Epidemie breitet sich in Europa immer weiter aus - Schon über 320 Fälle in Italien

Grenzen zwischen Italien und den Nachbarländern bleiben trotz Coronavirus offen

Rom (AFP) - Trotz der starken Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Italien sollen die Grenzen zu den Nachbarländern vorerst offen bleiben. Dies teilte der italienische Innenminister Roberto Speranza am Dienstag nach einem Krisentreffen mit seinen Kollegen aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Kroatien und der Schweiz in Rom mit. Eine Schließung der Grenzen "wäre ein Fehler und unverhältnismäßig". In Italien stieg derweil die Zahl der Infizierten. Auch aus anderen europäischen Ländern wurden neue Fälle gemeldet.
alle Bilder anzeigen Epidemie breitet sich in Italien weiter aus Bild anzeigen
Epidemie breitet sich in Italien weiter aus © AFP

Italien kämpft gegenwärtig gegen den größten Infektionsherd in Europa. Bis Dienstag wurden 322 Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus registriert, zehn Infizierte starben. Wegen dieser alarmierenden Entwicklung wurde das Krisentreffen in Rom einberufen, an dem auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) teilnahm.

"Wir nehmen die Situation sehr, sehr ernst", betonte Spahn nach dem Treffen. Bei den nun in Europa aufgetretenen Fällen sei "nicht mehr jede Infektionskette nachvollziehbar". "Das heißt, wir haben eine neue Lage, mit der wir umgehen müssen."

In Italien breitete sich das Virus nach Behördenangaben weiter bis zur Toskana, Sizilien und Ligurien aus. Die meisten Infektionen wurden weiterhin in der nördlichen Region Lombardei verzeichnet. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte machte in einem Fernsehinterview öffentlich, dass ein Krankenhaus mit der Missachtung von Vorschriften zur Ausbreitung des Erregers in Italien beitrug. Als Italiens "Patient Nummer eins" mit dem neuartigen Coronavirus gilt ein 38-Jähriger, der außer seiner hochschwangeren Frau auch Ärzte und Pflegepersonal in dem behandelnden Krankenhaus ansteckte.

Kroatien meldete am Dienstag den ersten bekannten Infektionsfall auf dem Balkan. Auch in der Schweiz wurde im Kanton Tessin ein erster Fall registriert. Aus Frankreich wurden zwei neue Infektionsfälle gemeldet.

Aus dem Bundesland Tirol wurden nach Regierungsangaben die ersten zwei Coronavirus-Fälle in Österreich bestätigt. Am Dienstagabend sperrten die Behörden laut der Nachrichtenagentur APA vorübergehend ein Hotel in Innsbruck, in dem eine infizierte Italienerin als Rezeptionistin arbeitete. Die 24-Jährige und ihr gleichaltriger Freund waren in der vergangenen Woche aus der Lombardei nach Innsbruck gereist. Beide wurden in einem Innsbrucker Krankenhaus unter Quarantäne gestellt, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Auf der spanischen Ferieninsel Teneriffa durften die Gäste ein Vier-Sterne-Hotel wegen eines Coronavirus-Verdachtsfalls vorerst nicht verlassen. Das Hotel "H10 Costa Adeje Palace" sei unter "sanitäre Kontrolle", nicht aber unter Quarantäne gestellt worden, teilte die kanarische Gesundheitsbehörde mit. Ein italienischer Hotelgast war demnach am Montag positiv auf das Virus getestet worden. Wie aus dem Auswärtigen Amt verlautete, muss davon ausgegangen werden, dass sich auch Deutsche unter den Hotelgästen befinden.

In China stieg die offizielle Zahl der Coronavirus-Toten bis Dienstag um weitere 71 Fälle auf 2663. Die Zahl der Infektionen wuchs um 508 auf rund 77.500. Die offizielle Zahl der neu registrierten Infektionen war in China zwar höher als am Montag, lag aber deutlich unter dem Stand der vergangenen Woche.

Allerdings hat sich die Krise zuletzt andernorts deutlich verschärft. Größter Herd des Erregers außerhalb Chinas ist Südkorea mit 977 Infektionsfällen und zehn Toten. Sorge bereitet auch die Lage im Iran, wo sich nach Behördenangaben bisher 95 Menschen infizierten und 15 starben.

Der Leiter einer gemeinsamen Expertenmission der Weltgesundheitsorganisation WHO und Chinas warnte am Dienstag in Genf, die Welt sei "einfach nicht bereit", den Virusausbruch einzudämmen. Bruce Aylward rief die Länder dazu auf, von der Expertise der chinesischen Behörden zu lernen. "Man muss darauf vorbereitet sein, dies in größerem Maßstab zu bewältigen, und es muss schnell gehen."

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder