Digitale Mitgliederversammlung des Vereins „Atomfreies 3-Ländereck“

Ein komplett neuer Vorstand wird gewählt

Von Peter Vössing
Beverungen/Würgassen – So etwas hat es in der Region noch nicht gegeben. Der Verein „Atomfreies 3-Ländereck“, der sich die Verhinderung des Atomlagers in Würgassen auf die Fahne geschrieben hat, hat seine Mitgliederversammlung komplett online durchgeführt.

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In Zukunft will man den Blick wieder verstärkt auf den Kampf gegen das drohende Atommülllager richten.

© Foto: Vössing

Dabei verfolgten ca. 150 ordentlichen Mitgliedern vor dem heimischen Computer via Zoom-Konferenz die Veranstaltung und die Fördermitglieder waren über Youtube zugeschaltet. Der Vorstand hatte sich in der Beverunger Stadthalle unter Einhaltung der Corona-Abstandsbestimmungen zusammengefunden und wurde live ins Internet gestreamt. Per Chatfunktion konnte die Mitglieder ihre Wortbeiträge äußern.
Nach monatelangen internen Querelen war die Sitzung notwendig geworden. Am Ende der dreieinhalbstündigen Versammlung stand fest, dass der Verein einen komplett neuen Vorstand bekommen wird, für den jetzt noch ein Voting mit Briefwahl anstehen wird.
Begrüßt wurden die am heimischen Bildschirm sitzenden Mitglieder von Prof. Dr. Dr. Martin Hörning, der die Versammlung leitete, sowie den anderen Vorstandsmitgliedern Hubertus Hartmann, Edith Götz, Heinrich Wenisch und Wilhelm Holz.
Hörning stellte bei seiner Begrüßung noch einmal heraus, dass in letzter Zeit ca. 80 Prozent der Vorstandsarbeit für die internen Zwistigkeiten aufgewandt wurden und so ein effektives Arbeiten für das eigentliche Vereinsziel nicht mehr möglich war.
Der Streit war aufgekommen, nachdem der ehemalige Vorsitzende Dirk Wilhelm im Oktober letzten Jahres sein Amt niedergelegt hatte. Vermittlungsversuche waren seitdem gescheitert, sodass der Vorstand jetzt den Entschluss fasste, geschlossen zurückzutreten. Der Sitzungsleiter stellte fest, dass der Verein einen neuen Vorstand brauche, um sich auf seinen eigentlichen Aufgaben konzentrieren zu können.
Der amtierende Vorstand will sich komplett zurückziehen und stand somit auch nicht mehr zur Wahl zur Verfügung. Die gute Arbeit des „alten“ Vorstands wurde an diesem Abend immer wieder unterstrichen. Viele Mitglieder wünschten sich deshalb eine Durchmischung des neuen Vorstands mit dem noch amtierenden Präsidium. Dem wurde allerdings nicht entsprochen.
Zunächst wurde ein Wahlausschuss bestimmt, der sich mit der Durchführung der Besetzung der Vorstandsposten per Briefwahl befassen wird.
Bei der Benennung der Kandidaten war schnell klar, dass der ehemalige Vorsitzende Dirk Wilhelm wieder für das Amt des Vorsitzenden antreten würde. Er hatte sich schon im Vorfeld in einem Videoclip auf Facebook mit anderen Unterstützern positioniert.
Mit Martin Zühlsdorf und Susanne Wilke hatte der Drenker zwei Gegenkandidaten. Aus gesundheitlichen Gründen musste Zühlsdorf allerdings einen Rückzieher machen. Es bleibt also als einzige Gegenkandidatin die Juristin und selbstständige Hausverwalterin Susanne Wilke, die seit drei Jahren im Weserbergland lebt.
Martin Ahlborn aus Uslar und Martin Hoppe aus Bad Karlshafen traten als Bewerber um den Posten als zweiter Vorsitzender an. Die ehemalige Kassiererin Katrin Meyer aus Meinbrexen, die seinerzeit mit Dirk Wilhelm den Vorstand verließ, möchte wieder als Kassiererin mitarbeiten. Für die vier Beisitzerposten treten Rüdiger Brandt aus Roggental, Thorsten Schäfer aus Bad Karlshafen, Paul Weskamp aus Ottbergen, Reiner Lenzing aus Bad Karlshafen und Oliver Stellmacher aus Fürstenberg an.
Die Briefwahlunterlagen sollen an einen Rechtsanwalt geschickt werden. Der jetzige Vorstand bleib bis zur Ergebnisbekanntgabe im Amt.
Prof. Dr. Dr. Martin Hörning ging gegen Ende der Sitzung noch auf die Stellungnahme der BGZ zum BI-Gutachten ein. Er fand die umfangreiche Reaktion als bemerkenswert und folgerte daraus, dass man bei der BGZ mit dem Gutachten ins Schwarze getroffen habe. Er kündigte eine Stellungnahme auf die Reaktion der BGZ durch die Verfasser des Gutachtens an. Rechtsanwalt Siegfried de Witt hatte in einem Schreiben schon einmal anklingen lassen, dass sehr wohl ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren und damit verbundene Flächenenteignungen am Endlager Konrad durchgeführt werden könnten.
Nach der Online-Sitzung gab es viel Lob seitens der Mitglieder für die gelungene und sachliche Durchführung der digitalen Veranstaltung. Die Mitglieder werden zeitnah die Unterlagen zur Briefwahl erhalten, um dann über den neuen Vorstand abstimmen zu können. Man hofft nun, dass man sich wieder verstärkt um den Kampf gegen das drohende Atommülllager kümmern kann.