Österreicher in Cannes zum zweiten Mal erfolgreich

Goldene Palme für Haneke-Film um Altern und Tod

Cannes (AFP) - Mit einem bewegenden Film über Liebe im Angesicht von Alter und Tod hat der österreichische Regisseur Michael Haneke zum zweiten Mal in drei Jahren die Goldenen Palme gewonnen. Der 70-Jährige wurde zum Abschluss des Filmfestivals von Cannes für seinen Film "Amour" ("Liebe") geehrt. Der Mexikaner Carlos Reygadas bekam für seinen umstrittenen Film "Post tenebras lux" den Preis für die beste Regie.
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Goldene Palme in Cannes verliehen © AFP

Für "Amour" sind zwei französische Schauspielveteranen noch einmal vor die Kamera getreten: Die 85-jährige Emmanuelle Riva, die 1959 mit "Hiroshima mon Amour" berühmt wurde, und der 81-jährige Jean-Louis Trintignant spielen die Rollen der todkranken Anne und ihres fürsorglichen Ehemanns Georges, der seine Frau bis zum Ende begleitet.

Bei der Preisübergabe im Festival-Palast von Cannes sagte Haneke, er selbst und seine Frau hätten sich gegenseitig versprochen, sich so zu verhalten wie die Hauptfiguren in seinem Film. "Amour" setzte sich gegen 21 andere Werke durch, die am offiziellen Wettbewerb teilnahmen. Haneke hatte vor drei Jahren die Goldene Palme für das bedrückende Familiendrama "Das weiße Band" erhalten.

Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied nannte die neuerliche Goldene Palme für Haneke eine "verdiente Auszeichnung" für eine "filmische Glanzleistung". "Österreichs starke Präsenz" in Cannes unterstreiche "einmal mehr seine Bedeutung als erfolgreiches Filmland", fügte sie hinzu. Der Österreicher Ulrich Seidl war mit "Paradies: Liebe" im Wettbewerb vertreten gewesen.

Für Trintignant war es die Rückkehr nach Cannes nach 14-jähriger Filmpause. "Amour" sei sein letzter Film, kündigte er vor Journalisten an. Nur Haneke, "einer der größten Regisseure der Welt", habe ihn bewegen können, noch einmal vor der Kamera zu stehen.

Der Däne Mads Mikkelsen wurde für seine Rolle in dem Psychothriller "The Hunt" des Dänen Thomas Vinterberg als bester Schauspieler ausgezeichnet. Der 46-Jährige spielt einen Angestellten in einem Kindergarten, der zu Unrecht verdächtigt wird, ein kleines Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

Als beste Darstellerinnen wurden die beiden jungen Rumäninnen Cosmina Stratan und Cristina Flutur für ihre Rollen in "Beyond the Hills" des Rumänen Cristian Mungiu ausgezeichnet. Der Streifen um ein Exorzismus-Drama in einem rumänischen Waisenhaus erhielt zugleich den Preis für das beste Drehbuch.

Der Mexikaner Reygadas verstörte das Festivalpublikum mit "Post tenebras lux" (in etwa "Licht nach dem Dunkel") - die Geschichte einer Großstadt-Familie, die aufs Land zieht und dabei in eine Spirale aus Gewalt gerät. Die Jury unter der Leitung des Italieners Nanni Moretti räumte ein, dass sie über den Film gespalten gewesen sei, die Befürworter sich aber letztlich durchgesetzt hätten.

© AFP

Der Große Preis der Jury ging an "Reality" des Italieners Matteo Garrone - eine bitter-böse Komödie über einen Fischhändler aus Neapel, dessen Leben durcheinandergerät, nachdem er sich an einem Casting für eine "Reality Show" beteiligt. Für die Hauptrolle in dem Film bekam ein inhaftierter Ex-Mafia-Killer Hafturlaub - nach Cannes reisen durfte er jedoch nicht.

Der Brite Ken Loach, der 2006 die Goldene Palme für "The Wind that Shakes the Barley" erhalten hatte, war zum elften Mal im Wettbewerb von Cannes vertreten. Für die Komödie mit "The Angel's Share" bekam er den dritten Platz der Jury.

Infos zum Fimfestival  - Offizielle Website 

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