Schiedsrichter Wolfgang Stark hatte zuvor schwere Vorwürfe gegen einige Berliner Fußball-Profis erhoben. Er berichtete von Schlägen, üblen Beschimpfungen und Jagdszenen nach dem Abpfiff am Dienstagabend. "Der Spieler Lewan Kobiaschwili hat mit ausgestreckter Faust in meine Richtung geschlagen. Ich habe mich weggeduckt, bin dann am Hinterkopf getroffen worden. Einzig das Treppengeländer verhinderte einen Sturz, und das wären fünf bis sechs Meter gewesen", sagte der Unparteiische aus Ergolding, der als wichtigster Zeuge zur Klärung des Einspruchs beitragen sollte.
Von Christian Lell sei er zudem "aufs Schärfste attackiert und am Arm gepackt worden", sagte Stark. "Die Beleidigung, die dabei gefallen ist, war: Du feiges Schwein!" Auf dem Weg zur Schiedsrichterkabine seien die Unparteiischen dann von weiteren Spielern von Hertha BSC abgefangen und unter anderem als "Arschloch" und "Wichser" (André Mijatovic) beschimpft worden.
Die Berliner hätten "die Kabine stürmen" wollen. "Wir mussten die Türen immer wieder zudrücken. Ich konnte Mijatovic und Kraft (Torhüter Thomas Kraft, d. Red.) erkennen. Ich hatte Angst und war den Tränen nahe und musste mir auf die Lippen beißen. So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte der 42 Jahre alte FIFA-Schiedsrichter und stellte die entscheidende Behauptung der Berliner Offiziellen infrage: "Wenn man unmittelbar nach dem Schlusspfiff so massiv und gezielt auf das Schiedsrichter-Team losgehen kann, stellt sich die Frage nicht, ob die Spieler Todesängste ausgestanden haben".
Hertha-Keeper Kraft wies indes auf die Ängste der Berliner Profis während der Unterbrechung hin. "Speziell Raffael und Ronny hatten Tränen in den Augen. Das waren keine Abstiegstränen. Es war die Angst vieler, was mit den Kindern auf der Tribüne passiert", sagte der Schlussmann und berichtete von Frauen, Freundinnen und Familienangehörigen der Hertha-Spieler, die im Tribünenbereich hinter der Bank saßen.
Kapitän Andre Mijatovic klagte: "Keiner von uns hat mehr an Fußball gedacht. Wir haben uns nur gefragt, was passiert, wenn wir das dritte Tor schießen?" Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt sagte in seinem Plädoyer, dass an diesem "schrecklichen Abend Anarchie geherrscht" habe. Zuvor waren in der emotionalen Marathon-Sitzung insgesamt zehn Zeugen vernommen worden.
Nach dem 2:1-Hinspielerfolg der Fortuna in Berlin war es am Dienstag beim Rückspiel in Düsseldorf zu einem Chaos gekommen. Nachdem beide Fanlager schon während der Partie Bengalische Feuer gezündet hatten, stürmten Tausende Fortuna-Anhänger den Platz in der Nachspielzeit in der Annahme, das Spiel sei beendet.
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