Freilichtbühne Bökendorf

Die Sache mit Emil schlägt ein

Von Marc Otto
Bökendorf – Der Theatersommer 2019 startet bunt, laut und mit viel Schwung: Die Freilichtbühne Bökendorf eröffnete inzwischen ihre Saison mit dem Kinderstück „Emil und die Detektive“. Die Resonanz während der Premiere und den ersten, nachfolgenden Aufführungen war bereits großartig: Vor fast ausverkauftem Hause wurde gespielt, und es waren insbesondere die jungen Darsteller, welche die Verantwortung auf ihren Schultern trugen. Sie meisterten diese Aufgabe mit Bravour – vor einem Publikum, welches zu großen Teilen im gleichen Alter war wie sie selbst.

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Singen und Tanzen gehört auf der Freilichtbühne einfach dazu - besonders gern in großen Massenszenen.

© Foto: Otto

„Emil und die Detektive“ ist ein klassisches Stück nach einem Roman von Erich Kästner. Es erzählt die Geschichte von Emil, toll verkörpert durch Magnus Knipping, der auf der Zugfahrt nach Berlin bestohlen wird und sich mit einer heimischen Kinderbande zusammentut, um den Dieb zu fangen. Dabei versetzt das Stück sein Publikum in die 1920er Jahre – in eine Zeit, als man noch mit Kreide Käsekästchen auf die Straße malte, Stelzen ein ganz großes Ding waren und ein Junge kein Handy brauchte, um die Nachbarskinder zu mobilisieren, sondern bloß eine Fahrradhupe.
Während Emil von der großen Stadt doch ein wenig eingeschüchtert ist, trifft er auf Gustav mit der Hupe, gespielt von Luca Schrick, der sich mit flotten Sprüchen gleich in die Herzen der Zuschauer spielt und weltmännisch aushilft, indem er seine Bande auf den Plan ruft. Eine lebhafte Truppe bildet sich, und mit generalstabsmäßiger Teamarbeit wird die Sache angepackt.
Unter den Erwachsenen-Rollen sticht Ralf Ahlemeyer als Dieb Grundeis hervor: Ein grimmig blickender, düsterer Mann in Schwarz, der unter anderem mit bärbeißig-kräftiger Stimme „Ich hasse Kinder!“ singen darf. Damit eroberte er sich während der Premiere natürlich die Aufmerksamkeit sämtlicher Kinder im Publikum, die anschließend tüchtig Buh-Rufe anstimmten. Ein stark auf die Bühne gebrachter Bösewicht, der ganz so ankommt, wie man es sich wünscht. Und ja, bei „Emil und die Detektive“ wird auch wieder gesungen, denn das Stück wird als Musical inszeniert. Mal geht es wild zu, wenn sich die jungen Detektive sammeln und „Parole Emil“ schmettern, oder auch gefühlvoll, wenn Emil allein durch Berlin irrt und eher verlorene Klänge anstimmen darf. Verloren in einer großen, fremden Stadt – eine Situation, welche das junge Publikum spürbar mitnahm.
Auch sonst setzt das Ensemble um Regisseurin Anke Lux und musikalische Leiterin Svenja Koch auf das bewährte Rezept der Freilichtbühne: Die Szenerie ist liebevoll gestaltet und lebhaft besetzt. Die Geschichte der Detektive, die einen Dieb jagen, ist liebevoll eingebettet in ein ganzes Wimmelbild weiterer Geschichten. Zahlreiche Darsteller, auch ohne Sprechrolle, verfolgen ihre eigenen Absichten, während sie sich auf der Bühne tummeln. Es kann sich also durchaus lohnen, aufmerksam zu sein und die Bühne als Ganzes zu betrachten. Manchmal findet die Action nicht nur da statt, wo die Hauptfigur gerade steht.
„Emil und die Detektive“ ist ein Musical, welches Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert. Ein eingespieltes Ensemble, das besonders auf seinen Nachwuchs stolz sein darf, und die Sache mit Emil noch 15 Male auf die Bühne bringen wird – der nächste Termin ist bereits der 9. Juni, gleichsam der Tag des Freilichttheaters.
Weitere Informationen erhalten Interessierte aus den ausliegenden Flyern sowie auf der Internetseite www.freilichtbuehne-boekendorf.de. Natürlich findet sich dort auch alles zum Erwachsenenstück „In 80 Tagen um die Welt“, welches am 29. Juni Premiere feiern wird.