Atommülllager-Gegner positionieren sich

Der Widerstand in Corona-Zeiten

Von Peter Vössing
Beverungen/Lauenförde/Bad Karlshafen - Die Bürgerinitiative „Gegen atomaren Dreck im Dreiländereck“ hatte alle Gegner des zentralen radioaktiven Bereitstellungslagers in Würgassen dazu aufgerufen, als Symbol des Widerstands ein gelbes „W“ am Haus, im Garten oder am Auto zu platzieren.

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Menschen der Region bezieghen mit einem „W“ vor dem Haus Stellung.

© Foto: Vössing

Dabei soll das „W“ für die Anfangsbuchstaben der Kampagne „(W)ir aus dem (W)eserbergland sind (W)achsam und gegen das ZBL in (W)ürgassen!“ stehen.
Die „Zwischenlager-Gegner“ haben sich an dem großen „X“, mit dem Atomkraftgegner gegen Kraftwerke und Castor-Transporte mit radioaktivem Müll protestieren, orientiert. Das Symbol entstand 1984 im Wendland. Seinerzeit standen die ersten Atommülltransporte an, aber niemand kannte den „Tag X“. Plakate hatten damals zu Protesten am „Tag X“ aufgerufen. 1985 wurde dieses Plakat von Joseph Beuys zur Kunst ernannt, um ein polizeiliches Verbot zu verhindern. Nach und nach tauchte das „X“ als Holzkreuz immer mehr als alleiniges Symbol in den Vorgärten auf, um den Protest gegen die Atompläne der Regierung zu zeigen. Im Laufe der Jahre ist das „X“ immer mehr als Anstecker, auf Fahnen und Transparenten zu finden.

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Die Aufkleber sind die Renner.

© Foto: Vössing


Angesichts der Corona-Krise, durch die Demonstrationen verboten sind, beziehen jetzt viele Gegner des zentralen Bereitstellungslagers in Würgassen auf ihre Art Stellung und haben große aus Holzlatten zusammengebaute „W“ an den Hauswänden angebracht oder in den Vorgärten aufgestellt.
Die Aktion hat schnell viele kreative und handwerklich aktive Teilnehmer gefunden. Auf vielfachen Wunsch stehen seit Kurzem als Alternative zur Eigenkreation ebenfalls fertige Aufkleber zur Verfügung. Diese wurden von der Bürgerinitiative in Eigenleistung produziert und liegen an folgenden Orten zur Abholung bereit:
Beverungen: Bioladen Ringelblume (Weserstraße)
Lauenförde: Autohaus Rickmeier (Meinbrexer Straße)
Bad Karlshafen: Tankstelle Ulbricht (Mündener Straße).
Die Abgabe erfolgt kostenlos, eine Spendenbox für die BI steht jedoch dabei.

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Ein „W“ aus Holzlatten in einem Vorgarten.

© Foto: Vössing


Binnen weniger Tage veröffentlichten die Menschen aus der Region ca. 90 Fotos ihrer „W“ in der Facebook-Gruppe der Lager-Gegner und auf der Webseite der Bürgerinitiative. Die „Dunkelziffer“ der installierten und geklebten „W“ dürfte jedoch deutlich größer ausfallen, denn es wurden an den Ausgabestellen bisher ca. 200 „W-Aufkleber“ und ca. 300 runde „Warnschild“-Aufkleber abgeholt.
Mittlerweile ist die Anzahl der Gegner des „radioaktiven Bereitstellungslagers in Würgassen“ auch im Internet weiter gewachsen. Die Facebook-Gruppe „Contra Atomlager Würgassen“ hat mittlerweile mehr als 4.700 Mitglieder. Auch die Online-Petition hat innerhalb eines Monats über 6.400 Menschen erreicht, die sich mit ihrer Unterzeichnung gegen das „Zwischenlager“ aussprechen. Seinerzeit wurden auch Unterschriftenlisten ausgelegt, die allerdings durch die Schließung vieler Einzelhandelsgeschäfte und die einschneidenden Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Corona-Virus nicht mehr viele Menschen erreichen.

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Auch die SPD Lauenförde hat sich positioniert und zeigt dies an den Ortseingängen.

© Foto: Vössing


Weiterhin sind die Menschen und Politiker in der Region sehr aktiv gegen das Vorhaben der BGZ-Gesellschaft, bis 2027 ein 450 Mio. Euro teures Bereitstellungslager für radioaktiven Müll aus der gesamten Republik zu bauen. Dort sollen dann überwiegend über die Schienen radioaktiver Müll angeliefert und von dort zum Endlager „Konrad“ gebracht werden.

 

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