Straßen am chinesischen Neujahrsfest leer - Hongkong ruft Notstand aus

China verschärft massiv Maßnahmen gegen Coronavirus

Peking (AFP) - Angesichts der rasanten Ausbreitung des Coronavirus haben die chinesischen Behörden landesweit die Maßnahmen gegen die Epidemie massiv verschärft. Wie die nationale Gesundheitsbehörde am Samstag mitteilte, werden im gesamten öffentlichen Verkehr Fieber-Messstationen eingerichtet. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion müssten "sofort" in eine medizinische Einrichtung gebracht werden. Hongkong rief den Notstand aus, Peking will keine Busse mehr in die Stadt oder aus der Stadt lassen.

Hongkonger begehen das chinesische Neujahrsfest mit Atemschutzmasken Bild anzeigen Hongkonger begehen das chinesische Neujahrsfest mit Atemschutzmasken © AFP

Das Jahr der Ratte begann am Samstag für viele Chinesen mit der Isolation - und das zum chinesischen Neufahrsfest, das in China normalerweise einer Völkerwanderung gleichkommt: Etwa 56 Millionen Menschen in Zentralchina sind inzwischen von der Außenwelt abgeriegelt. Nach Angaben der Provinzbehörden in Hubei wurde in fünf weiteren Städten der öffentliche Verkehr ausgesetzt und der Zugang zu den Autobahnen gesperrt. Damit wurden nun insgesamt 18 Städte im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus isoliert.

Die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, von der das Virus ausging und die als erste chinesische Stadt wegen des Erregers 2019-nCoV unter Quarantäne gestellt worden war, wirkte am Neujahrstag wie ausgestorben. Die wenigen Passanten, die am Samstag zu sehen waren, trugen wie von den Behörden angeordnet Atemschutzmasken. Rund 20 Kilometer östlich des Stadtzentrums stauten sich an einer Autobahnsperre die Fahrzeuge. "Niemand kann hinaus", sagte ein Polizist der Nachrichtenagentur AFP.

Ausnahmen gelten lediglich für medizinisches Personal. Am Freitag schickte Peking 450 Militärmediziner nach Wuhan, von denen einige bereits im Einsatz gegen die Sars-Epidemie und Ebola waren. Zahlreiche Krankenpfleger und Ärzte verkürzten ihren geplanten Neujahrsurlaub, um die überlasteten Krankenhäuser in Wuhan zu unterstützen.

Zwei Spezial-Kliniken zur Behandlung von Coronavirus-Patienten sollen in Kürze entstehen: Mit dem Bau eines Krankenhauses, das am 3. Februar in Betrieb gehen und tausend Betten umfassen soll, wurde bereits begonnen. Am Samstag kündigten die Behörden den Bau einer weiteren Klinik mit 1300 Betten binnen 14 Tagen an.

Auch Peking kündigte zusätzliche Schutzvorkehrungen an. Von Sonntag an werde der Busverkehr zur "Epidemien-Prävention" an den Grenzen des Stadtgebiets vollständig eingestellt, berichteten Staatsmedien. Zuvor hatten die Behörden die Neujahrsfeiern in der Hauptstadt bereits abgesagt. Auch zahlreiche Touristenattraktionen wie die Ming-Gräber und Teile der Chinesischen Mauer wurden geschlossen.

Nach Behördenangaben gibt es mittlerweile landesweit knapp 1300 bestätigte Infektionsfälle, 41 Patienten starben. Auch aus anderen Ländern wurden einzelne Fälle gemeldet, darunter aus Thailand, Japan, Südkorea, Taiwan, Vietnam und den USA. Australien meldete am Samstag vier Infektionsfälle.

In Hongkong wurde am Samstag der Notstand ausgerufen, nachdem bei fünf Menschen das Coronavirus nachgewiesen worden war. Vier von ihnen waren mit einem Hochgeschwindigkeitszug aus Festland-China in die Sonderverwaltungszone gekommen. Schulen und Universitäten blieben bis 17. Februar geschlossen, erklärte die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam. Neben der Neujahrsgala werde auch der Marathonlauf im Februar abgesagt.

Inzwischen hat das Virus, das aus derelben Erregerfamilie wie das tödliche Sars-Virus stammt, erstmals auch Europa erreicht. In Frankreich wurde das Virus am Freitag bei drei Patienten nachgewiesen. Gesundheitspolitiker warnten auch vor möglichen Fällen in Deutschland. "Wichtig ist, dass deutsche Kliniken sich bereits jetzt darauf vorbereiten, solche Patienten behandeln zu können", sagte der Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Erwin Rüdel (CDU), der "Rheinischen Post".