Bars und Restaurants in Marseille schließen - Paris muss Großveranstaltungen verkleinern

Frankreich verschärft Corona-Maßnahmen weiter

Paris (AFP) - Wegen des ungebremsten Anstiegs der Corona-Neuinfektionen greift Frankreich zu noch schärferen Maßnahmen: In der am stärksten betroffenen Stadt Marseille müssen ab Samstag alle Bars und Restaurants schließen, wie Gesundheitsminister Olivier Véran am Mittwoch in Paris ankündigte. In Paris und anderen Großstädten werden Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern untersagt. Das betrifft unter anderem das Grand-Slam-Tennisturnier der French Open ab Sonntag, das die Publikumszahl zuvor bereits reduzieren musste.
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Gesundheitsminister Olivier Véran mit der Karte der roten Risikogebiete © AFP

Im Großraum um die südfranzösischen Städte Marseille und Aix-en-Provence gilt nun die zweithöchste Corona-Warnstufe, ebenso wie für das Überseegebiet Guadeloupe in der Karibik. Steigen die Infektionszahlen dort weiter, drohen Ausgangsbeschränkungen, wie sie bereits zwischen März und Mai galten. Deutschland hatte kürzlich bereits eine Reisewarnung für die Region um die Provence und die Côte d'Azur verhängt.

Auch vor Reisen nach Paris und in mehr als zehn andere Regionen und Überseegebiete warnt das Auswärtige Amt derzeit. In Paris und zehn weiteren Großstädten werden nun Versammlungen von mehr als zehn Menschen etwa in Parks und auf Plätzen untersagt. Dort können die Präfekturen eine teilweise Schließung von Bars und Restaurants verhängen. Für Großveranstaltungen mit bis zu tausend Teilnehmern muss ein strenges Hygienekonzept vorgelegt werden. Bisher lag die Grenze bei 5000 Teilnehmern.

"Die Situation verschlechtert sich weiter", sagte Gesundheitsminister Véran im Fernsehen. "Vor allem der Druck auf die Krankenhäuser erfordert es, dass wir zusätzliche Maßnahmen ergreifen."

Nach seinen Angaben werden derzeit fast 6000 Menschen wegen einer Corona-Infektion in französischen Krankenhäusern behandelt. Seit einigen Tagen kämen täglich rund 600 neue Patienten hinzu, davon rund hundert auf den Intensivstationen, sagte er. Von der Höchstzahl von rund 7000 Intensiv-Patienten vom Frühjahr ist Frankreich zwar noch weit entfernt. Allerdings befürchtet die Regierung, dass sich das bis November ändern könnte.

Gegen die verschärften Maßnahmen gibt es Protest: Der für Marseille zuständige Regionalpräsident Renaud Muselier nannte die Schließung von Gastronomiebetrieben eine "kollektive Bestrafung", über die Paris "im Alleingang" entschieden habe. Dort wurden zuletzt 250 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner gemessen, das Fünffache des Corona-Warnwerts.

In Paris stieg die Zahl der Neuinfektionen auf 204 pro 100.000 Einwohner. In der Woche bis zum 19. September fielen in der Hauptstadt rund zehn Prozent der Tests positiv aus. Im Landesschnitt waren es rund sechs Prozent.

In ganz Frankreich wurden erneut mehr als 13.000 Neuansteckungen binnen 24 Stunden registriert, der bisherige Höchststand vom Samstag liegt bei fast 13.500 Fällen. Für besonders problematisch halten Experten die Überlastung der Testlabore: Da Infizierte die Ergebnisse oftmals erst nach einer Woche erhalten, lassen sich die Infektionsketten nicht effektiv durchbrechen.

In Frankreich mehren sich auch die Todesfälle wieder; inzwischen gibt es offiziell 31.459 Corona-Tote. Das ist in absoluten Zahlen einer der höchsten Stände Europas.

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