Orange Blossom Special im Stream

Fans feiern Zuhause ihr eigenes OBS

Von Peter Vössing
Beverungen – In diesem Jahr war beim „Orange Blossom Special“ Festival im Garten des Glitterhouse-Plattenlabels alles anders. Wo sich sonst über 3000 Musikfans aus ganz Europa ein Wochenende lang treffen, um Spaß zu haben, herrschte in diesem Jahr gähnende Leere.

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Die „OBS in Quarantäne“ Crew: (v.l.) Lena Willems, Yanik Wieners, Rolf Wenzel, Michael Gebendorfer, Mandy Buitrago, Katharina Maas, Tine Rosch, Rembert Stiewe, Jörg Maas, Simon Baranowski, Sabine Seifert. 

© Foto: Vössing

Die Corona-Pandemie war schuld daran, dass dieses Festival, wie übrigens viele andere weltweit, ausfallen musste. Für die Macher und natürlich die eingefleischten Festivalfreunde, die das ganze Jahr über die Tage bis zu „ihrem“ OBS herunterzählen war es der „Worst-Case“. Traurigkeit beherrschte die Gefühlswelt der OBS’ler.
Um ein wenig Wehmut wegzunehmen, hatte sich Organisator Rembert Stiewe überlegt, an den drei eigentlichen Festivalabenden unter dem Motto „Duck the Virus – ein Festival in Quarantäne“ einen Live-Stream auf der Internetseite www.dringeblieben.de und der Facebook-Präsenz des Orange Blossom Special auszustrahlen.
Mit einem professionellen Team (Lena Willems, Yanik Wieners, Rolf Wenzel, Michael Gebendorfer, Mandy Buitrago, Katharina Maas, Tine Rosch, Jörg Maas, Sabine Seifert), mit Filmschaffenden aus dem gesamten Bundesgebiet, die über reichlich TV-Erfahrung verfügen, wurden drei sehr abwechslungsreiche Sendungen auf dem leeren Festivalgelände erstellt. Die launigen Moderationen hatten Rembert Stiewe und Simon Baranowski übernommen, die auch sonst die Fäden bei der Moderation der OBS-Tage in den Händen halten, übernommen.

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Dreharbeiten mit Abstand 

© Foto: Vössing


Sie zeigten an den drei Abenden alle Facetten eines ereignisreichen und überaus erfolgreichen Festivals, angefangen vom Zeltplatz an der Weser, über die Kinderunterhaltung, das Rahmenprogramm wie den Reitschnupperkurs oder den Lauftreff, die Aftershow-Party im Stadtkrug bis zum Backstagebereich des Festivals. Auch ein Blick in die „Heiligen Hallen“ der Glitterhouse-Villa wurde gewährt.
Angereichert wurden die Sendungen mit Spielszenen, unter anderem stellten die Moderatoren die Va(i)russchlacht auf dem Festivalgelände nach. Video-Schalten zu Musikern, die eigentlich hätten auftreten sollen, die Vorstellung der Crowdfunding-Belohnungen, eine Call-In Show, sowie die Ankündigungen der bereits für das OBS 2021 feststehenden Künstler rundeten das Programm der Streams ab. Es gab natürlich ganz viel Musik, z.B. noch nie gesehene Aufnahmen vom vergangenen OBS und Live-Streams von bereits für das OBS 24 gebuchten Bands zu sehen.
Das alles war verbunden mit der Möglichkeit, parallel Unterstützer-Tickets zu erwerben - passend zum OBS natürlich in Form von Luftgitarren. Die Ausschüttung der eingenommenen Gelder erfolgt fair: alle Einnahmen sollen anteilig auf alle Musiker, alle Beteiligten sowie an das OBS verteilt werden.
Die Resonanz auf die drei Quarantäne-Sendungen war äußerst positive. Zuschauer auf der ganzen Welt (USA, Kanada, Japan und Europa) verfolgten die Streams und feierten ihr ganz privates Festival mit Bier und selbst gemachter Calzone.
Rembert Stiewe machte nie einen Hehl daraus festzustellen: „Einem Großteil der Menschheit geht es weit schlechter als uns. Aber es ist offensichtlich, dass die Existenz des Festivals auf dem Spiel steht. Daher sind wir für jede Unterstützung aus nah und fern dankbar.“ Festzustellen ist, dass das Orange Blossom Special Festival als Aushängeschild der Stadt Beverungen auch durchaus ein wirtschaftlicher Faktor für die Stadt Beverungen ist und auch in Zukunft bleiben wird.

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Festivalsalive-Lichtinstallation 

© Foto: Michael Gebendorfer


Im Rahmen der Sendung wurde zudem eine temporäre Lichtinstallation, angelegt als globale Bewegung, ein ganz besonderer Akzent gesetzt. Die Installation trägt den Namen „Festivalsalive“ und soll ein stilles Denk- und Mahnmal für Festivals sein, die aufgrund der weltweiten COVID-19 Pandemie abgesagt wurden. Diese Lichtinstallation war ein dicker, statischer und hellblauer Lichtstrahl, der erstmals in Beverungen in den Himmel geschickt wurde. Festivalsalive ist eine Idee des Musikliebhabers und Lichtdesigners Rolf Wenzel und eine Non-Profit Bewegung. Rolf Wenzel würde derzeit selbst mit verschiedenen Bands auf den vielfältigen Festivals Europas arbeiten. In Zeiten von COVID19 ist ihm dies verwehrt. Kick-Off für Festivalsalive war das Pfingstwochenende. Idee des Lichttechnikers Rolf Wenzel ist es, immer an den original Showtagen und zu den typischen nächtlichen Spielzeiten des Festivals, die Lichtinstallation in den Himmel zu schicken. Das Orange Blossom Special Festival in Beverungen war das erste stille Denkmal und viele weitere sollen folgen.
Am Ende äußerte sich Rembert Stiewe äußerst zufrieden über das virtuelle OBS in Quarantäne: „Die Streams waren insgesamt ein toller Erfolg. Es gab am Samstag wegen der Menge an Zugriffen kleinere Übertragungsprobleme, ansonsten lief alles einwandfrei. Die Reaktionen der Zuschauenden sind durchweg positiv, sie sind dankbar, dass wir auch in einem OBS-losen Jahr 2020 so etwas wie ein OBS-Gefühl über Pfingsten erzeugt haben. Dass sich die inhaltlich vielfältigen Streams deutlich vom derzeit allgegenwärtige Format “eine Band mit akustischen Instrumenten spielt zwei Stunden im eigenen Wohnzimmer” unterschieden, wurde als sehr erfrischend wahrgenommen. Während der Streams sind mehr als 5000 Euro an Unterstützungszahlungen eingegangen, die in Form verschiedener Luftgitarren-Modelle belohnt werden. Bestellungen im “Rettet das OBS!”-Webshop sind über das vergangene Wochenende nochmals deutlich in die Höhe gegangen. Wir sind mehr als zufrieden mit dem Projekt. Trotzdem wäre es uns natürlich lieb, wenn dies das erste und gleichzeitig letzte virtuelle Orange Blossom Special bleiben würde.“

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