Holocaust-Gedenktag

Das jüngste Opfer war 3 Jahre alt

Lauenförde (brv) - Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages erinnert der „Heimat- und Geschichtsverein Lauenförde e. V.“ an Joel Kohlberg und seine Familie.

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Joel Kohlberg mit seiner Mutter Mitte (1941).

© Repro: Erich Gauding

Joel Kohlberg wurde am 26. Januar 1939 geboren. Er lebte mit seinen Eltern Walter und Hilde sowie seiner Großmutter Hedwig in der Unterstr. 1 in Lauenförde. Die Familie Kohlberg war im Ort seit dem 18. Jahrhundert ansässig und betrieb dort einen Landhandel und war gut in das Dorfleben integriert.
Walter Kohlberg war aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Er musizierte auch im Spielmannszug der Wehr.
Nach der Machtübernahme der NSDAP im Jahr 1933 war die Familie zunehmend Repressalien und Anfeindungen ausgesetzt. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde ihre Wohnung verwüstet, Einrichtungsgegenstände und Geschirr zertrümmert und die schwangere Hilde Kohlberg beschimpft und bedroht. Der elektrische Strom wurde abgestellt und Menschen, die mit der Familie noch Kontakt hatten, unter Druck gesetzt. Walter Kohlberg wurde gezwungen, seinen Gewerbebetrieb abzumelden. Er musste Zwangsarbeit in der Gemeinde leisten.
In den frühen Morgenstunden des 26. März 1942 wurde Joel mit seiner Familie vom Bodenfelder Polizisten Knop zum Lauenförder Bahnhof gebracht und von dort nach Northeim eskortiert. Die im Haus verbliebenen Möbel und Habseligkeiten wurden versteigert. Gemeinde und die NSDAP nutzten das Gebäude der Familie als Büro.
Über Northeim und Hildesheim wurde die Familie in ein Sammellager in Ahlem gebracht. Vom Bahnhof Hannover-Fischerhof wurde die Familie am 1. April 1942 um Mitternacht mit 1000 Leidensgefährten in das Warschauer Ghetto transportiert, nachdem ihnen alle Wertgegenstände und Gepäckstücke abgenommen wurden.
Nach dem Eintreffen des Zuges am Vormittag des 1. April 1942 verliert sich die Spur von Joel und seinen Eltern sowie der Großmutter. Ob sie im Ghetto durch Krankheit und Hunger umkamen oder in den Gaskammern von Treblinka, ist nicht bekannt.
Seit Dezember 2010 erinnern vier „Stolpersteine“ vor dem ehemaligen Wohnhaus an unsere Mitbürger, die Opfer des Rassenwahns wurden.

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