„Orange The World“

Gemeinsames „Nein“ auf beiden Seiten der Weser

Höxter/Holzminden (ozm) - „Wir schauen nicht weg, sondern sagen geschlossen und entschieden Nein zu Gewalt an Frauen und Kindern“: Für dieses Anliegen haben viele Menschen am Mittwochabend in den Kreisen Höxter und Holzminden öffentlichkeitswirksam Flagge gezeigt. Sie beleuchteten im Rahmen der weltweiten Kampagne „Orange The World“ ihre Häuser in dieser markanten, leuchtenden Farbe.

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Zonta-Präsidentin Ute Sievers (rechts), Bürgermeister Daniel Hartmann und Gleichstellungsbeauftragte Claudia Pelz-Weskamp zeigen Flagge im Einsatz gegen Gewalt an Frauen. Das Historische Rathaus Höxter gehörte zu den beleuchteten Gebäuden.

© Foto: Zonta-Club

Stadtverwaltungen, Geschäftshäuser, die Hochschulgebäude in Höxter und Holzminden, die Schlösser Fürstenberg und Holzhausen, Wahrzeichen wie die Dechanei in Höxter, die Weserbrücke in Beverungen, aber auch die Fenster vieler privater Wohnungen erstrahlten in Orange - der Kampagnenfarbe der UN zur Ächtung von Gewalt an Frauen und Kindern. Zum zweiten Mal beteiligte sich der Zonta-Club Höxter an der spektakulären internationalen Beleuchtungsoffensive. Kooperationspartner war der Arbeitskreis „Gegen Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Höxter“.
Warum das gemeinsame „Nein“ so wichtig ist, begründete Zonta-Präsidentin Ute Sievers mit bedrückenden Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik: „2019 wurden 117 Frauen durch ihren Partner oder Ex-Partner umgebracht. Jeden Tag werden mehr als acht Frauen von ihrem Partner vergewaltigt oder sexuell genötigt. Und das in Deutschland. Deshalb ist es für uns wichtig, Flagge zu zeigen und Stadt und Region orange zu beleuchten.“ Höxters Gleichstellungsbeauftragte Claudia Pelz-Weskamp bekräftigte das Anliegen und richtete den Fokus auf die vom Zonta-Club mit einem jährlichen Zuschuss unterstützte Frauenberatungsstelle im Kreis Höxter sowie auf das Frauen- und Kinderschutzhaus: „Ich wünsche mir für beide Einrichtungen eine auskömmliche und gesicherte Finanzierung durch Landes- oder Bundesmittel, also aus einer Hand.“ Zudem hofft sie auf einen generellen kostenlosen Zugang zum Frauen- und Kinderschutzhaus sowie auf Unterstützung bei der Einrichtung einer Anlaufstelle für Täterarbeit gegen häusliche und andere Gewalt.
Das klare „Nein“ zu Gewalt an Frauen und Kindern unterstrich auch Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann: „Wir beleuchten heute drei städtische Gebäude, die VHS, das Stadthaus und das Historische Rathaus, und möchten somit Teil der Aktion ‚Orange The World‘ sein.“ Der Bürgermeister machte bei der Gelegenheit auf die Beratungs- und Hilfsangebote zum Thema Gewalt sowie auf die zahlreichen Informationsbroschüren aufmerksam. Diese liegen im Stadthaus auf der Theke des Bürgerbüros sowie bei der Gleichstellungsbeauftragten aus.
Brücken zu den niedersächsischen Nachbarn auf der anderen Weserseite schlug die Offensive in mehrerlei Hinsicht: Die Weserbrücke in Beverungen war orange beleuchtet und spannte den Bogen zwischen NRW und Niedersachsen. Das Schloss Fürstenberg war wieder dabei, die Stadtverwaltung Holzminden beteiligte sich und auch beide Hochschulen – die HAWK Holzminden und die Technische Hochschule OWL, Standort Höxter, - waren in der Kampagnenfarbe illuminiert. Professor Dr. Stefan Wolf, Sprecher des Standorts Höxter, brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass beide Hochschulen gemeinsam ein Zeichen setzen. „Gewalt an Frauen und Kindern dürfte eigentlich gar kein Thema sein“, betonte er. „Leider ist es aber eins.“ Daher sei es umso wichtiger, öffentlichkeitswirksam „Nein“ zu sagen, betonte Professor Wolf, unter dessen Anleitung Studierende vor einigen Jahren die Homepage des Arbeitskreises gegen Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Höxter gestaltet haben.
Die Menschen in der Region begrüßten das weithin sichtbare Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Gerade jetzt, da mehr Gewalttaten in der Corona-Pandemie zu beklagen seien, setze die Kampagne das richtige Signal, sagte eine Höxteranerin.