Trump facht Streit um Opferbilanz von früherem Sturm in Puerto Rico an

Gefährlicher Hurrikan "Florence" soll noch am Donnerstag die USA erreichen

Wilmington (AFP) - Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 175 Stundenkilometern ist der gefährliche Hurrikan "Florence" weiter auf die US-Südostküste vorgerückt. Auch wenn sich der Sturm etwas abgeschwächt habe, drohten weiterhin "lebensgefährliche Überschwemmungen", warnte das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC). Es erwartete, dass das Zentrum des Sturms am Donnerstagabend (Ortszeit) auf die Küste prallen würde.
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Hurrikan "Florence" von der ISS aus fotografiert © AFP

Auch US-Präsident Donald Trump warnte die Bevölkerung erneut in dramatische Worten vor dem Sturm: "Geht ihm aus dem Weg, spielt keine Spiele mit ihm." Zugleich versicherte er, die Behörden seien ausreichend gewappnet: "Wir sind bereit, wir sind fähig."

Trump steht wegen des Umgangs mit dem Hurrikan "Maria" im US-Außenterritorium Puerto Rico vor einem Jahr in der Kritik. Bei diesem Sturm waren nach einer kürzlich veröffentlichten Studie rund 3000 Menschen ums Leben gekommen.

Der Präsident bezeichnete diese Opferbilanz jedoch als massiv übertrieben: Zum Zeitpunkt seines damaligen Besuchs der Karibikinsel habe es etwa sechs bis 18 Tote gegeben, schrieb er am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Die jüngste Opferbilanz aus Puerto Rico beschrieb Trump als Komplott der oppositionellen Demokraten, "um mich so schlecht wie möglich aussehen zu lassen". Dabei habe er "Milliarden von Dollar" für den Wiederaufbau der Insel aufgebracht.

Während Trump den Streit um das Katastrophenmanagement in Puerto Rico anfachte, befand sich "Florence" rund 275 Kilometer südlich des Badeortes Wilmington im US-Bundesstaat North Carolina. Der Sturm bewegte sich nach Angaben des NHC mit einer Geschwindigkeit von rund 20 Stundenkilometern in nordwestlicher Richtung weiter.

Wegen seit Mittwoch nachlassender Windgeschwindigkeiten stufte das Zentrum den Sturm auf der fünfstufigen Hurrikan-Skala von 4 auf 2 herab. Dennoch handele es sich weiterhin um eine "lebensgefährliche Situation", warnte das NHC. Die betroffene Bevölkerung solle den Evakuierungsanordungen der örtlichen Behörden "unverzüglich" folgen.

Der Vorhersage zufolge dürfte in einigen Regionen der Bundesstaaten North Carolina und South Carolina bis zu ein Meter Regen fallen. Dadurch könne es katastrophale Springfluten geben, Flüsse könnten über die Ufer treten, erklärte das NHC.

Die US-Katastrophenschutzbehörde Fema hatte zuvor gewarnt, "Florence" werde die Küste mit der Wucht eines "Mike-Tyson-Schlages" treffen - eine Anspielung auf den Ex-Boxweltmeister. Selbst der deutsche Astronaut Alexander Gerst, der den Sturm von der Internationalen Raumstation (ISS) aus beobachtete, mahnte die US-Bürger: "Pass auf, Amerika!" twitterte er.

In North und South Carolina sowie den Bundesstaaten Maryland, Virginia, Georgia und der Hauptstadt Washington hatten die Behörden in den vergangenen Tagen den Notstand ausgerufen. Für insgesamt rund 1,7 Millionen Bewohner galten Evakuierungsanordnungen oder -empfehlungen.

Tausende Küstenbewohner flüchteten in andere Landesgegenden, auf den Straßen bildeten sich Staus. Andere begaben sich in Notunterkünfte, wiederum andere wollten dem Sturm jedoch in ihren Häusern trotzen.

Der nahe der historischen Hafenstadt Charleston in South Carolina wohnende Elektriker Kevin Miller berichtete, er habe bereits den Hurrikan "Hugo" von 1989 in seinem Haus durchgestanden und wolle auch diesmal bleiben. "Wir haben alles. Wir sind vorbereitet", sagte der 50-Jährige.

Der Energieversorger Duke Energy in North und South Carolina erklärte, in diesen Bundesstaaten drohe in einer bis drei Millionen Haushalten der Strom auszufallen. Nach Angaben der Website "FlightAware" wurden im Zeitraum zwischen Mittwoch bis kommenden Samstag wegen "Florence" bereits mehr als 1400 Flüge gestrichen.

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