Ermittler haben bislang keine Hinweise auf politischen Hintergrund der Tat

Fünf Tote bei Attacke mit Geländewagen in Trier - Motiv weiter unklar

Trier (AFP) - Nach der Attacke mit einem Geländewagen mit fünf Toten und 14 Verletzten steht die rheinland-pfälzische Stadt Trier unter Schock. Es sei der "schwärzeste Tag" für Trier "seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) am Dienstagabend im Rathaus. Unter den Todesopfern war nach Polizeiangaben auch ein neun Monate altes Kleinkind. Der Fahrer wurde festgenommen. Hinweise auf ein politisches Motiv sahen die Ermittler zunächst nicht.

Rettungskräfte am Tatort Bild anzeigen Rettungskräfte am Tatort © AFP

Am frühen Nachmittag hatte ein Mann ein geliehenes Auto in die Fußgängerzone gesteuert. Polizeilichen Ermittlungen zufolge soll der 51-jährige Deutsche aus dem Landkreis Trier-Saarburg das Fahrzeug in Schlangenlinien über 900 Meter durch die Innenstadt gefahren haben. Er fuhr aus Richtung der Basilika über den Hauptmarkt in Richtung der Porta Nigra und habe wahllos Menschen an- und überfahren.

Um 13:45 Uhr ging nach Angaben der Ermittler der erste Notruf bei der Polizei ein. Nur vier Minuten später wurde der 51-Jährige laut Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) nahe der Porta Nigra festgenommen. Dabei leistete er offenbar Widerstand. "Ich bin seit 14 Jahren im Innenministerium. So eine Situation habe ich noch nicht miterleben müssen", sagte Lewentz.

Fünf Menschen starben nach Angaben der Ermittler, darunter ein neun Monate altes Kleinkind. Unter den Todesopfern waren zudem zwei Frauen im Alter von 25 und 73 Jahren sowie ein 45-jähriger Mann. Die Identität des fünften Totes blieb zunächst unklar. Weitere 14 Menschen wurden verletzt, acht von ihnen schwer. Etwa 25 Menschen gelten darüber hinaus nach der Tat als traumatisiert.

Ermittelt wird laut Staatsanwaltschaft wegen Mordes aus Heimtücke mit einem Auto als Waffe. Hinweise auf ein "religiöses, politisches oder terroristisches Motiv" als Hintergrund der Tat hatten die Ermittler auch am Abend nicht, das Motiv galt weiter als offen. Der Mann sei früher noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten und auch nicht vorbestraft.

Laut Staatsanwaltschaft liegt "möglicherweise ein psychiatrisches Krankheitsbild" vor. Der Mann sei bereits kurz durch einen Arzt des Gesundheitsamts begutachtet worden, weitere Erkenntnisse solle ein psychiatrisches Gutachten liefern.

Der Fahrer stand unter Alkoholeinfluss. Bei ihm seien 1,4 Promille gemessen worden, teilte die Polizei mit. Anschließend sei er für die Vernehmung zu einer Polizeidienststelle gebracht worden. Er habe zuletzt keine feste Wohnanschrift gehabt und keine näheren Verwandten. Der Geländewagen gehöre einem Bekannten des Mannes ohne Bezug zur Tat.

Das Trauma aufzuarbeiten werde dauern, sagte Leibe. "Ich will wissen, warum jemand das tut. Ob ich eine Antwort darauf bekomme, weiß ich nicht." Der Oberbürgrmeister verprach, dass Polizei und Staatsanwaltschaft alles für die Tataufklärung tun würden.

Normalerweise fände in der Trierer Innenstadt zurzeit der Weihnachtsmarkt statt, sagte Leibe. Da dieser wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde, sei die Fußgängerzone nicht mit Pollern abgesichert gewesen. Eine absolute Sicherheit vor solchen Taten gebe es nicht, sagte Leibe.

Am Mittwoch soll der 51-Jährige einem Haftrichter vorgeführt werden. Unter Umständen komme auch die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik in Betracht. Für den Mittwochvormittag kündigte die Stadt eine Gedenkveranstaltung vor der Porta Nigra an. Alle Fahnen in Rheinland-Pfalz sollen auf Halbmast wehen.

Auch die Politik zeigte sich erschüttert. "Die Nachrichten aus Trier machen mich sehr traurig", hieß es in einer Erklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen der Menschen, die so jäh und gewaltsam aus dem Leben gerissen wurden." Die Vorstellung, dass Eltern den Tod ihres Kindes betrauern müssen, sei schlimm, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Abend über das jüngste Tatopfer. Es sei ein "ganz schlimmer Tag" für ihre Heimatstadt und das Land.