Motorradlärm:

Ein bunter Strauß an ersten Maßnahmen

Holzminden (ozm) - Vertreter von Landkreis, Polizei sowie der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr haben sich zusammen mit betroffenen Anwohnern, der Gastronomie und der Motorradlobby in einer weiteren Videokonferenz über das Thema Motorrad-und Verkehrslärm ausgetauscht. Einmal mehr wurde lebhaft, streitbar, am Ende aber auch sehr konstruktiv über die weiteren Vorgehensweisen diskutiert. Kurzfristig soll ein bunter Strauß an Maßnahmen umgesetzt werden. Und auch das Tiroler Modell ist noch nicht vom Tisch.
Gleich eingangs der Konferenz fasste Volker Schauf zusammen, was bisher vonseiten der Landkreisverwaltung als weiterführende Maßnahmen unternommen worden sei. Vom Landkreis selbst seien ab Anfang April Zählgeräte installiert worden, und zwar an der B240 auf dem Ith und auf der L580 bei Rühle. Auch der Leiter der Hamelner Zweigstelle der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Markus Brockmann, hatte in dieser Richtung gehandelt und sogar extra für ein solches Monitoring eine sogenannte TOPO-Box angeschafft, die an der L 550 bei Lauenförde aufgestellt wurde. Ziel aller dieser Geräte soll sein, das Ausmaß des Verkehrsaufkommens speziell von Motorrädern an bestimmten neuralgischen Stellen „tagesscharf“ zu erfassen. Denn in allen bisher geführten Diskussionsrunden waren die Auffassungen darüber, wie viele Motorräder überhaupt auf den Straßen des Landkreises unterwegs sind, teilweise weit auseinandergegangen. Eine erste Bilanz ergab nur an einem einzigen Tag speziell in Golmbach hohe Werte, ansonsten waren eher wenige Zweiräder unterwegs. Allerdings, darin waren sich alle Diskutanten einig, seien die paar Wochen im April wegen des sehr kurzen Zeitraumes und der schlechten Witterung auch nicht besonders aussagekräftig. Schauf und Brockmann verwiesen gleichermaßen darauf, dass sich erst über die gesamte Saison hinweg ein verlässliches Bild mit den Zahlen zeichnen lasse, deshalb solle weiter gemessen werden. Auch im Hils am Roten Fuchs sollen solche Zählboxen nach dem Willen von Bürgermeister Stephan Willudda bald hängen.
Darüber hinaus hatte aber auch das Justiziariat der Kreisverwaltung wie in der vorherigen Konferenz besprochen, eine Prüfung des sogenannten „Tiroler Modells“ vorgenommen. In Tirol sind bestimmte Straßen für Motorräder, deren Standgeräusch 96 Dezibel überschreitet, gesperrt. In der Einschätzung der Landkreis-Juristen ist eine solches Modell im Landkreis Holzminden rechtlich höchst angreifbar, weil zum einen pauschale Fahrverbote zugelassener Fahrzeuge nicht möglich seien und andererseits ein Standgeräusch nichts mit einem Fahrgeräusch gleichzusetzen sei, somit die Lautstärke eines Fahrzeuges im Stehen kein Fahrverbot begründen könne. Auch ein Modellversuch, wie ihn die Lärmgegner vom Landkreis forderten, lasse sich dementsprechend nicht vornehmen, weil der nur dann angegangen werden könne, wenn er Chancen habe, in einen juristisch haltbaren Dauerzustand überzugehen.
Die vom Lärm betroffenen Anwohner sahen das anders. Sie verwiesen auf verschiedene Gutachten und Stellungnahmen, die zu anderen Ergebnissen gekommen seien, wobei allerdings offenblieb, ob sich diese Einschätzungen auf deutsches Recht bezogen. Grundsätzlich jedoch, darauf machte Volker Schauf noch einmal aufmerksam, seien verwaltungsrechtlich zunächst immer erst einmal mildere Maßnahmen anzuwenden, um dann, falls diese scheiterten, schärfer anzuwenden. Aus diesem Grund sollen neben den polizeilichen Kontrollen, die momentan sporadisch vorgenommen werden, auch Banner an den Straßen aufgestellt werden und verschiedene Geschwindigkeitsbegrenzungen an bestimmten Ortsausgängen geprüft werden. Nachdem der Kreistag die Verwaltung Anfang Mai mit großer Mehrheit mit der Beantragung von Förderungen für vier Lärmdisplays beauftragt hat, sind die entsprechenden Anträge dafür bereits nach Hannover zum Verkehrsministerium geschickt worden. Mit diesem bunten Strauß an Maßnahmen sind zumindest erste Schritte erst einmal in die Wege geleitet.
Und das Tiroler Modell? „Es ist uns wichtig, dass das nicht aus den Augen gerät“, insistierte Markus Renner vom Anwohnerverein „Motorradlärm Weserbergland“ während der Videokonferenz. Vielleicht gebe es ja doch eine Möglichkeit, das mit einem gescheiten Konzept doch zu realisieren. Volker Schauf versprach, den Ansatz in einem kleineren Arbeitskreis weiterverfolgen zu wollen. Ein Versprechen, das Mut machte, denn schließlich müsse ja das „Tiroler Modell“ nicht unbedingt eins zu eins umgesetzt werden. „Vielleicht gibt es ja dann ein Holzmindener Modell“, kommentierte Renner die Fortsetzung der Gespräche in kleinem Rahmen, „dann wissen auch meine Freunde aus Bayern hinterher, wo ich wohne.“

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