ARD will nach Pleite der S!sters Vorentscheid reformieren

Favorit Niederlande gewinnt ESC-Finale knapp vor Italien

München (AFP) - Der große Favorit Niederlande hat den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen. Mit seiner Popballade "Arcade" setzte sich der 25-jährige Sänger Duncan Laurence im Finale in Tel Aviv am Samstagabend knapp vor Italien durch. Das deutsche Duo S!sters belegte mit seinem Song "Sister" den drittletzten Platz unter den 26 Startern. Die ARD will wegen der Enttäuschung nun den deutschen Vorentscheid reformieren.
Duncan Laurence feiert seinen Sieg Bild anzeigen
Duncan Laurence feiert seinen Sieg © AFP

Das Ergebnis in dem spannenden Finale fiel knapp aus - mit 492 Punkten hatte Laurence nur 27 Punkte mehr als Italiens Sänger Mahmood. Auf Platz drei kam Russland mit 369 Punkten. Laurence sagte nach seinem Triumph, "das ist für die großen Träume und dafür, dass Musik an erster Stelle steht. Immer."

Für die Niederlande war es insgesamt der fünfte Sieg bei dem zum 64. Mal ausgetragenen Musikwettberb, der letzte Erfolg lag allerdings bereits 44 Jahre zurück. "Wunderbar!", freute sich der niederländische Regierungschef Mark Rutte in Online-Netzwerken. Laurence, der mit bürgerlichen Namen Duncan de Moor heißt, war bis vor kurzem auch in seiner Heimat kaum bekannt. Seine neu gewonnene Popularität nutzt er, um für Toleranz zu werben. 2016 hatte sich der Musiker öffentlich zu seiner Bisexualiät bekannt.

Das deutsche Duo S!sters hatte schon vorab als Außenseiter des Wettbewerbs gegolten. Enttäuschend war aber, dass es als einziges Land vom Publikum null Punkte bekam. Ihre Niederlage nahmen die beiden Sängerinnen dennoch locker. Carlotta Truman sagte in der ARD, "wir haben 1000 Prozent gegeben, besser hätten wir es stimmlich, spaßmäßig nicht machen können."

Der in der ARD für den Wettbewerb verantwortliche Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber sagte dem Sender, mit dem Ergebnis "haben wir natürlich auch die Zuschauerinnen und Zuschauer in Deutschland enttäuscht". Schreiber kündigte an, das Auswahlverfahren der deutschen Starter überdenken zu wollen. "Zu sagen, wir machen jetzt weiter so wie bislang, wäre sicherlich der falsche Weg."

In der ARD und im Spartensender One schauten zusammen 8,1 Millionen Menschen die mehr als vierstündige Liveübertragung. Der ARD-Marktanteil lag bei 34,3 Prozent, damit holte das ESC-Finale die besten Einschaltquoten am Samstagabend. In den Niederlanden erreichte die Übertragung sogar eine Einschaltquote von 80 Prozent.

Der seit Wochen in den Wettbüros favorisierte Laurence konnte zwar weder die Abstimmung der Jury noch die des Publikums gewinnen, holte aber in der Summe die meisten Punkte. Beide Abstimmungen unterschieden sich zum Teil deutlich. So führte nach der Jury-Wertung der Schwede John Lundvik mit 239 Punkten - er bekam aber vom Publikum nur 93 Punkte und rutschte auf Platz sechs. Auf der anderen Seite fielen die Norweger mit 47 Punkten bei der Jury durch, holten mit 291 Punkten aber die größte Zustimmung des Publikums.

Das 64. ESC-Finale fand in Israel statt, weil im vergangenen Jahr die israelische Sängerin Netta mit ihrem Lied "Toy" gewonnen hatte. Die israelischen Gastgeber wollten mit Weltstar Madonna als Stargast dem weltweit am meisten beachteten Musikwettbewerb eine besondere Note geben - der Plan ging allerdings zumindest teilweise nach hinten los.

Die US-Sängerin zeigte erstaunliche Schwierigkeiten, die Töne zu treffen. In den sozialen Netzwerken ergoss sich Spott und Häme, zahlreiche Nutzer fragten, ob das die echte Madonna sei. Außerdem verärgerte Madonna die Europäische Rundfunkunion EBU, weil zwei ihrer Sänger eine israelische und palästinensische Flagge trugen, was als Appell für ein friedliches Nebeneinander von Israelis und Palästinensern verstanden werden konnte.

Politische Stellungnahmen sind beim ESC aber unerwünscht. Auch die isländische Band Hataris bekam Kritik der EBU, weil die Musiker während der Punktevergabe palästinensische Schals trugen.

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder