Corona-Virus sorgt für Verzögerung des Brückenverschubs

Fachfirma aus der Schweiz darf nicht einreisen

Von Peter Vössing
Beverungen/Lauenförde (brv) - Immer wieder ist in der letzten Zeit die Frage „Wann wird endlich die Brücke verschoben?“ zu vernehmen. Eigentlich sollte das schon in der Woche nach Karneval passieren. Aber dann kam wochenlanges Hochwasser und jetzt auch noch die Corona-Pandemie dazwischen.

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Die Verschubbahnen auf den Unterbauten sind bereit für den Querverschub.

© Foto: Vössing

Mittlerweile sind schon einige Wochen ins Land gegangen, aber der Querverschub des 4000 Tonnen schweren Bauwerks ist immer noch nicht durchgeführt worden. Das Hochwasser hat sich zurückgezogen, der Pegel in Bad Karlshafen zeigt einen Wasserstand von 1,60 m. Die Baufirma hat ihre Arbeiten an den Widerlagern wieder aufnehmen können. Dennoch steht der Verschubtermin in den Sternen.
Schuld daran ist die Corona-Pandemie. Die Verschubarbeiten des Brückenbauwerks zwischen NRW und Niedersachsen sollten nämlich von einer Spezialfirma aus der Schweiz durchgeführt werden. Nachdem Deutschland die Grenzen wegen der Corona-Krise zum südlichen Nachbarn geschlossen hat, gelten auch für die Verschubfachleute Reisebeschränkungen. Im Moment ist noch nicht abzusehen, wann diese wieder gelockert werden und Verschub vonstattengehen kann.

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Der 4.000 Tonnen schwere Stahlkoloss wartet seit Wochen auf den Querverschub.

© Foto: Vössing


In der aktuellen Lage, in der die Schulen und Kitas geschlossen sind und auch so der Verkehr sich auf ein Minimum reduziert hat, wäre der Zeitpunkt für die Komplettsperrung der Weserbrücke optimal.
In einem Gespräch mit Bauamtsleiter erklärte dieser: „Es sieht so aus, als ob die Straßenbauarbeiten auf Beverunger Seite eher abgeschlossen sind als die Brückenbauarbeiten. Die Baufirma liegt sehr gut im Zeitplan. Ende April soll die Burgstraße bereits asphaltiert werden“. Dann werden noch Restarbeiten an den Straßenrändern und Pflasterarbeiten auf dem südlichen Gehweg getätigt. Man rechnet damit Ende Mai die Straße wiedereröffnet werden kann.

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Die Straßenbauer verfüllen den sensiblen Bereich zwischen Widerlagerwand und Widerlagerflügeln. Hier ist ein gewissenhaftes Verdichten oberstes Gebot.

© Foto: Vössing


Trotz Reisebeschränkungen rechnet man seitens der Stadt Beverungen damit, dass auch die Brücke und damit der Verkehr zwischen Beverungen vor den Sommerferien freigegeben werden kann.
Seitens Straßen.nrw übt man sich in Zurückhaltung, weil schon der ursprünglich geplante Termin für den Querverschub, der 27. Februar, wegen des Hochwassers mehrfach verschoben werden musste.
Wenn alles im Rahmen läuft und Hochwasser sowie Corona-Krise keinen Strich durch die Rechnung macht, soll das Bauwerk auf die nun vorhandenen Unterbauten verschoben werden. Jetzt könnte allerdings ein anderer Faktor für Schwierigkeiten beim Verschub sorgen. Übermäßiger Sonnenschein kann nämlich dazu führen, dass sich die Stahlkonstruktion um 300 mm in Längsrichtung ausdehnt. Das 4000 Tonnen schwere Bauwerk wird am Verschubtag mit 6 sogenannten Litzenhebern aus der jetzigen Position auf die 6 neuen Unterbauten (2 Widerlager und 4 Pfeiler) mit einer gesamten Zugkraft von 4000 Kilonewton (ca. 400 Tonnen) gezogen. Die hydraulisch arbeitenden Litzenheber an den Unterbauten ziehen mittels Zugstangen den Brückenüberbau über eine Verschubbahn in die geplante Position. Diese Aktion wird von der besagten Spezialfirma aus der Schweiz begleitet, die damit sehr viel Erfahrung hat. Die Schwierigkeit besteht dabei in der Synchronität. Kleinste Verkantungen müssen beim Ziehen sofort erkannt und darauf reagiert werden. Eine hochsensible Arbeit, die viel Fingerspitzengefühl verlangt. Die Brücke muss insgesamt eine Strecke von 18 Metern zurücklegen. Die Verschubgeschwindigkeit beträgt in etwa 1-2 Meter pro Stunde.
Wenn der Verschub (eigentlich ist es ein „Verzug“) beendet ist, soll die Zuwegung möglichst schnell wieder angebracht werden, damit die Fußgänger wieder über die Brücke gehen können. Als weitere Brückenbauarbeiten stehen nach dem Verschub der Einbau der Lager, der Fahrbahnübergänge, die Fertigstellung der Kappen, die Hinterfüllung der Widerlager, der Anschluss der Brückenentwässerung und die Aufbringung des Fahrbahnbelages auf dem Programm.

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