In Noworossijsk wurden zahlreiche Häuser abgedeckt, in der Region Krasnodar knickte der Hurrikan mehrere Strommasten um, wie ein Polizeisprecher laut der Nachrichtenagentur Interfax sagte. Insgesamt waren demnach bei Temperaturen von minus 20 Grad rund 28.000 Menschen ohne Strom. Zuvor war von mehr als 10.000 Betroffenen die Rede gewesen. Die örtlichen Behörden schlossen wegen der Kälte die Schulen. In Russland starben nach neuen Angaben des Gesundheitsministeriums 110 Menschen seit Jahresbeginn. Das Quecksilber sank im ostsibirischen Jakutien auf minus 34 Grad.
Durch die Kältewelle in Europa starben bislang mehr als 480 Menschen, die meisten davon in der Ukraine. Dort wurden bislang 136 Tote registriert. Dichtes Schneetreiben beeinträchtigte den Verkehr im Süden des Landes, wo hunderte Autofahrer feststeckten. In Polen starben insgesamt 74 Menschen, die meisten von ihnen Obdachlose, wie die Polizei mitteilte.
In Italien stieg die Gesamtzahl der Kälteopfer nach Behördenangaben auf 40. Zu den neuen Opfern gehörten zwei erfrorene Obdachlose in Monza und Ferrara sowie ein geistig gestörter Mann, der nahe Genua erfroren aufgefunden wurde. Am Gardasee wurden minus 25 Grad Celsius gemessen, selbst im Süden des Landes schneite es heftig. In der Stadt L'Aquila in den Abruzzen, die 2009 von einem Erdbeben zerstört wurde, fürchteten die eingeschneiten Bewohner eine Lebensmittelknappheit. Zugleich meldeten sie, ausgehungerte Wölfe seien im nahegelegenen Dorf Trasacco aufgetaucht.
Mindestens 16 Menschen starben bisher durch die Kälte in Bulgarien, wo die Schulen geschlossen wurden. Nach den schweren Überschwemmungen am Montag im Süden des Landes, bei denen acht Menschen getötet worden waren, verhängte die Regierung für Mittwoch einen Tag der nationalen Trauer. Polen, Italien und die Niederlande schickten Nothilfe, darunter Zelte und Dichtungsmaterial für Dämme, wie die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva, mitteilte. Auch der Schiffsverkehr auf der Donau war wegen Vereisung vielfach stark beeinträchtigt.
In Rumänien stieg die Zahl der Todesopfer auf 41. Aus Litauen wurden 23, aus Tschechien 24 und aus Lettland zehn Kältetote gemeldet. In Ungarn meldeten die Rettungskräfte insgesamt 16 Todesopfer. Auf dem Balkan stieg die Opferzahl auf insgesamt 24. In Deutschland starben mindestens sechs Menschen durch die Kälte.
Papst Benedikt XVI. rief die Katholiken zur "Solidarität" mit den Opfern auf. Bei seiner wöchentlichen Generalaudienz im Vatikan ermunterte der Papst die Gläubigen zum Zusammenhalt und zum "Großmut" gegenüber den Betroffenen.
In der Türkei gab es derweil erneut Sturm, Schnee und Überschwemmungen. Wegen des schlechten Wetters wurden am Istanbuler Atatürk-Flughafen nach Mitteilung der Fluggesellschaft Turkish Airlines rund 60 Flüge gestrichen, auch Fährverbindungen von Istanbul über das Marmara-Meer wurden eingestellt. Erst in der vergangenen Woche hatte Istanbul die schneereichsten und kältesten Tage seit Jahren erlebt.
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