Chen hatte zunächst erklärt, er wolle in China seinen Kampf für die Menschenrechte fortsetzen. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte er jedoch später, er fühle sich in China nicht sicher und wolle das Land nun doch verlassen. Chen und seine Familie hätten ihre Meinung geändert, sagte Nuland.
Der 40-jährige Aktivist erklärte, er wolle China gemeinsam mit US-Außenministerin Hillary Clinton verlassen. "Meine inbrünstige Hoffnung ist es, dass es mir und meiner Familie möglich wäre, mit Hillary Clintons Flugzeug in die USA auszureisen", sagte Chen dem Online-Portal "Daily Beast". Clinton hält sich derzeit zu politischen Gesprächen in Peking auf.
Chen ist einer von zahlreichen autodidaktischen Anwälten, die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren. Er zog vor allem mit Kritik an der Ein-Kind-Politik den Zorn der chinesischen Führung auf sich. Nach einer Haftstrafe stand er seit 2010 unter Hausarrest, am 22. April gelang dem seit der Kindheit erblindeten Bürgerrechtler die Flucht. Anschließend suchte er in der US-Botschaft in Peking Zuflucht.
Am Mittwoch verließ Chen die Botschaft unter ungeklärten Umständen und wurde in ein Pekinger Krankenhaus gebracht. Im Interview mit "Daily Beast" sagte Chen, er sei davon ausgegangen, dass US-Beamte in der Klinik bei ihm blieben. Er sei jedoch mit seiner Familie allein gelassen worden. Zudem würden sie im Krankenhaus schlecht behandelt. "Meine Kinder haben Hunger und weinen", sagte Chen.
Zwar sicherten die chinesischen Behörden Chen einen "sicheren" Aufenthaltsort in China zu, Menschenrechtsaktivisten zeigten sich jedoch besorgt um die Sicherheit des Bürgerrechtlers. Chen und seine Familie wurden nach eigenen Angaben bereits wiederholt Opfer von Misshandlungen während ihres Hausarrests. Chen habe die US-Botschaft nur aus Angst um seine Familie verlassen, erklärten Aktivisten.
Der US-Botschafter in Peking, Gary Locke, betonte vor Reportern, Chen sei nicht unter Druck gesetzt worden, die Botschaft zu verlassen. Er sei "begierig" gewesen zu gehen, sagte Locke. Seine Frau habe ihn gedrängt, zurück zu seiner Familie zu kommen.
Clinton sagte zur Eröffnung des amerikanisch-chinesischen Forums in Peking, alle Regierungen müssten "dem Streben ihrer Bürger nach Würde und Rechtsstaatlichkeit nachkommen", ohne Chen namentlich zu erwähnen. Chinas Präsident Hu Jintao sprach sich für gegenseitigen Respekt und Kooperation mit den USA aus. China hatte zuvor das Vorgehen der USA im Fall Chen als Einmischung in Chinas innere Angelegenheiten bezeichnet.
Noch keine Kommentare vorhanden