Bürgerversammlung zum geplanten Bereitstellungslager

Es gibt keinen Plan B

Von Peter Vössing
Lauenförde – Ca. 100 Personen waren in die „Neue Turnhalle“ in Lauenförde zu einer Bürgerversammlung gekommen, in der es ausschließlich um das geplante Logistikzentrum für das Endlager Konrad (LOK) in Würgassen ging.

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Ca. 100 Personen waren bei der Bürgerversammlung vor Ort.

© Foto: Vössing

Bürgermeister Werner Tyrasa und Samtgemeindebürgermeister Tino Wenkel hatten zu dieser Veranstaltung geladen, an der neben den hochrangigen Vertretern der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) Christian Möbius (Generalbevollmächtigter Logistikzentrum Konrad), Dr. Heinz-Walter Drotleff (Bereichsleiter) und Hendrik Kranert-Rydzy (Pressesprecher) auch die Vertreter des Vereins Atomfreies Dreiländereck, Dirk Wilhelm (Vorsitzender), Martin Ahlborn und Wilhelm Holz (Uslarer Abteilung) teilnahmen. Mit MdL Hermann Gruppe und MdL Uwe Schünemann hatten sich zwei hochrangige Politiker in die Zuschauerreihen gesetzt und lauschten aufmerksam den Ausführungen der Referenten.
Bei der Veranstaltung wurde penibel auf die Corona-bedingten Abstände und Hygieneregeln geachtet.
Die Begrüßung übernahm Bürgermeister Werner Tyrasa, der den Gästen den Ort vorstellte und auf die Bedeutung des Tourismus zu sprechen kam. Zunächst hatten beide Parteien die Möglichkeit in einem ca. 40-minütigen Vortrag ihren Standpunkt Pro und Kontra Bereitstellungslager vorzustellen. Christian Möbius ging zunächst auf den Zweck des Bauvorhabens ein und Dr. Heinz-Walter Drotleff übernahm den Part, die technischen Aspekte des geplanten Projektes zu erklären.

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Das Podium: (v.l.) Dirk Wilhelm (Verein Atomfreies Dreiländereck), Werner Tyrasa (Bürgermeister), Tino Wenkel (Samtgemeindebürgermeister), Christian Möbius (BGZ - Generalbevollmächtigter Logistikzentrum Konrad), Dr. Heinz-Walter Drotleff (BGZ - Bereichsleiter).

© Foto: Vössing


Dirk Wilhelm sprach für den Verein Atomfreies Dreiländereck, der sich schon früh gegen das Projekt positioniert hatte. Er ging auf alle Aspekte des Bauvorhabens ein und versuchte die Gründe, die gegen die ca. 320 x120 x 18 Meter große Halle sprechen, zu formulieren. Als einen Hauptgrund der gegen das 450 Mio Euro teure Lager für schwache- mittelradioaktive Abfälle spräche, führte Wilhelm die mangelnde Infrastruktur an. Nach seiner Meinung würden Vorgaben der Entsorgungskommission des Bundes gleich mehrfach übergangen. Unter anderem haben die Ingenieure der Kommission eine zweigleisige Streckenführung der Bahnlinie als Kriterium festgelegt.

Er verwies darauf, dass sämtliche Städte und Kreistage der Region des Dreiländerecks aus Hessen, NRW, Niedersachsen einstimmig mit allen Parteien Resolutionen gegen das geplante "Zwischenlager" verabschiedet hatten und dass Gespräche mit dem Bundesumweltministerium und den Landesregierungen in Hannover und Düsseldorf anstehen.
Es folgte eine Diskussionsrunde, bei der die Zuhörer Fragen an die Verantwortlich vom BGZ stellen konnten. Dabei wurde die Fragerunde auch durchaus emotional geführt. Das verdeutlichte, dass viele der anwesenden Bürger eine ablehnende Haltung gegen das Projekt hatten. Viel Erstaunen löste die Antwort auf die Frage aus, warum es keinen Plan B bei der Planung eines solchen Projektes (450 Mio. Euro) gäbe, wenn es denn von irgendeiner Instanz abgelehnt würde. Seitens der BGZ wurde selbstsicher angeführt, dass der Standort Würgassen der geeignetste sei. Eine Bemerkung, die den Eindruck erweckte, dass hier auf Biegen und Brechen ein Projekt durchgeboxt werden soll.
Einsicht herrschte allerdings in der Tatsache, dass die Hinterlassenschaften aus der jahrzehntelangen Stromerzeugung aus Kernenergie irgendwo entsorgt werden müssen. Man ist allerdings im Dreiländereck mit dem Prozedere: Transport zum Bereitstellungslager, Umverteilung und dann der Abtransport zum Endlager Schacht Konrad bei der schwierigen topografischen Lage und den vorhandenen einspurigen Gleisanlagen (ohne Elektrifizierung) nicht einverstanden. Nach einer dreieinhalbstündigen Marathonsitzung endete die Bürgerversammlung, die den Beteiligten von der BGZ verdeutlicht haben dürfte, mit wie viel Leidenschaft man in der Region den Kampf gegen das geplante Lager aufgenommen hat. Fortsetzung folgt …

 

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