Die im Abstand von einer Minute gezündeten Autobomben hätten eine Sprengkraft von insgesamt "mehr als eine Tonne" gehabt, gab das Innenministerium an. Sie explodierten in dichtem Verkehr auf einer Schnellstraße im Stadtteil Kassas im Süden der Hauptstadt. In der Nähe befinden sich nach offiziellen Angaben Gebäude der Sicherheitskräfte, nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte handelt es sich um Geheimdienstbüros, die bereits mehrfach Ziel von Anschlägen waren.
Durch die Sprengsätze wurden mehr als 200 Autos beschädigt, mehr als 100 brannten aus, wie das Ministerium weiter mitteilte. Fassaden umliegender Gebäude wurden zum Teil eingerissen, berichtet ein AFP-Journalist vor Ort. Am Explosionsort klafft ein metertiefer Krater. Riesige Rauchsäulen stiegen empor.
Das Staatsfernsehen zeigte verkohlte Leichen. Rettungskräfte und Anwohner bargen die Leichen aus Autos. Helfer sammelten abgerissene Körperteile in Nylonsäcken. "Ist dies die Freiheit, die ihr wollt?", schrie ein Mann.
Das Staatsfernsehen macht wie gewohnt "Terroristen" für die Anschläge verantwortlich. Diese hätten ihre Bomben gezündet, als zahlreiche Menschen auf dem Weg zur Arbeit und in die Schule gewesen sind. Der Syrische Nationalrat als wichtigstes Oppositionsbündnis erklärte dagegen, das "Regime" wolle mit den Anschlägen die internationalen Beobachter der Waffenruhe einschüchtern. Zugleich nutze es die Taten, um bewaffnete Gruppen und Al-Kaida verantwortlich zu machen.
Der Leiter der UN-Beobachtermission, General Robert Mood, begab sich an den Anschlagsort und forderte ein Ende der Gewalt. Er appelliere an alle, dazu beizutragen, die Gewalt zu beenden. Der UN-Sonderbeauftragte Annan bezeichnete die Anschläge als "abscheulich" und "inakzeptabel". Die Gewalt in Syrien müsse beendet werden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich "bestürzt über die Gewalt". Der Annan-Plan "für eine politische, friedliche Lösung" des Konflikts müsse unterstützt werden. Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte die Anschläge.
In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt blutige Anschläge in Damaskus gegeben. Zuletzt waren am 27. April elf Menschen bei einem Selbstmordanschlag vor einer Moschee getötet worden. Die Protestbewegung gegen Präsident al-Assad, die im März vergangenen Jahres begann, hat sich in jüngster Zeit zunehmend radikalisiert und militarisiert. Experten befürchten, dass die Bewegung vermehrt von Extremisten des Terrornetzwerks Al-Kaida unterwandert wird.
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