Wegwarte am Wegesrand

Die Blaue Blume

Von Barbara Siebrecht
Beverungen – Jetzt blüht sie an Weg- und Straßenrändern, die blaue Blume. Die hellblauen Blüten der Wegwarte (Cichorium intybus), werden mit der Symbolik der Romantik in Verbindung gebracht, bei der die Blaue Blume für Sehnsucht, Ferne und Liebe steht.

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Die Wegwarte ist die blaue Blume am Wegesrand.

© Foto: Siebrecht

Mythen des ausgehenden Mittelalters berichten aber auch von Zauberkräften der Wegwartenwurzel bei Liebeszaubern. Sofern wie mit einem Hirschgeweih ausgegraben wurde, konnte man den ersehnten Partner mit einer Berührung der Wurzel betören oder durch ihre Kräfte im Kampf unbesiegbar werden.
Die Wegwarte ist eine weit verbreitete Pflanze, die in Ruderal- und Saumgesellschaften anzutreffen ist. Als Pionier besiedelte sie Rohböden, wie sie zum Beispiel beim Straßenbau entstehen. Die blauen Blüten, aber auch die Früchte mit Fliegschirmchen erinnern an Löwenzahn. Sie besitzt eine tiefgehende Wurzel und wird von Bienen und Schwebfliegen bestäubt. Durch ihre späte Blüte hat die Wegwarte eine Bedeutung als Bienenfutterpflanze. Die Wegwarte ist eine der wenigen rein blau blühenden Pflanzen.
Die Wegwarte ist die Urahnin der Wintersalate der Endivie, des Radicchio und des Zuckerhutsalates. Die Salatzichorie (Chicorée) wird als Wurzel verdunkelt zum Austreiben gebracht und produziert die zartgrünen Blätter. Die Zichoriensalate werden wegen ihrer Bitterstoffe geschätzt, die wohltuend auf Galle, Leber und Milz wirken sollen. Auch andere Heilkräfte wie eine Wirkung gegen Ekzeme und zur Appetitanregung und zur Entspannung werden der Wegwarte zugeschrieben. Im Jahr 2020 wird die Wegwarte Heilpflanze des Jahres.
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden ihre Wurzeln geröstet und als Kaffee-Ersatz verwendet. Der Zichorienkaffee, der sogenannter Muckefuck wird heute unter dem Handelsnahmen Caro-Kaffee angeboten und enthält anteilige Zichorienwurzeln. Als Erfinder des Zichorienkaffees gilt neben einem Braunschweiger Gastwirt der Offizier Christian von Heine aus Holzminden.

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