Ursache noch unklar

Dutzende Verletzte durch zwei starke Explosionen in Beirut

Beirut (AFP) - Die libanesische Hauptstadt Beirut ist am Dienstag von zwei gewaltigen Explosionen erschüttert worden. Dutzende Menschen seien durch die Detonationen im Hafenviertel der Stadt verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. AFP-Reporter berichteten von einer riesigen Rauchwolke über der gesamten Hafengegend. Örtliche Medien zeigten Bilder von unter Trümmern feststeckenden Menschen, viele von ihnen waren blutüberströmt. Die Ursache der Explosionen war zunächst unklar.
Zerstörung nach Explosion im Hafenviertel von Beirut Bild anzeigen
Zerstörung nach Explosion im Hafenviertel von Beirut © AFP

Die Explosionen waren in mehreren Teilen der Stadt zu hören und führten vielerorts zu Stromausfällen. Wie ein AFP-Reporter berichtete, wurden alle Geschäfte im Quartier Hamra durch die Explosionen beschädigt. In den Straßen waren zudem ausgebrannte Autos zu sehen, viele mit aufgeblasenen Airbags.

Vor dem Clemenceau-Krankenhaus warteten dutzende Verletzte auf Einlass, darunter mehrere Kinder. In einem von libanesischen Medien verbreiteten Video waren Gebäude mit zerstörten Fensterscheiben und überall verstreuten Möbelstücken zu sehen.

Ein Bewohner Beiruts schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter von "bebenden Gebäuden". Ein anderer schrieb: "Beirut wurde gerade von einer gewaltigen, ohrenbetäubenden Explosion verschlungen. Ich habe es in meilenweiter Entfernung gehört."

Der Libanon durchlebt derzeit die verheerendste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Seit Mitte Juni befindet sich das libanesische Pfund im freien Fall, die Arbeitslosenrate steigt. Aus Protest gegen wochenlange massive Stromausfälle hatten Demonstranten am Dienstag versucht, das Energieministerium in Beirut zu besetzen. In Teilen des Landes hatte es in den vergangenen Wochen bis zu 20 Stunden am Tag keinen Strom gegeben.

Zuletzt hatten sich auch die Spannungen zwischen dem Libanon und dem Nachbarland Israel wieder erheblich verschärft. Ende Juli hatte die israelische Armee erklärt, einen "Infiltrationsversuch" im israelisch-libanesischen Grenzgebiet vereitelt zu haben. Demnach hatte eine Gruppe aus bewaffneten Männern die sogenannte Blaue Linie im umstrittenen Berg-Dow-Gebiet in den Golanhöhen überquert. Israel machte die radikalislamische Hisbollah-Miliz für den Vorfall verantwortlich, der Libanon warf Israel seinerseits eine "gefährliche Eskalation" vor.

Die Explosionen in Beirut ereigneten sich zudem nur wenige Tage, bevor am Freitag vor einem Sondergericht in Den Haag das Urteil im Prozess um den tödlichen Anschlag auf den libanesischen Ex-Ministerpräsidenten Rafik Hariri fällt. Vier angebliche Mitglieder der schiitischen Hisbollah-Miliz sind wegen des Selbstmordanschlags auf den sunnitischen Politiker angeklagt, bei dem 21 weitere Menschen getötet wurden. Der Prozess findet in Abwesenheit der Angeklagten statt.

Eine Frau, die AFP am Dienstag im Zentrum Beiruts antraf, fühlte sich durch die Explosionen am Dienstag an das Attentat auf Hariri erinnert. Die Erschütterung hätten sich sich wie ein Erdbeben angefühlt, sagte sie. "Ich hatte den Eindruck, es war eine größere Explosion als bei der Ermordung von Rafik Hariri 2005."

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