl betonte, er sehe "einen Grund, Frau Timoschenko in kurzer Zeit noch einmal zu besuchen". Dies solle möglichst "in den nächsten sieben Tagen" geschehen.
Nach Einhäupls Angaben erhielt die Charité kürzlich Fotos von Timoschenko, auf denen Blutergüsse an ihrem Körper zu sehen seien. Timoschenko wirft den Behörden vor, sie unlängst unter Gewaltanwendung vorübergehend aus ihrem Gefängnis in Charkiw in die dortige Klinik verlegt zu haben. Haas und Einhäupl hatten sich vor zwei Wochen in Charkiw ein Bild von Timoschenko gemacht, nachdem sie die 51-Jährige bereits im Februar erstmals untersucht hatten.
Timoschenko leidet nach Angaben der Charité "mit Sicherheit" an einem oder mehreren Bandscheibenvorfällen. Dies hätten Untersuchungen ergeben, sagte Einhäupl. Der erste Vorfall habe sich Anfang Oktober ereignet, ein zweiter oder aber eine Verschlechterung des ersten im November. Die Diagnostik sei jedoch "von Oktober bis Januar" verzögert worden, sagte Einhäupl. Die Behörden hätten offensichtlich vermutet, dass Timoschenko ihre Schmerzen simuliere.
Timoschenko verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Am vergangenen Freitag trat sie aus Protest gegen ihre Haftbedingungen in einen Hungerstreik. Dieser erhöhe ihr Risiko für weitere Erkrankungen, sagte Einhäupl. Ein großes Problem sei zudem, dass sie "kein Vertrauen" in ihre Ärzte habe, weshalb sie aus Angst vor ansteckenden Krankheiten auch jegliche Injektionen oder Blutentnahmen verweigere.
Nach eigenen Angaben habe Timoschenko Schmerzmittel "nur dann bekommen, wenn sie bereit war, sich weiteren Vernehmungen zu stellen", sagte Einhäupl. Zudem werde ihr ein sogenannter Rollator als Gehhilfe offenbar verweigert. Die Charité sei weiterhin bereit, Timoschenko in Berlin zu behandeln, versicherte Einhäupl. An den Erfolgschancen einer Entsendung von Ärzten in die Ukraine seien hingegen Zweifel angebracht, weil zu Timoschenkos Behandlung "ein großes Team" nötig sei.
Auch die Bundesregierung bekräftigte das Angebot einer Therapie Timoschenkos in Deutschland. Es sei wichtig, dass sie die "nötige medizinische Behandlung" bekomme, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Von ukrainischer Seite war zuvor vorgeschlagen worden, Timoschenko durch deutsche Ärzte in der Ukraine behandeln zu lassen.
11 Kommentare